Geraubte Kindheit hinter Gittern
The Nest gibt Kindern von inhaftierten Müttern vorübergehend ein Zuhause
Bericht aus Limuru, Kenia
„Ich habe gesehen, wie Papa das Baby zerbrochen hat.“ So beschreibt der 10-jährige George die unfassbare Vergewaltigung seiner kleinen Schwester Lisa (beide Namen geändert). Mit drei Monaten wurde sie von ihrem eigenen Vater vergewaltigt. Das Kind wurde regelrecht aufgespießt, ihr kleiner Körper aufgerissen, ihre Seele zerstört.
Lisa überlebt wie durch ein Wunder die schreckliche Vergewaltigung. Ihre alkoholabhängige Mutter bringt das Mädchen in ein Krankenhaus, wo es sofort notoperiert wird. Kurz nach der Entlassung kommt es erneut zu einem tragischen Zwischenfall. Die schwer betrunkene Mutter wird mit dem Kind in einem Straßengraben gefunden. Lisa leidet an einer schweren Infektion und muss erneut ins Krankenhaus gebracht werden. Die Mutter wird inhaftiert, vom Vater fehlt jede Spur.
Eine Sozialarbeiterin von „The Nest“ wird bei ihren Gefängnisbesuchen auf die traurige und unfassbare Geschichte der kleinen Lisa aufmerksam. Gleichzeitig erfährt sie von den beiden hinterbliebenen sieben- und zehnjährigen Geschwistern von Lisa, die noch irgendwo Zuhause sein müssen und um die sich keiner kümmert.
„Kinder, deren Mütter im Gefängnis sind und um die sich keiner kümmern kann, werden bei uns im Kinderhaus aufgenommen“ erklärt Irene Baumgartner, Gründerin und Leiterin von „The Nest“, das im Jahr 1999 eröffnet und 2001 als Stiftung in Kenia registriert wurde.
Meist bietet sich den Mitarbeitern des Nests ein trauriges Bild, wenn Kinder aus dem Gefängnis zu ihnen gebracht oder diese alleine Zuhause aufgefunden werden. Im Fall der beiden Geschwister von Lisa erzählt Irene Baumgartner betroffen: „Die beiden verwahrlosten Buben hatten seit Tagen nichts mehr gegessen und waren völlig ausgehungert. In der Hütte roch es nach Fäkalien und die Großmutter lag betrunken und völlig geistesabwesend in einer Ecke.“
The Nest – Liebevoll betreut statt ganz allein gelassen
Heute leben Lisa und ihre beiden Brüder zusammen mit 88 weiteren Kindern im Kinderhaus „The Nest“. Die Organisation gibt vernachlässigten und verwahrlosten Kindern, deren Mütter in Haft sind, vorübergehend ein Zuhause. “Viele Kinder kommen traumatisiert oder in einem gesundheitlich bedrohlichen Zustand zu uns“, erläutert Irene Baumgartner. „Wir kümmern uns um alles, was die Kinder brauchen und versuchen ihnen durch liebevolle Zuwendung über die Trennung von ihren Müttern hinwegzuhelfen.“
Das Kinderhaus liegt in Limuru, 25 km nordwestlich von Nairobi. Das vorübergehende Zuhause für die Kinder ist sehr freundlich und kindgerecht eingerichtet. Auf dem gesamten Gelände herrscht eine warmherzige Atmosphäre und man spürt, dass hier alles getan wird, um den Aufenthalt der Kinder so angenehm wie möglich zu gestalten. Das qualifizierte Team des Kinderhauses bestehend aus Krankenschwestern, Sozialarbeiterinnen, Lehrern und Hausmüttern ist engagiert und geht liebevoll mit den Kindern um.
Während die Jüngeren im eigenen Kindergarten betreut werden, gehen die älteren Kinder in die staatliche Grundschule. Die Kinder dürfen so lange im Nest bleiben, bis ihre Mütter wieder aus der Haft entlassen werden und in der Lage sind, für sich und ihre Kinder zu sorgen.
Für die Zeit nach der Entlassung hat die Organisation jüngst ein „Half-Way Home“ eröffnet, in dem die Mütter zusammen mit ihren Kindern nach ihrer Haft zunächst einmal wohnen und sich neu orientieren können. „Durch Familien- und Rechtsberatung, Unterstützung bei Behördengängen, Kleinkreditvergaben und dem Aufbau einer Jobbörse versuchen wir den entlassenen Müttern einen sicheren und verlässlichen Weg zurück in die Gesellschaft zu ermöglichen“, beschreibt Irene Baumgartner die Ziele des Half-Way Homes.
Besuchs- und Betreuungsprogramm der Mütter in den Gefängnissen
Neben dem Kinderhaus und dem Reintegrationsprogramm liegt ein weiterer Schwerpunkt der Organisation in der Betreuung von noch inhaftierten Müttern und ihren Kindern. Gesetzlich vorgeschrieben ist in Kenia, dass Kinder bis zu vier Jahren bei ihren Müttern im Gefängnis verbleiben dürfen. Wenn sie älter sind, müssen sie entweder zu Verwandten oder in ein staatliches Waisenhaus.
Regelmäßig besuchen Sozialarbeiter und Krankenschwestern der Organisation die sechs Frauengefängnisse im Großraum Nairobi sowie teilweise auch in anderen Teilen des Landes. „Während die Zustände im größten Frauengefängnis mit rund 600 weiblichen Gefangenen hier in Nairobi recht gut sind, sieht es in den Gefängnissen auf dem Land oftmals katastrophal aus. Die Gefangenen sind zumeist in bruchfälligen Gebäuden untergebracht, müssen auf dem Boden schlafen und es gibt weder Decken noch Moskitonetze“, so Irene Baumgartner. Absolut unzureichend sind auch die Möglichkeiten zur Versorgung der Kinder, die weder Spielzeug noch ausreichend Platz oder eine kindgerechte Umgebung zum Spielen haben. Da erwiesen ist, dass gerade die ersten drei Lebensjahre für die Entwicklung von Kindern entscheidend sind, wird klar, welch bleibende Schäden durch eine Kindheit hinter Gittern entstehen können.
„Noch grauenhafter sind die Zustände in der Untersuchungshaft“, erklärt Irene Baumgartner. Nach den gesetzlichen Bestimmungen dürfen verhaftete Menschen in Kenia nur bis maximal 14 Tage in Untersuchungshaft genommen werden. „In der Praxis jedoch ist es durchaus üblich, dass Verhaftete bis zu zwei Jahren und mehr in der U-Haft verbringen müssen. Die Zellen sind winzig und meist überfüllt. Die Kinder rütteln an den Stäben, viele von ihnen sind schwer traumatisiert.“ Das Tragische daran ist, dass die meisten Frauen in den Gefängnissen aus Bagatellegründen wie beispielsweise Mundraub, dem Verkauf von Gemüse auf der Straße ohne Lizenz oder wegen Unfähigkeit zur Zahlung der Miete verhaftet wurden. Auch wenn sie nicht kriminell sind, werden sie wie Schwerverbrecher behandelt.
„The Nest“ ist die einzige Organisation in Kenia, die sich um die „Gefängnismütter“ und ihre Kinder kümmert. „Wir erhalten Hilferufe aus allen Teilen des Landes. Es gibt noch so viele Frauen und Kinder in den Gefängnissen des Landes, um deren Rechte sich niemand kümmert. Gerne würden wir unser Betreuungsprogramm in den Gefängnissen weiter ausbauen.“ Dies ist nur eine der vielen Herausforderungen, mit denen Irene Baumgartner konfrontiert ist. „Die Schwierigkeit für uns ist, dass „The Nest“ bisher ausschließlich durch Einzelspender finanziert wird. Wir suchen dringend nach einer Organisation oder Stiftung, die unser Kinderhaus, das Half-Way Home und die Besuchsprogramme in den Gefängnissen dauerhaft unterstützt.“
Gerne würden wir „The Nest“ dabei helfen! Wie einzigartig und dringend notwendig ihre zutiefst unterstützungswürdige Arbeit ist, wird uns noch einmal klar, als wir gemeinsam mit Irene Baumgartner am Bettchen der kleinen Lisa im Kinderkrankenhaus von Nairobi stehen. Lisa ist mittlerweile acht Monate alt und hat die chirurgische Operation, bei der ihr kleiner Körper weitgehend wiederhergestellt wurde, gut überstanden. Als sie Irene Baumgartner sieht, strahlt sie. Ihr Lachen zeigt die innige Verbundenheit zu dem Menschen, der ihr Leben gerettet hat.
The Nest sucht:
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Einen Schreiner auf ehrenamtlicher Basis zur Fertigung neuer Kindermöbel sowie für Reparaturzwecke. Gewünschter Zeitraum: ca. 6 Wochen
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Einen Elektriker ebenfalls auf ehrenamtlicher Basis für dringend erforderliche Reparaturarbeiten.
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Die finanzielle Absicherung des Gehalts einer dritten Sozialarbeiterin für den Besuch und die Betreuung weiterer Frauen und Kinder in den Gefängnissen.
Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:
The Nest
Adresse: P.O. Box 605-00621, Nairobi, Kenya
Kontakt: Irene Baumgartner
Telefon: +254 721 437893
e-Mail: thenesthome@yahoo.de
Web: www.thenesthome.com
Förderverein Tunza Dada e.V.
Adresse: Zuschlag 12, 26127 Oldenburg, Deutschland
Kontakt: Angela Kunz
e-Mail: angela.kunz@t-online.de























