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Unsere Projektreise durch Afrika und Asien

Archiv der Kategorie ‘Kenia‘

Geraubte Kindheit hinter Gittern

26. September 2007

The Nest gibt Kindern von inhaftierten Müttern vorübergehend ein Zuhause

Bericht aus Limuru, Kenia

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„Ich habe gesehen, wie Papa das Baby zerbrochen hat.“ So beschreibt der 10-jährige George die unfassbare Vergewaltigung seiner kleinen Schwester Lisa (beide Namen geändert). Mit drei Monaten wurde sie von ihrem eigenen Vater vergewaltigt. Das Kind wurde regelrecht aufgespießt, ihr kleiner Körper aufgerissen, ihre Seele zerstört.

 

Lisa überlebt wie durch ein Wunder die schreckliche Vergewaltigung. Ihre alkoholabhängige Mutter bringt das Mädchen in ein Krankenhaus, wo es sofort notoperiert wird. Kurz nach der Entlassung kommt es erneut zu einem tragischen Zwischenfall. Die schwer betrunkene Mutter wird mit dem Kind in einem Straßengraben gefunden. Lisa leidet an einer schweren Infektion und muss erneut ins Krankenhaus gebracht werden. Die Mutter wird inhaftiert, vom Vater fehlt jede Spur.

 

Eine Sozialarbeiterin von „The Nest“ wird bei ihren Gefängnisbesuchen auf die traurige und unfassbare Geschichte der kleinen Lisa aufmerksam. Gleichzeitig erfährt sie von den beiden hinterbliebenen sieben- und zehnjährigen Geschwistern von Lisa, die noch irgendwo Zuhause sein müssen und um die sich keiner kümmert.

 

„Kinder, deren Mütter im Gefängnis sind und um die sich keiner kümmern kann, werden bei uns im Kinderhaus aufgenommen“ erklärt Irene Baumgartner, Gründerin und Leiterin von „The Nest“, das im Jahr 1999 eröffnet und 2001 als Stiftung in Kenia registriert wurde.

 

Meist bietet sich den Mitarbeitern des Nests ein trauriges Bild, wenn Kinder aus dem Gefängnis zu ihnen gebracht oder diese alleine Zuhause aufgefunden werden. Im Fall der beiden Geschwister von Lisa erzählt Irene Baumgartner betroffen: „Die beiden verwahrlosten Buben hatten seit Tagen nichts mehr gegessen und waren völlig ausgehungert. In der Hütte roch es nach Fäkalien und die Großmutter lag betrunken und völlig geistesabwesend in einer Ecke.“

 

The Nest – Liebevoll betreut statt ganz allein gelassen

Heute leben Lisa und ihre beiden Brüder zusammen mit 88 weiteren Kindern im Kinderhaus „The Nest“. Die Organisation gibt vernachlässigten und verwahrlosten Kindern, deren Mütter in Haft sind, vorübergehend ein Zuhause. “Viele Kinder kommen traumatisiert oder in einem gesundheitlich bedrohlichen Zustand zu uns“, erläutert Irene Baumgartner. „Wir kümmern uns um alles, was die Kinder brauchen und versuchen ihnen durch liebevolle Zuwendung über die Trennung von ihren Müttern hinwegzuhelfen.“

 

Das Kinderhaus liegt in Limuru, 25 km nordwestlich von Nairobi. Das vorübergehende Zuhause für die Kinder ist sehr freundlich und kindgerecht eingerichtet. Auf dem gesamten Gelände herrscht eine warmherzige Atmosphäre und man spürt, dass hier alles getan wird, um den Aufenthalt der Kinder so angenehm wie möglich zu gestalten. Das qualifizierte Team des Kinderhauses bestehend aus Krankenschwestern, Sozialarbeiterinnen, Lehrern und Hausmüttern ist engagiert und geht liebevoll mit den Kindern um.

 

Während die Jüngeren im eigenen Kindergarten betreut werden, gehen die älteren Kinder in die staatliche Grundschule. Die Kinder dürfen so lange im Nest bleiben, bis ihre Mütter wieder aus der Haft entlassen werden und in der Lage sind, für sich und ihre Kinder zu sorgen.

 

Für die Zeit nach der Entlassung hat die Organisation jüngst ein „Half-Way Home“ eröffnet, in dem die Mütter zusammen mit ihren Kindern nach ihrer Haft zunächst einmal wohnen und sich neu orientieren können. „Durch Familien- und Rechtsberatung, Unterstützung bei Behördengängen, Kleinkreditvergaben und dem Aufbau einer Jobbörse versuchen wir den entlassenen Müttern einen sicheren und verlässlichen Weg zurück in die Gesellschaft zu ermöglichen“, beschreibt Irene Baumgartner die Ziele des Half-Way Homes.

 

 

Besuchs- und Betreuungsprogramm der Mütter in den Gefängnissendie-kinder-von-the-nest.jpg

Neben dem Kinderhaus und dem Reintegrationsprogramm liegt ein weiterer Schwerpunkt der Organisation in der Betreuung von noch inhaftierten Müttern und ihren Kindern. Gesetzlich vorgeschrieben ist in Kenia, dass Kinder bis zu vier Jahren bei ihren Müttern im Gefängnis verbleiben dürfen. Wenn sie älter sind, müssen sie entweder zu Verwandten oder in ein staatliches Waisenhaus.

 

Regelmäßig besuchen Sozialarbeiter und Krankenschwestern der Organisation die sechs Frauengefängnisse im Großraum Nairobi sowie teilweise auch in anderen Teilen des Landes. „Während die Zustände im größten Frauengefängnis mit rund 600 weiblichen Gefangenen hier in Nairobi recht gut sind, sieht es in den Gefängnissen auf dem Land oftmals katastrophal aus. Die Gefangenen sind zumeist in bruchfälligen Gebäuden untergebracht, müssen auf dem Boden schlafen und es gibt weder Decken noch Moskitonetze“, so Irene Baumgartner. Absolut unzureichend sind auch die Möglichkeiten zur Versorgung der Kinder, die weder Spielzeug noch ausreichend Platz oder eine kindgerechte Umgebung zum Spielen haben. Da erwiesen ist, dass gerade die ersten drei Lebensjahre für die Entwicklung von Kindern entscheidend sind, wird klar, welch bleibende Schäden durch eine Kindheit hinter Gittern entstehen können.

 

„Noch grauenhafter sind die Zustände in der Untersuchungshaft“, erklärt Irene Baumgartner. Nach den gesetzlichen Bestimmungen dürfen verhaftete Menschen in Kenia nur bis maximal 14 Tage in Untersuchungshaft genommen werden. „In der Praxis jedoch ist es durchaus üblich, dass Verhaftete bis zu zwei Jahren und mehr in der U-Haft verbringen müssen. Die Zellen sind winzig und meist überfüllt. Die Kinder rütteln an den Stäben, viele von ihnen sind schwer traumatisiert.“ Das Tragische daran ist, dass die meisten Frauen in den Gefängnissen aus Bagatellegründen wie beispielsweise Mundraub, dem Verkauf von Gemüse auf der Straße ohne Lizenz oder wegen Unfähigkeit zur Zahlung der Miete verhaftet wurden. Auch wenn sie nicht kriminell sind, werden sie wie Schwerverbrecher behandelt.

 

„The Nest“ ist die einzige Organisation in Kenia, die sich um die „Gefängnismütter“ und ihre Kinder kümmert. „Wir erhalten Hilferufe aus allen Teilen des Landes. Es gibt noch so viele Frauen und Kinder in den Gefängnissen des Landes, um deren Rechte sich niemand kümmert. Gerne würden wir unser Betreuungsprogramm in den Gefängnissen weiter ausbauen.“ Dies ist nur eine der vielen Herausforderungen, mit denen Irene Baumgartner konfrontiert ist. „Die Schwierigkeit für uns ist, dass „The Nest“ bisher ausschließlich durch Einzelspender finanziert wird. Wir suchen dringend nach einer Organisation oder Stiftung, die unser Kinderhaus, das Half-Way Home und die Besuchsprogramme in den Gefängnissen dauerhaft unterstützt.“

 

irene-baumgartner-mit-der-kleinen-lisa.jpgGerne würden wir „The Nest“ dabei helfen! Wie einzigartig und dringend notwendig ihre zutiefst unterstützungswürdige Arbeit ist, wird uns noch einmal klar, als wir gemeinsam mit Irene Baumgartner am Bettchen der kleinen Lisa im Kinderkrankenhaus von Nairobi stehen. Lisa ist mittlerweile acht Monate alt und hat die chirurgische Operation, bei der ihr kleiner Körper weitgehend wiederhergestellt wurde, gut überstanden. Als sie Irene Baumgartner sieht, strahlt sie. Ihr Lachen zeigt die innige Verbundenheit zu dem Menschen, der ihr Leben gerettet hat.

 

The Nest sucht:

  • Einen Schreiner auf ehrenamtlicher Basis zur Fertigung neuer Kindermöbel sowie für Reparaturzwecke. Gewünschter Zeitraum: ca. 6 Wochen

  • Einen Elektriker ebenfalls auf ehrenamtlicher Basis für dringend erforderliche Reparaturarbeiten.

  • Die finanzielle Absicherung des Gehalts einer dritten Sozialarbeiterin für den Besuch und die Betreuung weiterer Frauen und Kinder in den Gefängnissen.

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

The Nest

Adresse: P.O. Box 605-00621, Nairobi, Kenya

Kontakt: Irene Baumgartner

Telefon: +254 721 437893

e-Mail: thenesthome@yahoo.de

Web: www.thenesthome.com

Förderverein Tunza Dada e.V.

Adresse: Zuschlag 12, 26127 Oldenburg, Deutschland

Kontakt: Angela Kunz

e-Mail: angela.kunz@t-online.de

Keinen Bock mehr aufs Leben auf der Straße

26. September 2007

Ex-Streetkid eröffnet Zufluchtstätte für Straßenkinder

Bericht aus Kisumu, Westkenia

 

kisumu-ex-streetboys.jpg„Fünfzehn Jahre meines Lebens habe ich auf der Straße gelebt. Ich habe gestohlen, Menschen überfallen und ausgeraubt und habe sieben Jahre im Gefängnis verbracht.“ In erstaunlicher Offenheit erzählt der heute 26-jährige Dancan Omondi über seine Vergangenheit als Straßenkind.

 

Vor Dancan sitzen 29 Kinder auf dem Boden. Sie alle hat er von der Straße geholt und lebt mit ihnen in zwei kleinen Räumen eines einfachen Steinhauses in „Nalenda-B“, einem Slumgebiet am Stadtrand von Kisumu. In den ernsten Gesichtern der Kinder kann man die Härte des Lebens, das sie geführt haben, erkennen.

 

Der 12-jährige Isaak lebte sieben Jahre auf der Straße, bevor er Dancan traf. Nachdem seine Eltern an AIDS gestorben waren, lebte er für kurze Zeit bei seinem Onkel. „Dieser nutzte mich nur aus. Ich musste all die Drecksarbeit erledigen und wurde oft geschlagen. Eines Tages bin ich einfach abgehauen und nie mehr zurückgekehrt.“ Für seine zwölf Jahre hat der kleine Isaak bereits viel Schreckliches erlebt. „Es war ein gefährliches Leben. Wir mussten uns oft von der Polizei verstecken und schliefen in den Kanalrohren. Zwei meiner Freunde sind bei heftigen Regenfällen darin ertrunken. Man hat sie nie mehr wiedergefunden.“ Weiter schildert er den täglichen Kampf ums Überleben. „Wir haben das gegessen, was die reichen Leute weggeschmissen haben. Manchmal haben wir mehrere Tage nichts zu essen bekommen. Wenn der Hunger zu groß wurde, haben wir gestohlen, was immer wir kriegen konnten.“

 

Es fällt schwer, Kinder wie Isaak für ihr Verhalten zu verurteilen. „Die Leute nennen uns Diebe. Doch wenn man über Tage nichts zu essen bekommen hat, dann wird jeder Mensch zum Dieb!“ Der 17-jährige Max stimmt ihm zu und ergänzt. „Das beste Mittel gegen den Schmerz des Hungers ist ‚Glue’.“ Das Inhalieren des Klebstoffs ist bei Straßenkindern sehr beliebt. Es ist die billigste und leicht erhältlichste Droge und wirkt sofort. Doch fatal sind die Folgen. Mit jedem Einatmen der Klebstoffdämpfe werden Lungenzellen zerstört. Der heftige Husten von Max verrät, dass auch seine Lunge bereits stark geschädigt ist.

 

in-zwei-kleinen-raeumen-wohnen-die-29-ex-streetkids.jpgDie Schilderungen von Isaak und Max stehen stellvertretend für die Schicksale all der 20 Jungen und neun Mädchen, die heute zusammen mit Dancan in den beiden winzigen Räumen leben. Es fehlt ihnen an allem. Die Kinder schlafen auf Strohmatten. Matratzen und Decken gibt es nicht. „Doch das wichtigste ist zunächst einmal, dass wir für alle Kinder genug zu essen haben“, so Dancan. Selbst dafür reicht das wenige Geld, das sie haben, nicht immer.

 

Mittlerweile ist aus der Initiative von Dancan eine kleine Kinderorganisation entstanden, die bei der Distriktregierung im November 2006 als „Kisumu Ex-Street Boys Youth Group“ registriert und als gemeinnützig anerkannt wurde. Bisher müssen sich die Kinder das Geld für ihr Essen weitestgehend selbst erarbeiten. „Wir haben einen kleinen Gospelchor gegründet“, erklärt Dancan, „mit dem wir jeden Sonntag in verschiedenen Kirchengemeinden auftreten und mit unseren Liedern um Lebensmittel oder kleine Spenden bitten.“ Zusätzlich verdienen die älteren Kinder in ihrer Freizeit ein wenig Geld durch Gartenarbeit. Dennoch reicht es hinten und vorne nicht, und so ist die noch junge Organisation auf der Suche nach regelmäßiger und zuverlässiger Unterstützung.

 

„Unser Ziel ist es, zunächst einmal die wichtigsten Grundbedürfnisse der Kinder verlässlich abzusichern und dafür zu sorgen, dass alle Kinder zur Schule gehen können“, erklärt Dancan. „Wir brauchen dringend einen weiteren Raum, in dem die Mädchen separat untergebracht werden können, dazu Decken und wenn möglich Matratzen, so dass die Kinder nicht mehr auf dem Boden schlafen müssen. Darüber hinaus fehlt es an Kleidung, medizinischer Versorgung sowie an Geld für die Schulgebühren, Schulbücher und Uniformen.“

 

Trotz aller Schwierigkeiten sind die Kinder fest entschlossen, nicht wieder auf die Straße zurückzugehen. „Hier haben wir zumindest ein Dach über dem Kopf und werden nicht jede Nacht von der Polizei gejagt“, meldet sich Max erneut zu Wort. Zu wach sind ihre Erinnerungen an die Zeit auf der Straße. Die Kinder berichten von gewalttätigen Übergriffen älterer Straßenkinderbanden sowie von sexuellem Missbrauch durch Männer, die nachts gezielt nach ihnen gesucht haben. Sie lebten ständig in Angst und waren auf der Flucht. Einen sicheren Ort gab es nicht für sie. Dancan weiß, was sie durchgemacht haben. Er ist selbst einer von ihnen und die Kinder sind stolz auf ihn. Für die Kinder ist er nicht nur eine Mischung aus Chef und Vater, sondern auch ein Vorbild.

 

schwester-angelina-kuemmert-sich-um-die-ex-streetkids.jpgBei der von Dancan Omondi gegründeten “Kisumu Ex-Street Boys Youth Group” handelt es sich um ein kleines und noch völlig unbekanntes Projekt, auf das wir durch Sister Angelina, eine kenianische Franziskanerschwester, aufmerksam wurden, die in den Slums von Kisumu arbeitet und die Ex-Straßenkindergruppe regelmäßig besucht. „Bisher war niemand bereit, den Kindern wirklich zu helfen. Ehemaligen Straßenkindern traut man offensichtlich nicht zu, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen“, erklärt Sister Angelina. „Doch die Kinder sind fest entschlossen und sehr diszipliniert. Ich bin davon überzeugt, dass sie es schaffen und werde alles dafür tun, ihnen zu helfen!“

 

Obwohl die Kinder und das Projekt dringend auf finanzielle Hilfe angewiesen sind und die Initiative Dancans zutiefst überzeugend ist, waren auch wir zunächst noch ein wenig vorsichtig. Dies schien Sister Angelina zu spüren und bot uns an, sämtliche Unterstützungsgelder für die Gruppe zu verwalten und die sachgemäße Verwendung sicherzustellen. Nachdem auch die zuverlässige Abwicklung der finanziellen Unterstützung gewährleistet ist, steht unser Entschluss zur Unterstützung von Dancan und der „Kisumu Ex-Street Boys Youth Group“ fest.

 

Bitte helfen Sie mit!

Let’s help braucht Ihre Unterstützungex-streetkid.jpg

Bitte helfen Sie mit, dass 29 ehemalige Straßenkinder ein neues Leben beginnen können. Die Kinder brauchen dringend:

  • Matratzen und Decken

  • Kleider und Schuhe

  • Schuluniformen, Schulbücher, Hefte und Stifte

  • verschiedene Dinge des täglichen Bedarfs wie Seife, Zahnbürsten, Zahnpasta, etc.

  • eine ausreichende Kücheneinrichtung mit Töpfen und Pfannen sowie Tellern, Tassen und Besteck

Darüber hinaus benötigt die Organisation finanzielle Unterstützung für die täglichen Mahlzeiten sowie die monatliche Miete.

 

Weitere Hinweise zum Projekt finden Sie unter der Rubrik „Projects for help“. Die Bankverbindung ist unter „Möglichkeiten der Hilfe“ aufgeführt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Kisumu Ex-Street Boys Youth Group

Adresse: P.O. Box 879, Kisumu, Kenya

Kontakt: Dancan Omondi

Telefon: +254 72 3048957

e-Mail: kisumuextreetboys@yahoo.com 

Dadaab – Zufluchtsstätte für 174.000 Menschen

26. September 2007

Besuch des größten Flüchtlingslagers in Ostafrika

Bericht aus Dadaab, Kenia

 

„Mit Macheten angegriffen.

Flucht, barfuss durch die steinige Wüste.

Mit Wurzeln und Insekten überleben.

Dann die Rettung. Wasser. Schutz.

Jetzt ist ein Zelt das Zuhause.

Täglich eine handvoll Mais.

Und unstillbare Hoffnung.

Es braucht Mut, ein Flüchtling zu sein!“

 

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So lauten die Zeilen auf dem Poster des Internationalen Flüchtlingswerks der UN (UNHCR), mit dem auf die Not der weltweit über 40 Millionen Flüchtlinge aufmerksam gemacht werden soll. Fünf der sechs Länder, aus denen im Jahr 2005 die meisten Menschen geflohen sind, liegen in Afrika. Nach Schätzung des UNHCR sind auf dem afrikanischen Kontinent derzeit rund 5,2 Mio. Menschen auf der Flucht. Und ihre Zahl steigt weiter an. Menschen fliehen aufgrund von Hunger, religiöser und ethnischer Konflikte, Krieg, politischer Verfolgung, Zerstörung ihrer natürlichen Lebensgrundlagen und Umweltkatastrophen.

 

Internationale Hilfe unabdingbar

In Kenia befindet sich das größte Flüchtlingslager Ostafrikas, und wir sind auf dem Weg dorthin. Nach Garissa, der letzten großen Stadt im Osten Kenias, geht es 130 km über unbefestigte Sandpiste durch brütend heiße, trockene und menschenleere Savannenlandschaft bis nach Dadaab. Unmittelbar in der Nähe des winzigen Dorfes im Grenzgebiet zu Somalia liegt das 1991 errichtete Flüchtlingslager Dadaab, in dem zurzeit 174.000 Menschen untergebracht sind. Die meisten Flüchtlinge stammen aus Somalia, andere aus Äthiopien, Eritrea, dem Sudan oder Kongo. Aufgrund des anhaltenden Bürgerkriegs in Somalia steigt die Anzahl der somalischen Flüchtlinge immer noch weiter an. „Allein im vergangenen Jahr sind 35.000 Somalier neu angekommen und in diesem Jahr trotz Schließung der Grenzen bereits weitere 10.000“, erklärt Alexis Nimbona, der Projektleiter der gtz in Dadaab.

 

basis-der-internatinalen-hilfsorganisationen.jpgDadaab ist die Basis aller internationalen Organisationen, die im Auftrag des UNHCR tätig sind. Zu den bekanntesten gehören Care International, Save the Children, World Food Program sowie die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz). Durch Stacheldraht abgetrennt passieren wir die Sicherheitsschleuse des internationalen Camps und erreichen die Siedlung der gtz, wo wir für einige Tage zu Gast sind.

 

Die gtz betreibt in den Flüchtlingslagern drei Krankenhäuser, elf Gesundheitsstationen (Health Posts), spezielle Ernährungsprogramme für unterernährte Mütter und ihre Kinder und übernimmt die Versorgung aller Flüchtlinge mit Brennholz, das für die Zubereitung der täglichen Mahlzeiten benötigt wird.

 

Das Flüchtlingslager ist in Zonen und verschiedene Blocks unterteilt. Die Menschen sind je nach Aufenthaltsdauer in Zelten, Behelfsunterkünften aus Ästen, Plastikplanen und Stoffresten oder einfachen Lehmhütten untergebracht.

 

Abhängigkeit und Perspektivenlosigkeit

Die Flüchtlinge werden kostenfrei mit allem Lebensnotwendigen versorgt. Für die Kinder hat das UNHCR Schulen gebaut. Viele von ihnen sind hier geboren und empfinden die dorfähnlichen Siedlungen als ihr Zuhause. So notwendig und selbstverständlich die kostenfreie Bereitstellung aller lebensnotwendigen Dinge ist, so offensichtlich sind auch die hieraus resultierenden Schwierigkeiten. fluchtlingskind-dadaab.jpgDa die meisten Menschen weder eine Beschäftigung noch ein Einkommen haben, ist ihr Alltag sehr stark von Passivität und Lethargie geprägt. Die Perspektivenlosigkeit lähmt und frustriert die Menschen. Dr. Flora, die leitende Ärztin im Flüchtlingslager spricht sogar von einem „Abhängigkeitssyndrom“, das sich über die Jahre entwickelt hat. Die Hilfe von außen wird als selbstverständlich angesehen, folglich ist die Wertschätzung dafür sehr gering. Auf die Frage, was die Flüchtlinge den ganzen Tag machen, antwortet eine Mitarbeiterin spontan: „Alles, was sie tun ist Mira (Pflanze mit ähnlicher Wirkung wie Haschisch) zu kauen und Kinder zu zeugen.“ Auch wenn diese Aussage sicherlich eine unzuverlässige Verallgemeinerung darstellt, so trifft sie doch für einen Großteil der Menschen im Flüchtlingslager zu.

 

Zusätzlich erschwert wird die Situation durch die sozialen Spannungen zwischen den einzelnen Nationalitäten, Völkern und Religionsgruppen. Diskriminierung und Intoleranz gegenüber Minderheiten rufen vielseitige Konflikte hervor. Darüber hinaus kommt es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen zwischen rivalisierenden Clans innerhalb der überwiegend somalischen Lagerbewohner. So kam es in früheren Jahren bei der Suche nach Brennholz immer wieder zu Vergewaltigungen von Mädchen und jungen Frauen anderer Clans. Aus Schamgefühl und Angst vor Stigmatisierung wurde mit über hundert Fällen pro Jahr nur ein Bruchteil der Vergewaltigungen gemeldet. Um die Frauen und Kinder dieser Gefahr nicht weiter auszusetzen, versorgt die gtz die Lagerbewohner mit Brennholz. Das Programm ist sehr erfolgreich. Die Zahl der Vergewaltigungen hat in den letzten Jahren rapide abgenommen. In 2006 und 2007 wurde kein solcher Fall mehr gemeldet.

 

Eine weitere große Schwierigkeit für die internationalen Unterstützerorganisationen sind die Konflikte zwischen den Flüchtlingen und der lokalen Bevölkerung im Umfeld des Lagers, die zumeist um Brennholz und Anbauflächen für Gemüse entstehen. Durch Einbindung der lokalen Bevölkerung in logistische und bautechnische Maßnahmen werden ganz bewusst Arbeitsplätze geschaffen, um das Konfliktpotential zu reduzieren.

 

Um der durch die Wohnflächennutzung der Flüchtlinge und Brennholzsuche bedingten Abforstung entgegenzuwirken, betreibt die gtz Baumschulen, mit Hilfe derer bereits über 2,8 Millionen Bäume neu angepflanzt wurden.

 

krankenhaus-in-dadaab.jpgDie Herausforderungen an die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen sind gewaltig. Die Schicksale, mit denen sie Tag für Tag konfrontiert werden, sind heftig. Sie spüren die Abhängigkeit der Flüchtlinge, die von Jahr zu Jahr weiter zuzunehmen scheint. Sie arbeiten bei zum Teil weit über 40°C und leben fernab von ihren Familien, die sie nur alle zwei Monate sehen. Zermürbend ist für viele, dass sie mitunter das Gefühl haben, gegen Windmühlen zu kämpfen. So schildert Dr. Flora beispielsweise ihren jahrelangen Kampf gegen die Genitalverstümmelung: „Trotz gesetzlichen Verbots und massiver Aufklärungskampagnen habe ich in all den Jahren hier bis heute noch keine Frau untersucht, die nicht beschnitten war.“ Angst macht der Ärztin zudem die stark steigende Infektionsrate mit HIV/AIDS. „Auch wenn es keine offiziellen Daten gibt, so können wir doch anhand unserer Patientenstatistik feststellen, dass die Infektionsraten deutlich zunehmen.“ Besonders ver-stärkt wird die Gefahr der Infektion durch die weitverbreitete Polygamie sowie die Tatsache, dass viele Männer bis zu vier Frauen gleichzeitig „besitzen“ dürfen und sich jederzeit durch eine einfache Erklärung wieder von ihnen scheiden lassen können. „HIV/AIDS ist eine lautlose Zeitbombe, die bald explodieren wird“, so Dr. Flora.

 

Mit gemischten Gefühlen treten wir nach drei Tagen die Rückreise nach Nairobi an. So sehr beeindruckt wir auch von dem Engagement der Mitarbeiter vor Ort sind, so ratlos stimmt uns die Frage nach der Zukunft der Flüchtlinge. Während sie das Lagergebiet nicht verlassen dürfen, wird für uns der Schlagbaum am äußeren Kontrollposten des Lagers mit der größten Selbstverständlichkeit geöffnet…

 

Weitere Informationen über das Flüchtlingslager Dadaab via Let’s help oder direkt unter:

German Development Cooperation (gtz)

UNHCR-BMZ Partnership Program

Adresse: P.O. Box 1607 – 00606, Mc Cann House, General Mathenge Gardens, Nairobi, Kenya

Kontakt: Heide GutscheTelefon: +254 20 4182009

e-Mail: heide.gutsche@gtz.de 

Das Ende der Armut

26. September 2007

Jeffrey Sachs will mit seinem Millennium-Konzept die Armut abschaffen

Bericht aus Sauri, Westkenia

 

„Das Ende der Armut“ ist der Titel des in der Entwicklungspolitik zur Zeit heißdiskutierten Buches von Jeffrey Sachs, in dem der Wirtschaftsexperte anhand seiner Theorien beschreibt, wie die Armut weltweit innerhalb von zwei Jahrzehnten abgeschafft werden kann. Trotz zunehmend kritischer Stimmen ist er fest davon überzeugt, dass die im Jahr 2000 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Millennium-Entwicklungsziele, die akute Armut in der Welt bis 2015 zu halbieren, doch noch erreicht werden können. Mithilfe seiner „Millennium-Villages“ will er dies beweisen.

 

Nach eingehenden Recherchen und Analysen wurde im Jahr 2005 das kleine Dorf Sauri im Westen Kenias unweit des Viktoriasees als erstes „Millennium-Village“ ausgewählt. Es erfüllte alle Anforderungen für das weltweite Pilotprojekt. 67% der Bevölkerung lebten unterhalb der Armutsgrenze, das heißt, von weniger als einem US Dollar pro Tag.

 

Dr. Alex Awiti, der zum engsten Beraterstab von Jeffrey Sachs gehört, erinnert sich:Die meisten Menschen hungerten, 43% der getesteten Einwohner litten an Malaria, 24% waren HIV-positiv und 80% der Kinder unter fünf Jahren litten an Blutarmut. Es gab kein sauberes Trinkwasser und nur gerade einmal 20 Häuser waren an das Stromnetz angeschlossen. Die Böden in der Region waren stark ausgelaugt, es fehlte vor allem an Stickstoff und Phosphor.“

 

Das Geheimrezept von Jeffrey Sachs, dem Direktor des Earth Institutes an der Universität Columbia in New York, ist der ganzheitliche Aspekt der Entwicklungshilfe. Statt sich wie bisher in den meisten Entwicklungsprojekten nur auf einen oder wenige Bereiche zu konzentrieren, werden mit der Millennium-Initiative alle entwicklungspolitischen Maßnahmen gebündelt und gleichzeitig in Angriff genommen: Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Gesundheit, Bildung, infrastrukturelle Entwicklung, Energieversorgung und Umwelt.

 

Wenn man heute, zwei Jahre nach Beginn der Millennium-Initiative, nach Sauri kommt, mag man kaum glauben, was sich in der kurzen Zeit alles geändert hat. Durch gezielte Insektenvernichtung und Verteilung von Moskitonetzen an alle Haushalte sind die Malariafälle drastisch zurückgegangen. Auch die HIV-Infektionsrate ist deutlich gesunken.

 

Food on the table and money in the pocket

maisdepots.jpgDurch die Bereitstellung von organischem Dünger und Änderung der Anbautechniken sind die Maiserträge um mehr als das Dreifache von 1,9 t/Hektar auf 6,2 t/Hektar gestiegen. Mussten die Bauern zuvor während der Trockenperioden meist Mais dazukaufen, verfügen sie nun über Lagerräume, in denen die Überschüsse aufbewahrt werden, um für Ernteausfälle gerüstet zu sein sowie sie in Trockenperioden gewinnbringend zu verkaufen. 10% der Ernte werden zudem für die Schulspeisung der Kinder verwendet.

 

Nach dem Motto „Food on the table and money in the pocket“ wurden neue Anbauprodukte wie Tomaten, Sonnenblumen, Chili und Koriander eingeführt, die nicht mehr primär für den Eigenbedarf, sondern zum Verkauf angebaut werden. „Bisher haben kenianische Bauern fast ausschließlich Mais angebaut, den sie tagtäglich in Form von Maispüree zu sich nehmen“ erläutert Willis Ombai, einer der Projektkoordinatoren. fischteiche-im-sauri-millennium-village.jpg„Nun bauen sie stattdessen auf derselben Fläche Gemüse und Gewürze an, die sie mit gutem Gewinn verkaufen können.“

Zusätzliches Einkommen erhalten viele Familien durch das Anlegen von Fischteichen zu Zuchtzwecken. In den 10 m² großen Fischteichen mit einer Tiefe von nur 1,2 m können bis zu 1.000 Tilapia Fische gehalten werden, die aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts besonders nahrhaft sind.

 

Mit leerem Bauch kann man nicht lernen

Heute verdienen die Bauern von Sauri genug Geld, um ihre Kinder in die Schule schicken zu können. Anders als in den meisten staatlichen Schulen erhalten alle Kinder mittags eine ausgewogene Mahlzeit. Wie wichtig eine ausreichende Ernährung für das Lernverhalten der Kinder ist, wird am Beispiel der „Bar Sauri Primary School“ deutlich. 750 Kinder besuchen die Grundschule von Sauri, mehr als die Hälfte von ihnen haben ihre Eltern an AIDS verloren. „Kinder, die nicht genug zu essen haben, sind unkonzentriert und werden schnell müde“, erklärt Joseph Lanyo, der Schulleiter. „Viele von ihnen kamen früher mit leerem Magen zur Schule und mussten bis abends warten, bevor sie etwas zu essen bekamen.“ Mit Stolz berichtet der Schulleiter, dass sich seine Schule bei den nationalen Prüfungen aller 300 Distriktschulen von Rang 198 binnen zwei Jahre auf Rang 2 verbessert hat. Da alle anderen Faktoren gleich geblieben sind, ist die Verbesserung nach seiner Meinung ausschließlich auf die Einführung der Schulspeisung zurückzuführen.

 

schulspeisung-durch-uberschusse.jpgNach dem Erfolg in Sauri wurde das Millennium-Konzept im zweiten Jahr auf zehn umliegende Dörfer ausgeweitet. Weitere Millennium-Villages wurden mittlerweile auch in neun anderen afrikanischen Ländern, südlich der Sahara sowie in Kambodscha aufgebaut. Das Konzept von Jeffrey Sachs scheint auch im dritten Jahr des Pilotprojekts in Sauri weiter erfolgreich. „Für den Aufbau eines Millennium-Villages ist ein Zeitraum von fünf Jahren vorgesehen“, erklärt Dr. Alex Awiti.

 

Damit bleibt abzuwarten, ob die Bewohner von Sauri es schaffen, in zwei Jahren auch ohne die massive Hilfe aus dem Ausland alle Programme selbständig und eigenverantwortlich auszuführen. Sollte ihnen dies gelingen, könnte die Vision von Jeffrey Sachs, die Armut weltweit abzuschaffen, tatsächlich zur Realität werden.

 

Weitere Informationen über das Millennium-Village Sauri via Let’s help oder direkt unter:

Millennium-Villages Project

Adresse: P.O. Box 2389-40100, Kisumu, Kenya

Kontakt: Willis Okello Ombai

Telefon: +254 57 2023191

e-Mail: w.ombai@cgiar.org 

Web: www.earthinstitute.columbia.edu/mvp/

„Wie soll ich sonst meine Kinder ernähren?“

1. September 2007

SOLWODI Kenya – eine Anlaufstelle für Frauen in der Prostitution

Bericht aus Mombasa, Kenia

 

vermeintliche-idylle.jpgAn der Küste Kenias boomt der Sextourismus. Die Bedingungen sind geradezu „paradiesisch“: Angenehmes Klima, kilometerlange Strände, gute Hotellerie und billiger Sex. Die Bars und Nightclubs entlang der Strände Mombasas füllen sich spätabends mit Touristen, die auf der Suche nach Sex mit Kenianerinnen sind. Das Angebot des Schönen und Exotischen ist reichlich vorhanden. Kaum betritt ein Mzungu (Weißer) die Bar, dauert es nur wenige Sekunden, bis eine hübsche Afrikanerin an seiner Seite ist. Westliche Touristen sind besonders beliebt, da sie einen höheren Betrag zahlen als die lokalen Freier.

 

Die Touristen bekommen meist das, was sie wollen und dies auf einem erschreckend einfachen Weg. Wird nach Sex mit einem Kind gefragt, so gibt es hierfür spezielle Bars, wo dies leicht möglich ist. Nach einer UNICEF-Studie vom Dezember 2006 gehen knapp 30% aller 12-18-jährigen Mädchen in der Region der Gelegenheitsprostitution nach. Von den 10.000-15.000 Mädchen sind 45% 12-13 Jahre alt. Hinzu kommen 2.000-3.000 Kinder in der Vollzeitprostitution.

 

Die Kunden der Kinderprostituierten sind zu 61% Sextouristen. Die meisten von ihnen stammen aus Italien, Deutschland und der Schweiz. Während Afrikaner zwischen 50 und 100 Kenianische Schilling (KES)/0,55-1,10 EUR ausgeben, zahlen die Touristen 1.000-2.000 KES/11-22 EUR.

 

Für viele Frauen ist Prostitution die einzige Möglichkeit, um ihre Kinder zu ernähren und zu überleben.

 

„Es ist schrecklich, dies zu tun. Ich hasse es!“ – Zwei betroffene Frauen berichten

Szenenwechsel: Kasauni, ein Vorort von Mombasa. Wir sitzen in einem 9 m² großen unverputzten Raum, durch dessen Löcher im Strohdach die Mittagssonne herein scheint. Wie gut, dass es nicht regnet. Hier lebt Fatuma mit ihren vier Kindern. Ihr Mann hat die Familie vor drei Jahren verlassen. Als sie nach kurzer Zeit die Miete für ihr damaliges Haus nicht mehr zahlen konnte, setzte sie der Vermieter vor die Tür. Für zwei Jahre lebte sie mit ihren Kindern auf der Straße. Erst nach dem Tod des Vaters nahm ihre Mutter Fatuma und die Kinder bei sich auf. Das ist alles, was die Mutter für ihre Tochter und ihre Enkel tun kann, da sie ihr gesamtes Geld für die behinderte Schwester von Fatuma benötigt.

 

fatuma-und-kinder.jpgUm für sich und die Kinder genug zu Essen zu haben, bleibt Fatuma nur die Prostitution. „Es ist schrecklich, dies zu tun. Ich hasse es. Doch wie soll ich sonst meine Kinder ernähren?“ erklärt sie uns mit niedergeschlagenem Blick. Ihre vier Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren sind offensichtlich unterernährt. Doch da Fatuma bereits im siebten Monat schwanger ist, kann sie der Prostitution zurzeit nicht mehr nachgehen. „Schon seit drei Tagen haben meine Kinder und ich außer ein paar Maiskolben keine richtige Mahlzeit mehr gehabt“, beschreibt die dreißigjährige Mutter ihre verzweifelte Situation. So kam sie zu SOLWODI Kenya und bat die Organisation um Hilfe.

 

Neben Fatuma hat uns vor allem das Schicksal von Mary berührt, die mit zwei ihrer vier Kinder in einem Slumgebiet von Likoni, südlich von Mombasa, unter dem Vordach einer Hütte schlafen muss. Sie ist 34 Jahre alt und HIV-positiv. „Ich habe kein Zuhause, kein Essen, keine Kleider und keine Kraft mehr“, schildert Mary ihre aussichtslose und deprimierende Lage. Sie stammt aus Kisumu, im Westen Kenias. Nach dem Tod ihres Mannes wurde sie von ihrem Onkel ein zweites Mal verheiratet und musste nach Mombasa ziehen. Mit dieser Ehe nahm Marys Leben eine tragische Wende. Ihr neuer Ehemann behandelte sie schlecht und war nicht bereit, ihre beiden Kinder aus erster Ehe zu akzeptieren. Auch nachdem sie zwei weitere Kinder von ihm gebar, wurde die Situation für die Familie nicht besser. Ihr Mann schlug und misshandelte sie und ihre beiden ersten Kinder. Als ihre älteste Tochter elf Jahre alt war, wurde das Mädchen von Marys Mann vergewaltigt. So wurde nicht nur Mary, sondern auch noch ihre Tochter mit HIV infiziert. In ihrer Verzweiflung schickte Mary ihre beiden ersten Kinder zu den Großeltern zurück nach Kisumu, wo sie bis heute leben.

 

mary.jpgAls Mary kurze Zeit später krank wurde, war ihr Mann von heute auf morgen verschwunden. Binnen kurzer Zeit landete sie auf der Straße und war gezwungen, ihren Körper zu verkaufen. In aller Offenheit berichtet sie über ihr Leben in der Prostitution sowie das Verhalten und die Wünsche ihrer Freier. Besonders schockierend war zu erfahren, dass weit mehr als die Hälfte keine Kondome benutzen. Dies gilt für Afrikaner ebenso wie für die westlichen Sextouristen! „Ohne Kondom zahlen sie mehr, manchmal sogar das Doppelte.“ Sollte das, was Mary berichtet, auch für alle anderen Prostituierten und ihre afrikanischen und westlichen Kunden in den Badeorten Kenias gelten, wird das verheerende Ansteckungspotential von HIV/AIDS in geradezu dramatischer Weise deutlich.

 

„Viele Frauen mit ähnlichen Schicksalen wie Fatuma und Mary kommen Tag für Tag zu uns“, erklärt Elisabeth Akinyi, die Leiterin von SOLWODI Kenya.

 

SOLWODI bedeutet “Solidarity with Women in Distress”

Der Name beschreibt in zutreffender Weise die Arbeit der Organisation, die sich entlang der Küste Kenias um Frauen kümmert, die der Prostitution nachgehen. Offiziell ist Prostitution in Kenia verboten. Frauen, die als Prostituierte arbeiten, werden von der Gesellschaft verachtet und regelrecht ausgestoßen. SOLWODI Kenya ist für viele die einzige Anlaufstelle.

 

friseur-und-kosmetikausbildung.jpgMehr als 5.000 Frauen hat die Organisation seit ihrer Gründung im Jahr 1997 bereits betreut. Mit ihren Rehabilitations- und Ausbildungsprogrammen bietet SOLWODI Kenya den Betroffenen verlässliche und zukunftsorientierte Alternativen. Frauen, die die Prostitution verlassen möchten, werden durch psychosoziale Betreuung, Berufsberatung und die Vermittlung von beruflichen Qualifikationsprogrammen gezielt unterstützt. Besonders beliebt und erfolgreich sind Ausbildungen als Schneiderin, Kosmetikerin, Friseuse, Automechanikerin oder im Cateringbereich.

 

 

Weitere Schwerpunkte der Arbeit von SOLWODI Kenya sind:

 

Gesundheitsvorsorge sowie HIV/AIDS-Prävention und –Behandlung von Prostituierten

Ehemalige Prostituierte werden von SOLWODI Kenya zu Aktivistinnen ausgebildet. Sie gehen in Bars und Nightclubs und klären die Frauen über die gesundheitlichen Risiken des Gewerbes auf und informieren über die Hilfsangebote von SOLWODI Kenya. Mittlerweile gibt es bereits knapp 300 Aktivistinnen, mithilfe derer über 3.000 Prostituierte erreicht und betreut werden.

 

halima-abdalla.jpgAufbau von Selbsthilfegruppen zur Beratung und Betreuung von HIV-infizierten und an AIDS erkrankten Frauen in der Prostitution

Das Programm reicht von medizinischer Beratung der Betroffenen über Begleitung zu Arzt- und Spitalbesuchen bis hin zur Pflege und Sterbebegleitung.

 

Aktionsprogramm gegen Menschenhandel

Neben der Verschleppungsproblematik junger Mädchen aus dem Westen Kenias, werden verstärkt auch Frauen aus dem vom Bürgerkrieg betroffenen Somalia sowie aus Uganda und Ruanda an die kenianische Küste geschleust. Umgekehrt gelangen zahlreiche junge Kenianerinnen als Zwangsprostituierte in die Rotlichtviertel Europas, vor allem in Italien und Deutschland. Durch Rettungsaktionen, Präventionsmaßnahmen und Rückführung Betroffener in ihre Heimatländer ist SOLWODI Kenya zu einer der führenden Organisationen im Kampf gegen den Menschenhandel in Kenia geworden. Geplant ist der Aufbau eines Frauenschutzzentrums, in dem Opfer des Menschenhandels für einige Zeit aufgenommen und betreut werden können. Ein geeignetes Gebäude existiert bereits, und so sucht SOLWODI Kenya derzeit finanzielle Unterstützung für die Einrichtung und die laufenden Kosten.

 

Umsetzung des nationalen Verhaltenskodex (Code of Conduct) zur Bekämpfung von Zwangsprostitution und sexueller Ausbeutung von Kindern

Ziel des Programms ist die Selbstverpflichtung von Hotel- und Tourismusbetrieben an der Küste Kenias zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung. In Seminaren für Hotel- und Restaurantangestellte, Bus- und Taxifahrer sowie lokale Polizeibeamte wird über Mädchenhandel, Kinderarbeit sowie Zwangsprostitution berichtet. Gemeinsam werden Strategien erarbeitet, wie man mit konkreten Fällen von Sextourismus und Missbrauch umgeht und die zuständigen Institutionen entsprechend informiert.

 

Wie überaus wertvoll und hilfreich die Arbeit von SOLWODI Kenya ist, zeigt sich nicht zuletzt in den beiden Fällen von Fatuma und Mary: So erhalten die unterernährten Kinder von Fatuma „Powerporridge“, eine spezielle Aufbaunahrung, mit der es ihnen bald besser gehen wird. Fatuma selbst nimmt an der psychosozialen Beratung von SOLWODI Kenya teil. Nach der Geburt ihres fünften Kindes soll sie in das Ausbildungsprogramm der Organisation aufgenommen werden.

 

grace-und-mary.jpgMary, die heute von Grace Odembo, einer Beraterin von SOLWODI Kenya, betreut wird, berichtet: „Ich hatte niemanden. Grace hat mich ins Krankenhaus gebracht und mit den Ärzten gesprochen. Ich hatte keine Kraft mehr zum Leben und wollte sterben. Ich weiß nicht, was ohne Grace aus mir geworden wäre.“ Grace nimmt sie in ihren Arm und drückt sie. Da sie selbst jahrelang in der Prostitution war und mit HIV leben muss, versteht Grace nur zu gut die Ängste und Nöte Marys und all ihrer Klientinnen.

 

Grace betreut die Selbsthilfegruppen von SOLWODI Kenya und kümmert sich um die HIV-infizierten und an AIDS erkrankten Frauen. Sie schenkt ihnen neue Kraft und Vertrauen. „Ich bin infiziert, aber noch nicht tot“, erklärt sie. „Ich will die Zeit, die mir bleibt, nutzen, um anderen zu helfen und sie ermutigen, nicht aufzugeben, sondern für eine bessere Lebensqualität und ein längeres Leben zu kämpfen!“

 

SOLWODI Kenya sucht:

  • Einen Webmaster auf ehrenamtlicher Basis zum Ausbau und der laufenden Aktualisierung ihrer Website.
  • Medikamentenspenden von Pharmaunternehmen und Apotheken. Dringend benötigt werden vor allem Antibiotika, Schmerz- und entzündungshemmende Mittel sowie Präparate gegen Hautausschläge und Pilzerkrankungen. (Detaillierte Medikamentenliste liegt vor.)

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter: 

SOLWODI Kenya – Solidarity with Women in Distress

Adresse: P.O. Box 17038, Mombasa, Kenya

Kontakt: Elisabeth Akinyi

Telefon: +254 41 2222327

e-Mail: solwodi@wananchi.com 

SOLWODI Deutschland e.V.

Adresse: Propsteistraße 2, 56154 Boppard

Kontakt: Sr. Dr. Lea Ackermann und Julia Pietzcker

Telefon: +49 6741 2232

e-Mail: info@solwodi.de

Web: www.solwodi.de

 

 

Kinder brechen Tabus

1. September 2007

„Was ist, wenn deine Eltern dich zwingen Sex zu haben, damit sie Geld verdienen?“

Bericht aus Mombasa, Kenia

 

fragezettel.jpgDiese schockierende Frage stand auf einem Zettel, geschrieben von einem der sechzig Kinder, die während der Schulferien bei SOLGIDI am „Adventure Unlimited Training“ teilgenommen haben. Die Frage kommt einem verzweifelten Schrei nach Hilfe gleich. Was muss in einem Kind vorgehen, das sich mit einer solchen Frage an die Kursleiterinnen wendet?

 

Alle Kinder bei SOLGIDI haben eines gemeinsam: Ihre Mütter gehen der Prostitution nach, leben in ärmsten Verhältnissen und haben nicht einmal das Geld, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Einige Kinder sind schwer traumatisiert, und wie die Frage jenes Mädchens zeigt, bereits in ihrem jungen Alter Opfer von Missbrauch und Gewalt.

 

In Anlehnung an SOLWODI bedeutet SOLGIDI „Solidarity with Girls in Distress“. Die eigenständige Organisation richtet sich vor allem an Mädchen, deren Mütter der Prostitution nachgehen. Agnes Mailu, die charismatische und warmherzige Leiterin, erklärt: „SOLGIDI setzt sich dafür ein, dass diese Mädchen eine Schulausbildung erhalten und dadurch anders als ihre Mütter in der Gesellschaft akzeptiert und anerkannt werden. Es darf nicht sein, dass sie weiter ausgegrenzt und stigmatisiert werden.“ Agnes Mailu, die zuvor bei SOLWODI Kenya tätig war, gründete die Organisation im Jahr 2002, um die gravierende Problematik der Prostitution in ihrem Land an den Wurzeln zu bekämpfen. „Auch die Kinder von Prostituierten haben ein Recht auf Bildung wie alle anderen Kinder auch.“ Der Satz eines jungen Mädchens „Ich möchte nicht so sterben wie meine Mutter“ hatte Agnes Mailu damals zu diesem Schritt bewogen. Mit nur zwei Angestellten und zwei Volontären betreut sie insgesamt über 500 Kinder.

 

madchen-bei-solgidi.jpgDie Programme von SOLGIDI umfassen Schulpatenschaften, speziell konzipierte Kurse für Kinder und Jugendliche zur Stärkung ihrer Persönlichkeit und Aufbau von Selbstvertrauen sowie Unterstützung einzelner Familien mit wichtigen Grundnahrungsmitteln. Alle Kinder leben, soweit möglich, zusammen mit ihren Müttern oder anderen Verwandten. „Wir können kein Ersatz für ihre Mütter sein. Die Kinder brauchen die soziale Unterstützung ihrer Familien“, erläutert Agnes Mailu die Grundeinstellung von SOLGIDI. Einige wenige Kinder, die weder Eltern noch Verwandte haben, werden in Internaten untergebracht. Auch während der Schulferien wird die Betreuung der Kinder fortgesetzt. Während für Jugendliche im Alter von 15-18 Jahren ein einwöchiges „Education for Life Training“ durchgeführt wird, nehmen Kinder bis 14 Jahre am „Adventure Unlimited Training“ teil. Wir haben das Glück bei unserem Besuch an einem solchen Training teilzunehmen. Es wird über Familie, Alltag, Hygiene, Sexualität, Pubertät sowie über die Probleme und Herausforderungen der Kinder diskutiert.

 

Menstruation, Sex und Missbrauch – über alles wird offen gesprochen

Neben Malwettbewerben, Rollenspielen, Pantomime, Liedern und Gedichten haben die Kinder in der Mitte des einwöchigen Kurses die Möglichkeit, Fragen, die sie beschäftigen, anonym auf einen Zettel zu schreiben und diese abzugeben. Die Fragen werden am folgenden Tag vorgelesen, gemeinsam mit den Kindern besprochen und beantwortet. Die Diskussionen sind herzerfrischend offen, Tabus gibt es nicht. So wird beispielsweise erklärt, wie der Körper sich während der Pubertät entwickelt, wie man mit der ersten Periode umgeht, wie und wodurch man schwanger werden kann und es wird gezeigt, wie man Damenbinden benutzt. Mit jeder Frage wird der Unterricht noch lebhafter und vielseitiger. So lautet eine Frage beispielsweise, wie lange man eine Unterhose tragen kann. Die Antworten der Kinder reichen von sechs Stunden bis zu 23 Mal. Zwischendurch wird immer wieder gelacht, z.B. bei der Frage, warum die Erwachsenen beim Sex so komische Geräusche machen.

 

solgidi-programm.jpgDoch auch sehr traurige und ernste Fragen werden vorgelesen. So schreibt zum Beispiel ein Kind: „Wenn mein Freund mit mir Sex spielt, muss ich an seinem Penis lutschen. Kann ich davon schwanger werden?“ Die Betreuerinnen fragen zunächst die anderen Kinder, die rege und mutig an der Diskussion teilnehmen. Wenn nötig korrigieren oder ergänzen sie die Antworten der Kinder. Bei jeder Antwort wird applaudiert, ob sie nun stimmt oder nicht. Jedes Kind wird ermutigt und belohnt mitzumachen.

 

Mit Hingabe und Fürsorge beantworten die Kursleiterinnen alle Fragen der Kinder. Sie zeigen ihnen Wege auf und motivieren sie, sich mit ihren Problemen an ihnen nahe Vertrauenspersonen bei SOLGIDI zu wenden. Wie wichtig es ist, dass bestimmte Fragen noch einmal in Einzelgesprächen aufgegriffen und besprochen werden, zeigt eine weitere Frage auf dem Zettel jenes Mädchens, das auch die Frage in der Überschrift gestellt hat: „Was ist, wenn die Periode seit drei Monaten ausgeblieben ist?“

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

SOLGIDI – Solidarity with Girls in Distress

Adresse: c/o Star of the Sea, P.O. Box 84425, Mombasa, Kenya

Kontakt: Agnes Mailu

Telefon: +254 41 2227089

e-Mail: akmailu@yahoo.com

”Everybody can be a Champion!“

1. September 2007

Die unglaubliche Geschichte des blinden Marathonläufers Henry Wanyoike

Bericht aus Kikuyu, Kenia

 

cows-for-kenya-2.jpg„Der blinde Henry Wanyoike geht während der Paraolympics 2000 in Sydney völlig unbeachtet an den Start des 5.000 Meter Laufs. Eine Viertelstunde später hat er Sportgeschichte geschrieben. Unglaubliches ist geschehen: Henry startet zu spät. Sein Führungsläufer, im Rennen das Auge des Blinden, zerrt in voran. Und Henry macht Tempo, viel Tempo. Am Rand der Bahn hört man: ‚Bei der Geschwindigkeit fällt der Verrückte tot um’. Ein paar Minuten später: Der Guide kann nicht mehr, Malaria. Der blinde Henry Wanyoike zieht jetzt den Führungsläufer über die Bahn. Dann, kurz vor dem Ziel: Der Führungsläufer strauchelt, pendelt, fällt. Henry richtet ihn wieder auf, schleppt ihn weiter. Sie fallen ins Ziel. Sieg.“

 

So beschreibt Bengt Pflughaupt in seinem Buch „Henry Wanyoike – Mein langer Lauf ins Licht“ die unglaubliche Lebensgeschichte des kenianischen Marathonläufers, Olympiasiegers und mehrfachen Weltrekordhalters, der mit 21 Jahren über Nacht erblindete. Nach Monaten der Lethargie und tiefen Depression, in denen er nicht mehr leben wollte, schöpft er neue Kraft und Zuversicht. Schritt für Schritt richtet er sich auf und kämpft – bis heute! Im Alter von 33 Jahren ist Henry bereits eine Sportlegende und weit über die Grenzen seines Landes bekannt. Er hat es geschafft – trotz Blindheit. Für viele Menschen weltweit ist er zum Symbol für Hoffnung geworden. Mit seiner Lebensgeschichte hat er bewiesen, dass jeder Mensch ein Champion sein kann.

 

cows-for-kenya-42.jpgUm anderen Menschen zu helfen und ihnen Mut zu machen, gründete er die „Henry Wanyoike Foundation“, die sich vor allen Dingen um die Bewohner von Kanjeru kümmert, dem Slumgebiet von Kikuyu, in dem Henry aufgewachsen ist, sowie um viele andere verzweifelte Menschen, die sich an ihn wenden. In Kooperation mit der Christoffel-Blindemission hat er Tausenden Menschen aus den Armutsvierteln seines Landes kostenfreie Staroperationen ermöglicht. Zusammen mit der Cleven-Becker-Stiftung wurde das Projekt „Cows for Kenya“ ins Leben gerufen. Besonders verarmten und von HIV/AIDS betroffenen Familien in den Slums von Kikuyu werden Kühe zur Milchproduktion zur Verfügung gestellt. Ein sinnvolles und erfolgreiches Projekt, das die Existenzgrundlagen der ausgesuchten Familien zuverlässig absichert. Viele Jugendliche begeistert Henry Wanyoike mit seinem Elan und seinen Visionen. In Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendclubs pflanzt er Bäume gegen die fortschreitende Entwaldung und Bodenerosion in Kenia. Vor 50 Jahren war noch ein Drittel des Landes bewaldet. Heute sind es nur noch drei Prozent. Über 60.000 Bäume wurden in den letzten Monaten bereits gepflanzt. Bis 2010 sollen es eine Million Bäume sein.

 

Henry zu begegnen ist eine wahre Bereicherung. Mit seinem Lächeln und seinem Charme erobert er die Herzen der Menschen im Flug. Sein freundlicher Gesichtsausdruck und sein Strahlen verraten, dass er trotz Blindheit mit sich und seiner Welt im reinen ist und es ihm geschenkt wurde, den wahren Sinn seines Lebens zu erkennen.

 

Weitere Informationen über die Stiftung via Let’s help oder direkt unter:

Henry Wanyoike Foundation

Adresse: P.O. Box 1021- 00902, Kikuyu, Kenya

Kontakt: Henry Wanyoike und Gideon Garchra

Telefon: +254 735 539022 und +254 206 5936

e-Mail: henrywanyoikefoundation@yahoo.com

Shangilia – Straßenkinder als Akrobaten

1. September 2007

Kangemi, Kenia

shangilia-acrobats-1b.jpgMitten im Slum von Kangemi, im Westen Nairobis, in dem 122.000 Menschen aus vierzig verschiedenen ethnischen Gruppen leben, betreibt Shangilia auf engstem Raum ein Kinderschutzzentrum für 222 Kinder im Alter von 4-18 Jahren. Die meisten der Kinder bei Shangilia haben ihre Eltern verloren. Viele von ihnen lebten auf der Straße, waren stark unterernährt, einige wurden missbraucht. Die traurigen Erfahrungen ihres jungen Lebens sind ihnen ins Gesicht geschrieben. Und dennoch schafft es Shangilia mit seinen Programmen ihre Lebensfreude, ihren Ehrgeiz und ihr Selbstvertrauen zurückzuerobern.

Das beeindruckende an der kleinen NGO ist, wie sie es schaffen, durch Schulausbildung und ein ausgeklügeltes Qualifikationssystem verschiedener Fertigkeiten, den Kindern Selbstsicherheit und einen neuen Lebensinhalt zu bieten. Es herrscht eine sehr offene Atmosphäre, ein freundschaftliches und gleichberechtigtes Miteinander, in dem jedes Kind mit seinen eigenen Fähigkeiten respektiert und gefördert wird.

Sobald man durch das buntbemalte Eisentor den kleinen Innenhof betritt, schaut man auf eine große und ebenfalls buntbemalte Bühne, die das Kinderhaus dominiert. „Sie ist das Herz der Organisation und jeden Tag werden die Kinder hier in Musik, Gesang, Tanz, Theater, Akrobatik und Kampfsport unterrichtet“, erklärt Sven Rittmann, Projektkoordinator des Komitees Cap Anamur, der Hauptunterstützerorganisation von Shangilia. Die Kinder haben riesigen Spaß und üben jede freie Minute. Und sie sind erfolgreich. So wurde Shangilia bereits nach Griechenland, Botswana, Simbabwe und Zanzibar eingeladen und auf die Weltaidskonferenz 2004 nach Thailand, wo sie vor Nelson Mandela und Kofi Annan aufgetreten sind.

Let’s help hat bereits mit der KinderKulturKarawane in Deutschland Kontakt aufgenommen und ein positives Feedback erhalten. So bleibt zu hoffen, dass die Gruppe schon bald nach Deutschland und in die Schweiz eingeladen wird.

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Shangilia

Adresse: P.O. Box 39236 - 00623, Nairobi, Kenya

Kontakt: Japheth Njenga, Direktor

Telefon: +254 20 632133

e-Mail: japeth.njenga@enchange.com 

Web: www.shangilia.org