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Unsere Projektreise durch Afrika und Asien

Archiv der Kategorie ‘Südafrika‘

Wenn AIDS die Kleinsten trifft

6. Januar 2008

Die AIDS Arbeit steht im Mittelpunkt von HOPE Cape Town

Kapstadt, Südafrika

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Im 7. Stock des „Tygerberg Hospital“, einem staatlichen Krankenhaus am Rande von Kapstadt, liegt die Ithemba Station, eine Station für AIDS und TB kranke Kinder, die durch das Projekt „HOPE Cape Town“ betreut werden. Ithemba bedeutet auf Xhosa, eine der weitverbreitetsten Stammessprachen Südafrikas, Hoffnung. Die Wände der Kinderstation sind mit bunten und freundlichen Motiven bemalt, Kinderzeichnungen schmücken die Räume, Spielsachen und Kuscheltiere sorgen dafür, dass sich die Kinder wohl fühlen. Auf der Ithemba Station liegen Freude und Leid, Leben und Tod hautnah beieinander.

 

Im Gang sind quietschende Kinderstimmen zu vernehmen. Ein kleines Mädchen rollt im Schlafanzug vergnügt auf einem Dreirad an Schwester Pauline vorbei. „Das Dreirad haben wir von Angela Merkel bekommen“, betont die Krankenschwester mit Stolz. Die Deutsche Bundeskanzlerin war im Oktober 2007 auf ihrer Südafrikareise in Kapstadt und hat das Projekt HOPE Cape Town besucht.

 

Schwester Pauline geht in jedes Krankenzimmer, an jedes Bettchen. 24 Kinder mit 24 traurigen Schicksalen. „Die Mütter bringen ihre Kinder leider oftmals viel zu spät zu uns“, erklärt Schwester Pauline und fügt hinzu: „Die meisten sind in einem kritischen Zustand und müssen zum Teil mehrere Monate auf der Station bleiben.“ Den Müttern, die Tag und Nacht am Bett ihres kranken Kindes verbringen, werden Matratzen, Kaffee, Tee und Sandwichs kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Krankenschwestern der Ithemba Station nutzen die Zeit, in der die Kinder stationär versorgt werden, um die Mütter über die Krankheit ihrer Kinder, die notwendigen Medikamente sowie über die Pflege der Kinder aufzuklären. Meist sind die Mütter selbst HIV-positiv, und daher ist eine intensive Beratung und Aufklärung über die Krankheit unerlässlich.

  

hope-cape-town-2.jpg„Der schwerste Moment für uns alle ist immer dann, wenn ein Kind stirbt“, erläutert Schwester Pauline. „Es ist schrecklich mitzuerleben, wenn wir eine Mutter ohne ihr Kind nach Hause schicken müssen. Können Sie sich vorstellen, wie schmerzvoll dies für eine Mutter sein muss?“

  

HOPE Cape Town

Die Ithemba Station wurde im Jahr 2001 als erstes Projekt von HOPE Cape Town ins Leben gerufen. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2007 wurden insgesamt 578 Kinder auf der Kinderstation betreut. Zusätzlich zur Ithemba Station betreibt HOPE Cape Town in 17 Township Kliniken in und um Kapstadt jeweils eine Abteilung für HIV/AIDS und Tuberkulose Patienten. „Neben der Verabreichung der überlebensnotwendigen Medikamente gegen Tuberkulose und AIDS, kommen auch Menschen zu uns in die Kliniken, die sich testen lassen möchten, deren Kinder erkrankt sind, die eine HIV/AIDS Beratung wünschen oder die von unserem Angebot freier Kondome für Männer und Frauen Gebrauch machen wollen“, erklärt Mariam Roelosfe, eine Community Health Workerin von HOPE Cape Town.

  

Mariam ist eine der 22 aktiven Community Health Worker, die die tragende Säule des Projekts bilden. Sie betreuen und beraten die Patienten in den Township Kliniken, machen Hausbesuche, verteilen Nahrungspakete an die Kranken und sind Ansprechpartner für die Kinder, Jugendlichen und Eltern der von HIV/AIDS betroffenen Familien. Sämtliche Community Health Worker werden mithilfe von HOPE Cape Town in einem sechsmonatigen Studium der Fernuniversität UNISA ausgebildet und mit gezielten Weiterbildungsprogrammen regelmäßig gefördert.

  

Die Arbeit in den Townships erfordert enorme Nervenstärke, Fingerspitzengefühl und Geduld. So arbeitet beispielsweise Community Health Worker Nathan Charles in einer Township Klinik in Valhalla Park, einer Siedlung von Farbigen am Rande von Kapstadt, die vollständig von der Drogenmafia und Straßenbanden kontrolliert wird.

  

„Pro Jahr werden rund 300.000 Menschen in den Townships durch die Einrichtungen und Programme von HOPE Cape Town erreicht“, erklärt Pfarrer Stefan Hippler, der Gründer und Leiter der Organisation. „Wir stampfen keine neuen Strukturen aus dem Boden, sondern nutzen die bereits vorhandenen und versuchen, diese zu optimieren und zu vernetzen“, erläutert Hippler einen der wichtigsten Grundsätze des Projekts. Mit diesem Modell können Verwaltungskosten auf ein Minimum beschränkt bleiben und Synergien systematisch genutzt werden.

  

Bereits im Jahr 2001 war HOPE Cape Town eine der ersten Institutionen in Südafrika, die noch vor dem Staat antiretrovirale Medikamente kostenfrei verteilte. Mit immer neuen Ideen versucht HOPE Cape Town der AIDS-Problematik von verschiedenen Seiten wirksam zu begegnen. So war HOPE Cape Town die erste Organisation, die bereits 2003 in einem Pilotprojekt versuchte, auch die traditionellen Heiler (Sangomas) aktiv in den Kampf gegen HIV/AIDS einzubinden. Denn rund 80% der schwarzen Südafrikaner suchen zunächst den traditionellen Heiler auf und gehen, erst wenn dieser nicht mehr helfen kann, zu Schulmedizinern.

  

friedhof.jpgMit HOPE Cape Town will Pfarrer Hippler die Menschen unterstützen, die ohne deren Hilfe nicht überleben würden. In Anbetracht der Tatsache, dass sich in Südafrika nach groben Schätzungen 2.000 Personen pro Tag mit HIV infizieren und ebenfalls pro Tag rund 1.000 Menschen an AIDS sterben, ist der mutige Seelsorger fest entschlossen, sich für die von HIV/AIDS Betroffenen einzusetzen und verfolgt dabei rigoros seinen Weg – auch wenn dieser in einigen Punkten an der Grundhaltung seiner Kirche vorbeiführt.

  

Pfarrer Stefan Hippler

stefan-hippler_b.jpgStefan Hippler. Sein Lebenslauf ist für einen Pfarrer sicherlich außergewöhnlich. Im Juli 1986 in Trier zum Priester geweiht, nimmt Hippler als aktiver Anhänger der Friedensbewegung kurze Zeit später an einer Sitzblockade des amerikanischen Atomwaffendepots in Hasselbach teil und wird verhaftet. 

In seiner Zeit als Jungpriester spürt er, dass er mehr Lebenserfahrung braucht, bevor er wirklich Seelsorger werden kann. Er nimmt eine fünfjährige Auszeit, arbeitet bei McDonald’s, auf einer Finca in Spanien, als Pflegehelfer auf einer Station für Krebspatienten im finalen Stadium, als Mitarbeiter Pax Christis in Flüchtlingslagern Kroatiens sowie im Sozialdienst am Frankfurter Flughafen für gestrandete Flüchtlinge und Asylbewerber. 

Seit 1997 leitet er als Auslandspfarrer die deutschsprachige Gemeinde in Kapstadt und gründete 2001 HOPE Cape Town. Seine Erfahrungen im Kampf gegen die AIDS Epidemie und die hiermit verbundenen Herausforderungen als katholischer Priester beschreibt er in seinem jüngst erschienenen Buch „Gott - AIDS - Afrika“, das er zusammen mit dem bekannten Afrika-Journalisten und Buchautor Bartholomäus Grill herausgegeben hat. 

Ziel seines Buches ist es nicht, die Katholische Kirche anzuklagen, sondern dazu beizutragen, dass sie eine humanere und seiner Überzeugung nach christlicherere Einstellung angesichts der AIDS Epidemie und des Massensterbens in Afrika entwickelt. Wortwörtlich schreibt er in seinem Buch: „Für jene Menschen, die sie strikt befolgen, kommt die katholische Sexualmoral einem Todesurteil gleich. Das gilt in Afrika vor allem für Ehefrauen, deren Männer untreu sind.“ 

An anderer Stelle heißt es: „Die Zeiten, in denen man Menschen verdammt, nur weil sie selbständig denken, sollten in unserer Kirche endgültig vorbei sein.“ Wusste der AIDS-Aktivist bereits damals, was auf ihn zukommen würde? Am 19. November 2007 erhielt Pfarrer Stefan Hippler von der Deutschen Bischofskonferenz ein unbefristetes Redeverbot. Sämtliche Lesereisen und TV Auftritte mussten daraufhin abgesagt werden. 

Und dennoch ist Pfarrer Hippler überzeugt: „Unsere Kirche hat 1,2 Milliarden Mitglieder. Sie ist die stärkste Religionsgemeinschaft der Welt. Sie kann als größte globale Institution wie keine andere gegen die HIV/AIDS-Pandemie kämpfen. Sie könnte es, wenn sie nur wollte.“

 

Buchtipp: Gott – AIDS – Afrika / Bartholomäus Grill & Stefan Hippler / Verlag Kiepenheuer & Witsch / ISBN 978-3-462-03925-2

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

HOPE Cape Town

Adresse: P.O. Box 19145, Tygerberg 7505, Cape Town, South Africa

Kontakt: Fr. Stefan Hippler

Telefon: +27 21 423 21 88

e-Mail: admin@hopecapetown.com 

Website: www.hopecapetown.com 

    

„Ich wünschte, meine Eltern wären noch am leben“

6. Januar 2008

ISIBINDI hält Familien zusammen, stärkt sie und schenkt ihnen Mut

Cala, Südafrika

asanda-und-geschwister.jpg„Ich möchte so gerne wieder in die Schule gehen. Doch wer würde sich dann um meine kranke Schwester und die Kinder kümmern? Ich wünschte, meine Eltern wären noch am leben!“ Dies sind die Worte der 20-jährigen Asanda. 

  

Asanda hat ihr Teenagerleben verpasst. Sie lebt mit ihren fünf Geschwistern und ihrer zweijährigen Nichte in einem kleinen abgeschiedenen Haus, zehn Kilometer außerhalb von Cala, einer Kleinstadt in der südafrikanischen Provinz Eastern Cape. Asanda war gerade 14 Jahre alt, als ihre Eltern durch einen tragischen Unfall ums Leben kamen. Seit diesem Tag ist sie für den Haushalt und die Erziehung ihrer Geschwister zuständig. Asandas ältere Schwester Nomvuselelo ist 20 Jahre alt und hat eine kleine Tochter. Nomvuselelo ist stark gehbehindert, braucht Pflege und kann sich nur bedingt um die zweijährige Eyona kümmern. So liegt die Verantwortung für die gesamte Familie allein bei Asanda.

  

Die Lehmhütte, in der die siebenköpfige Familie lebt, ist viel zu klein. Es gibt nur ein Bett, und so müssen vier Kinder jede Nacht auf dem Boden schlafen. Es fehlt an Matratzen und Decken. Am liebsten würden sie einen weiteren Raum anbauen, doch dazu fehlt das Geld. Es reicht kaum zum Essen.

  

Betreuung durch ISIBINDI Child Care Worker

Einmal pro Woche besucht Linda Tofile die junge Familie. Sie kennt die enormen Schwierigkeiten der Geschwister und versucht, ihnen so gut wie möglich zu helfen. Nosibene arbeitet seit zwei Jahren als Child Care Workerin bei ISIBINDI. Ziel des Projekts ist es, sozial benachteiligten Familien und besonders deren Kindern zu helfen, sie zu stärken und ihnen Mut zu schenken. Genau dies drückt auch der Name des Projekts aus. ISIBINDI bedeutet in Zulu Mut.

    

Die Child Care Worker sind das Rückgrat für die zerrütteten, elternlosen und besonders bedürftigen Familien. Ohne ihre Unterstützung, ohne ihren Rat und Beistand wüssten viele zurückgelassene Kinder, verarmte Eltern und entkräftete Großeltern nicht, wie sie überhaupt noch zurecht kommen sollten und wären mit ihrem Leid und ihren Sorgen allein.

  

Ein besonderer Schwerpunkt von ISIBINDI liegt auf der Betreuung von Waisenkindern. So erhalten Asanda und ihre Geschwister einmal im Monat ein Versorgungspaket mit wichtigen Grundnahrungsmitteln. Für die Kinder, die noch die Schule besuchen, bezahlt ISIBINDI die erforderlichen Schuluniformen.

  

fotos-aus-memory-box.jpgAb und zu holt Asanda Erinnerungsfotos ihrer Eltern aus einer Kiste hervor und schaut sie gemeinsam mit ihren Geschwistern an. Die Kleinsten können sich kaum mehr an ihre Mutter und ihren Vater erinnern. Dann erzählen Asanda und Nomvuselelo Geschichten aus ihrer Kindheit, als die Familie noch vereint war. So ist auch die Trauerarbeit in den Familien ein wichtiger Bestandteil der Child Care Worker.

   

Doch die Familie von Asanda ist nicht die einzige, die an diesem Nachmittag besucht wird. Viele bedürftige Familien, die durch die Child Care Worker betreut werden, leben in Ndondo Square, einem besonders verarmten Stadtteil von Cala. Die Stadt zählt 30.000 Einwohner und liegt in der ehemaligen Transkei, einem Gebiet Südafrikas, das während der Apartheid ausschließlich für die schwarze Bevölkerung bestimmt war. Bis heute zählt das Gebiet zu einer der am wenigst entwickeltsten und ärmsten Regionen Südafrikas.

  

Trotz der wunderschönen Landschaft aus saftiggrünen Hügeln und Tälern ist Cala eine trostlose und ziemlich heruntergekommene Stadt. Zerfallene Gebäude, zahlreiche Autowracks, herumliegender Müll und marode Straßen tragen zu der lieblosen Atmosphäre bei. „Es gibt keine Industrie, die Arbeitslosigkeit liegt bei 70 Prozent und die Menschen haben einfach keine Perspektiven. Alkoholismus, Drogen und Kriminalität sind ein großes Problem“, erklärt Lulamile Yedwa, der Regionalleiter des ISIBINDI-Projekts. „Die Herausforderungen für uns sind gewaltig. Kinder wachsen in zerrütteten Familien auf, viele haben ihre Eltern aufgrund von AIDS verloren. Die Jugendlichen hängen in den Straßen herum und Gewalt ist an der Tagesordnung.“

   

Um Kindern einen Platz zum Spielen zu ermöglichen, hat ISIBINDI in Cala den „Safe Park“ entwickelt. Hierbei handelt es sich um einen abgesicherten Spielplatz für Kinder, der täglich geöffnet ist und durch die Child Care Worker betreut wird. Auch Ncedo und Sivuyile kommen täglich nach der Schule in den Safe Park. Sie wohnen nur wenige hundert Meter vom Spielplatz entfernt. Heute jedoch sind sie Zuhause geblieben, da sie wissen, dass Linda Tofile vorbei kommt. „Die Familie lebt in einer furchtbaren Situation. Die Kinder wachsen in äußerst schwierigen Umständen auf“, erklärt die Child Care Workerin. Der Vater der Familie starb im letzten Jahr an den Folgen von AIDS. Die Mutter wurde im März dieses Jahres von ihrem Freund ermordet – vor den Augen ihrer Kinder.

   

nora-mit-ihrer-familie.jpgNach dem Tod der Mutter übernahm die 16-jährige Nora zusammen mit ihrer älteren Schwester Ncumisa die Elternrolle, den gesamten Haushalt sowie die Pflege des 89-jährigen Großvaters, der blind und an den Rollstuhl gebunden ist. Erschwert wurde die ganze Situation, nachdem wenige Tage nach der Beisetzung der Mutter die schwer alkoholkranke Tante mit weiteren vier Kindern einzog. So leben derzeit zwölf Personen in dem 15 m² großen Haus. Die Lebensumstände der Familie sind unvorstellbar. Die zwölf Personen leben allein von der staatlichen Altersrente des Großvaters, die gerade einmal umgerechnet 90 Euro beträgt. Hiervon gehen jedoch jeden Monat 60 Euro für die Beerdigungskosten der Mutter ab, die über anderthalb Jahre abbezahlt werden müssen. Die staatlichen Kinderzulagen, welche die Tante für ihre vier Kinder bekommt, stehen der Großfamilie nicht zur Verfügung, da diese durch den Alkoholkonsum vollständig verbraucht werden.

   

Neben der Betreuung durch die Child Care Worker werden auch Nora und ihre Geschwister durch das ISIBINDI-Projekt mit Versorgungspaketen und Schuluniformen unterstützt. „Wir tun, was wir können, doch unsere Möglichkeiten sind in Anbetracht der Not recht begrenzt“, erklärt Linda Tofile. „Dennoch hoffen wir, dass wir durch unsere Beratung und den engen Kontakt mit den Kindern es schaffen, dass diese ihre Schulausbildung fortsetzen und nicht auf der Straße landen.“ 

  

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

ISIBINDI Cala, c/o Holy Cross Convent

Adresse: P.O. Box 431, Elliot 5460, Eastern Cape, South Africa

Kontakt: Sr. Raphaela Sender

Telefon: +27 47 8770130

e-Mail: holy_cross@worldonline.co.za

Angenommen statt ausgesetzt – geliebt statt verachtet

6. Januar 2008

Eine Kinderorganisation zum Verlieben

Bronkhorstspruit, Südafrika

sister-moreen-und-kinder.jpgBeim letzten Projektbesuch in Afrika, am vorletzten Tag vor unserem Weiterflug nach Indien, haben wir eine Kinderorganisation kennen gelernt, die uns in ganz besonderer Weise beeindruckt und berührt hat.

    

Wunderschön gelegen inmitten von Hügeln und saftig grünen Wiesen, etwa 50 km östlich von Pretoria, liegt das „Alphonso Maria Fusco Children Home“. Es ist ein Ort der Freude, der Geborgenheit und des ungestörten Kindseindürfens, der idealer nicht sein könnte. Es gibt keine hohen Mauern, keine Elektrozäune, kein Wachpersonal am Eingangstor. Vier katholische Schwestern (Sisters of St. John the Baptist) aus Sambia kümmern sich liebevoll um die 30 Kinder, die zurzeit im Kinderhaus leben. Es sind Waisen, ausgesetzte, missbrauchte und HIV-positive Kinder, die bereits in ihrem jungen Leben furchtbar gelitten haben.

  

Angefangen hat die Organisation im Jahr 1995 als drei Geschwister durch die Polizei bei den Schwestern abgegeben wurden. Die Mädchen waren damals drei, fünf und sieben Jahre alt. Sie waren mit ihrer Mutter in der Stadt zum Einkaufen. In der Warteschlange zur Kasse eines Supermarktes sagte die Mutter zu ihnen, dass sie noch Milch vergessen hätte und diese gerade holen würde. Daraufhin verschwand sie und kam nie mehr wieder. Bestand anfangs noch Hoffnung, dass es sich um ein Versehen handelte, war klar, nachdem über Tage niemand die Kinder vermisst meldete, dass diese vorsätzlich und geplant von der Mutter ausgesetzt wurden. Bis heute weiß niemand, woher die Kinder stammen.

  

Alle Kinder des Alphonso Maria Fusco Children Home besuchen die Schule oder den Kindergarten. Das Ziel der Schwestern ist, den Kindern eine qualitativ hochwertige Ausbildung zukommen zu lassen. Daher sollen die Kinder auch nach der Schule bis zum Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Studiums unterstützt werden. „Wir machen keine halben Sachen“, erklärt Sister Moreen, die zusammen mit den Kindern lebt und sie großzieht. „Um wirklich etwas aus ihrem Leben machen zu können, brauchen die Kinder mehr als nur einen Schulabschluss. Nur mit einer fundierten Ausbildung haben sie die Möglichkeit, später einen guten und anerkannten Beruf auszuüben.“

  

Auf die Frage, was die derzeitigen Herausforderungen der Organisation sind, erklärt Sister Moreen: „Was soll ich auf diese Frage antworten? Es sind so viele. Schon ein einziges Kind verantwortungsvoll großzuziehen ist eine Herausforderung. Viele Kinder haben ihr Vertrauen verloren und es braucht Zeit und intensive Fürsorge bis sie langsam wieder beginnen, jemandem zu vertrauen.“

  

alphonso-maria-fusco-children-home.jpgEine weitere große Herausforderung ist die finanzielle Situation des Kinderhauses. Zwei der vier Schwestern arbeiten als Lehrerinnen, ansonsten ist die Organisation komplett auf die Kinderzulagen angewiesen, die sie vom Staat erhält. Verpflegung, Schuluniformen, Kleider, Transportkosten, Medizin, Stromrechnungen müssen von dem wenigen Geld, was da ist, bezahlt werden.

Die Schwestern suchen dringend eine Institution oder Organisation, die in der Lage ist, einen Teil der laufenden Kosten abzudecken. Aufgrund der Zuverlässigkeit, Herzlichkeit und menschlichen Wärme der Schwestern würden wir das Kinderhaus mit Let’s help gerne unterstützen.

  

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Alphonso Maria Fusco Children Home

Adresse: P.O. Box 709, Bronkhorstspruit 1020, South Africa

Kontakt: Sister Moreen Nakamba

Telefon: +27 76 8375354

e-Mail: beachanda@yahoo.co.uk 

     

Liebenhaus – ein Kinderhaus für Jungen

6. Januar 2008

Port Elizabeth, Südafrika

tom.jpgInmitten einer verarmten Siedlung von Farbigen am Rande von Port Elizabeth liegt das Liebenhaus – ein Zuhause für 18 Jungen und Jugendliche, die einst auf der Straße lebten, ausgestoßen wurden oder von der Polizei aufgegriffen und im Kinderhaus abgegeben wurden.

  

„Männer spielen eine sehr wichtige Rolle in unserer Gesellschaft. Die Jungen von heute sind die Männer von morgen. Daher müssen wir, wenn wir Diebstahl, Vergewaltigung und Mord in den Griff bekommen wollen, bei den Jungen ansetzen“, beschreibt die Sozialarbeiterin und Direktorin Ellen Fishat das Konzept des Liebenhaus. Das Haus ist zweckmäßig eingerichtet, hell, sauber und gut strukturiert. Drei Betreuer sind rund um die Uhr im Schichtdienst für die Kinder zuständig.

  

Eine große Unterstützung sind auch die älteren Jugendlichen im Liebenhaus, wie beispielsweise der 16-jährige Tom (Name geändert). Er hat einen großen Teil seines Lebens im Liebenhaus verbracht. Wo seine Eltern sind, weiß der Teenager nicht. Als kleiner Junge wurde er von einem Ort zum anderen geschoben und auch sexuell missbraucht. Mit zehn Jahren kam er ins Liebenhaus. Nun steht er kurz vor dem Schulabschluss und will später einmal Anwalt werden. „Es gibt viele Menschen, die für ihre Rechte kämpfen müssen und denen will ich helfen“. Tom ist der Älteste im Liebenhaus und kümmert sich um die Kleineren, achtet darauf, dass jeder der Jungen seine Aufgabe im Haus erfüllt und greift ein, wenn es zu Auseinandersetzungen kommt. „Das Liebenhaus ist mein Zuhause“, erklärt Tom. „Die anderen Jungen sind wie meine Geschwister. Für Tom hat das Liebenhaus seine Zukunft bestimmt und dazu beigetragen, dass er heute auf dem richtigen Weg ist.

   

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Liebenhaus Child and Youth Care Center

Adresse: P.O. Box 34760, Newton Park, Port Elizabeth 6055, South Africa

Kontakt: Ellen Fishat (Manager)

Telefon: +27 41 4575265

e-Mail: liebenhaus@telkomsa.net 

Web: www.vreindenvangelvandale.org

  

Südafrika – ein Land extremer Gegensätze und Herausforderungen

27. November 2007

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Kriminalität und HIV/AIDS sind die beiden sozialen Herausforderungen, die Südafrika zur Zeit am stärksten beschäftigen. Wir würden noch ein Thema ergänzen: Apartheid. Immer noch!

 

Trotz offizieller Abschaffung der Apartheid im Jahr 1994 ist die Kluft zwischen Schwarz und Weiß sowie Arm und Reich in Südafrika größer als je zuvor. Gepflegte Vorstädte liegen unmittelbar neben heruntergekommenen Townships, mondäne Villen ragen hinter Wellblechhütten empor. Viele der alten Denk- und Verhaltensstrukturen haben sich bis heute kaum geändert. Die Hautfarbe ist nach wie vor ein gesellschaftliches Abgrenzungsmerkmal. Obwohl die Weißen nur 9,6 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, gehören ihnen die bedeutendsten Gold- und Diamantenminen des Landes, riesige Ländereien sowie große Teile der Wirtschaft.

 

Eine Umfrage unter schwarzen Südafrikanern ergab, dass 81 Prozent der Befragten noch nie mit einem Weißen zusammen gegessen haben. Ob am Strand, in den Restaurants, Cafés oder Bars – man sitzt getrennt. Die Schwarzen hier, die Weißen dort. Nur sehr selten sieht man gemischte Gruppen und wenn, dann sind es meist Kinder oder Jugendliche. Selbst in den Studentenstädten wie Kapstadt, Pretoria oder Stellenbosch lebt man nach wie vor nicht miteinander, sondern bestenfalls nebeneinander.

 

AIDS wird über die Zukunft Südafrikas entscheiden

aids-plakat.jpgMit 5,5 Millionen Menschen, die mit HIV/AIDS infiziert sind, ist Südafrika das von AIDS am stärksten betroffene Land der Welt. 1,2 Millionen Kinder haben bereits durch AIDS ihre Eltern verloren.

 

Nach Angaben von UNAIDS beträgt die HIV-Infektionsrate landesweit im Durchschnitt 18,8 Prozent. Doch bei der Interpretation dieses Wertes ist Vorsicht geboten. Kritiker weisen zurecht darauf hin, dass die offiziellen Zahlen, die auf den staatlichen Angaben beruhen, unzuverlässig sind und kaum Rückschlüsse auf das wahre Ausmaß der AIDS-Epidemie zulassen. So liegt die Infektionsrate vor allem in den Städten, den ehemaligen Townships sowie in den vorwiegend von Schwarzen bewohnten Provinzen KwaZulu-Natal und Limpopo bei bis zu 36,2 Prozent. Die höchsten HIV-Raten sind in Minenstädten und entlang der großen Fernstraßen des Landes anzutreffen. So ergab beispielsweise eine Studie des Medical Research Council, dass 56 Prozent der getesteten Fernfahrer an einem beliebten Rastplatz der Staatsstraße R23 HIV-positiv sind.

 

Die Ansteckungsgefahr liegt bei jungen Frauen in Südafrika viermal höher als bei gleichaltrigen Männern. Zum einen beruht dies auf der höheren biologischen Verwundbarkeit von Frauen, zum anderen auf der untergeordneten Stellung der Frau innerhalb der südafrikanischen Gesellschaft. So sind Frauen zumeist nicht in der Lage, sich adäquat vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Viele Männer, die beispielsweise in den Minen arbeiten und sich während ihrer oft wochenlangen Abwesenheit bei anderen Frauen infizieren, bringen die Krankheit mit nach Hause und stecken ihre Ehefrauen an.

 

Außerpartnerschaftliche Beziehungen sind in der südafrikanischen Mentalität fest verankert. „In 70-80 Prozent aller Fälle sind sich die Partner nicht treu“, bestätigen Sozialarbeiter in verschiedenen Projekten. Zusätzlich verschärft wird die Ansteckungsgefahr mit der Immunschwächekrankheit zudem durch den geringen Gebrauch von Kondomen. Chipo Chiwarawara, eine HIV/AIDS-Beraterin im Norden Südafrikas erklärt bei einem Projektbesuch: „Möglicherweise wird die ersten Male, wenn man sich noch nicht kennt, ein Kondom benutzt. Doch schon nach kurzer Zeit wird ganz bewusst darauf verzichtet. Der Nichteinsatz von Kondomen wird als Ausdruck der Liebe und des Vertrauens zu einem Menschen verstanden.“ Auf die Frage, wie häufig Kondome benutzt würden, antwortet sie „in höchstens 25 Prozent aller Fälle“!

 

die-aids-kranke-betty-bekommt-die-antiretroviralen-medikamente.jpgDie Gesamtzahl aller Todesfälle ist in den letzten zehn Jahren um 79 Prozent gestiegen. Die volkswirtschaftlichen Folgen von AIDS sind für Südafrika verheerend. Der Arbeitskräftepool schrumpft, die Kaufkraft schwindet, die Steuereinnahmen sinken und die Gesundheitskosten explodieren. Dies hat gravierende Auswirkungen auch auf die Betriebe, allein schon durch die Anzahl der ausgefallenen Arbeitsstunden, die durch den Besuch von Beerdingungen verloren gehen.

 

Auch wenn nach jahrelangen Bemühungen antiretrovirale Medikamente seit 2005 durch die Regierung Südafrikas kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, ist nur ein kleiner Anteil der Bevölkerung in der Lage, die Medikamente einzunehmen. So nehmen beispielsweise 85,4 Prozent der HIV-infizierten schwangeren Frauen in Südafrika keine Medikamente ein, um die Gefahr der Mutter-Kind-Infektion auszuschließen.

 

Tragisch ist ferner, dass sich trotz massiver HIV/AIDS-Aufklärungskampagnen nur ein geringer Prozentsatz der Menschen testen lässt. Rund 2 Millionen Südafrikaner, die mit HIV leben, wissen nicht, dass sie infiziert sind und glauben, dass sie keiner Gefahr ausgesetzt sind. Ihnen ist nicht bewusst, dass sie das tödliche Virus übertragen. Die meisten Menschen werden erst dann auf ihre Infektion aufmerksam, wenn die ersten Symptome der Krankheit ihren Körper befallen. Da die Krankheit in vielen Bevölkerungsschichten bis heute als Fluch oder Strafe der Ahnen gilt, wird bis zum letzten Moment versucht, die Krankheit zu verschleiern. „Vielen Menschen macht die Krankheit und die mit ihr verbundene Lebensgefahr weniger Angst als das Stigma und die Ausgrenzung, die mit AIDS verknüpft sind“, beschreibt Edwin Cameron, prominenter Richter am obersten Berufungsgericht Südafrikas, der selbst HIV-positiv ist, in seinem Buch „Tod in Afrika“ die weitverbreitete Einstellung der südafrikanischen Bevölkerung.

 

Der Kampf gegen die gesellschaftliche Stigmatisierung sowie die Stärkung der Betroffenen und ihrer Familien im Umgang mit AIDS sind die größten Herausforderungen und zugleich auch die zentralen Schwerpunkte der HIV/AIDS-Projekte, über die in diesem Newsletter unter anderem berichtet wird.

 

Alle 10 Minuten eine Vergewaltigung, alle 2 Stunden ein Mord

Die Kriminalität in Südafrika stellt nach wie vor ein großes Problem dar. Das Land hat die weltweit höchste Kriminalitätsrate. Allein seit Ende der Apartheid 1994 wurden der südafrikanischen Polizei zufolge über 420.000 Menschen ermordet und mehr als 650.000 Menschen vergewaltigt. Nach der aktuellen Kriminalitätsstatistik werden in Südafrika pro Tag 50 Menschen ermordet und 150 vergewaltigt. Bei diesen Angaben handelt es sich lediglich um die gemeldeten Fälle, die Dunkelziffer liegt bei weitem höher.

 

sicherheitskrafte-in-sudafrika.jpgGründe für die Kriminalität sind vor allem die soziale Ungleichheit zwischen den ärmeren Bevölkerungsschichten, denen zumeist Schwarze angehören und der meist weißen Oberschicht des Landes. Doch die Kriminalität allein mit der sozialen Ungleichheit zu begründen, wäre ebenso falsch, wie das drastische Ausmaß von AIDS in Südafrika allein auf die Armut zu schieben. Eine Vielzahl sozialer und ethnischer Gründe haben ebenso großen Einfluss wie der landesweit hohe Alkoholkonsum und die Drogenproblematik, die wiederum vor allem in den schwarzen Wohngebieten anzutreffen ist.

 

Aufgefallen ist uns die nahezu überall spürbare und zum Teil enorme Angst. So verwandeln sich die Innenstädte und Geschäftszentren von Johannesburg, Kapstadt und Durban mit Einbruch der Dunkelheit zu wahrhaften Geisterstädten. Als Weißer zieht man sich zurück in die von hohen Mauern und privaten Sicherheitsdiensten hermetisch abgeriegelten Vorstädte. Die meisten Häuser gleichen mit Stacheldraht- und Elektrozäunen, Kameras, Infrarotsensoren, Scheinwerfern und Sirenen wahren Festungen. Die Menschen verriegeln selbst über Tag beim Fahren das Auto. In einigen Stadtteilen wird aus Angst vor Überfällen und Car-Jacking vor roten Ampeln nachts nicht mehr angehalten. Die Bevölkerung hat Angst und diese wächst, auch wenn jüngste Kriminalitätsstatistiken angeblich belegen, dass die Gewaltverbrechen leicht zurückgegangen sind.

 

Und dennoch haben wir entgegen vieler Horrormeldungen und Warnungen bis heute von der Gewalt nur gehört und gelesen. Obwohl wir uns in den Innenstädten von Johannesburg, Kapstadt und Durban frei bewegt, zahlreiche ehemalige Townships besucht und mit den Bewohnern gesprochen haben, gab es für uns nicht eine einzige bedrohliche Situation. Ein gesundes, aber ganz bestimmt nicht übertriebenes Maß an Vorsicht, ist sicherlich angebracht. Auch sollte man stets den Sicherheitshinweisen und Empfehlungen der Menschen vor Ort folgen. Dennoch würden wir jedem empfehlen, diesem wunderschönen Land und seinen Menschen nicht mit Angst, sondern mit Interesse, wachen Augen und gesundem Menschenverstand zu begegnen. Doch gilt dies nicht für jedes Land der Welt?

Es vergeht keine Nacht, in der nicht eine Frau vergewaltigt wird

27. November 2007

GRIP – ein Pilotmodell zur Unterstützung von Vergewaltigungsopfern

Nelspruit, Südafrika

 

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Ein 8-jähriges Mädchen wird vergewaltigt und getötet. Eine 70-jährige Frau wird mit Benzin übergossen und angezündet. Der Täter ist der Mann, der die alte Frau drei Monate zuvor vergewaltigt hatte und sie umbringt, weil sie ihn angezeigte. Eine 27-jährige Frau wird vor den Augen ihres Sohnes über mehrere Stunden von zwei Männern achtmal vergewaltigt. Trotz des mit Elektrozaun abgesicherten Hauses konnten die Peiniger eindringen. „Dies sind lediglich drei der Fälle, die bei uns in dieser Woche reingekommen sind“, berichtet Annésta Hofer, die Direktorin von GRIP.

 

Die Organisation hat mit den Vergewaltigungsfällen allein in der Region Nelspruit, im Osten Südafrikas, alle Hände voll zu tun. „Es vergeht keine Nacht, in der nicht eine Frau vergewaltigt wird“, so die Direktorin weiter.

 

GRIP steht für „Greater Rape Intervention Programme“. Die Organisation wurde im Jahr 2000 gegründet und kümmert sich um jeden Vergewaltigungsfall in und um die 500.000-Einwohnerstadt, der bei der Polizei, in den Krankenhäusern oder über die Hotline gemeldet wird. Das Ziel der Organisation ist, Opfern von Missbrauch und Vergewaltigung beizustehen und sie in jeder möglichen Weise zu unterstützen. Allein von Januar bis Oktober 2007 kümmerte sich GRIP um 698 Vergewaltigungen und 976 Fälle häuslicher Gewalt. „Jeden Tag kommen fünf bis sechs neue Opfer zu uns“, erklärt die Direktorin. Doch nur ein Bruchteil aller Missbrauchsfälle wird angezeigt. Den Ergebnissen einer landesweiten Studie aus dem Jahr 2006 zufolge wird nur jeder achte Fall gemeldet.

 

Um den Betroffenen frühestmöglich beizustehen, hat die Organisation sogenannte „Care Rooms“, Anlauf- und Betreuungsräume innerhalb der Polizeistationen und Krankenhäuser, eingerichtet, die sieben Tage die Woche geöffnet sind und in denen die Opfer rund um die Uhr von psychologisch geschulten Mitarbeitern beraten und betreut werden. Die „Care Rooms“ sind liebevoll eingerichtet, die Wände mit warmen Farben und kinder-freundlichen Motiven bemalt. Sofas, Fernseher, Bücher und Spielsachen für die Kinder tragen zu einer privaten und geschützten Atmosphäre bei. Für Betroffene, die aufgrund des Schocks und ihrer Angst nicht nach Hause zurückkehren können, stehen Betten, sanitäre Einrichtungen sowie eine kleine Küche für einige Tage zur Verfügung.

 

Mit PEP kann innerhalb von 72 Stunden eine Ansteckung mit HIV verhindert werden

Sobald eine Vergewaltigung bekannt wird, ist GRIP aktiv. Die Organisation kümmert sich darum, dass die Betroffenen im Krankenhaus entsprechend medizinisch untersucht und behandelt werden und dass es zu einer Anzeige kommt. Die GRIP-Mitarbeiter sorgen dafür, dass alle notwendigen Tests für das spätere Anklageverfahren durchgeführt werden und bestärken die Opfer, einen HIV-Test durchführen zu lassen. Allen Vergewaltigungsopfern steht die kostenfreie PEP-Therapie (Post-Exposure Prophylaxis) zur Verfügung, mit der binnen 72 Stunden nach der Vergewaltigung eine mögliche Infektion mit HIV wirksam verhindert werden kann. Bei PEP handelt es sich um ein modernes antiretrovirales Medikament, das für einen Zeitraum von 28 Tagen eingenommen werden muss. Daher ist es entscheidend wichtig, dass sich die Betroffenen möglichst sofort an GRIP wenden. „Mit PEP können wir Leben retten“, erklärt Annésta Hofer.

 

Neben den Medikamenten erhalten die Betroffenen im „Care Room“ des Krankenhauses auch eine Notfalltasche mit Zahnbürste, Zahnpasta, Toilettenartikeln, Damenbinden und frischer Unterwäsche. „Keiner Frau und keinem Kind soll zugemutet werden, nach der Vergewaltigung dieselben Sachen tragen zu müssen. Sie sollen die Möglichkeit haben, sich nach der medizinischen Untersuchung und Beweisaufnahme waschen und neue Unterwäsche anziehen zu können“, erklärt die zuständige GRIP-Mitarbeiterin.

 

Bis zur Urteilssprechung begleitet

GRIP bietet ein breites Spektrum der Hilfe. Anwälte und Rechtsberater stehen den Betroffenen während des gesamten Anklage- und Gerichtsverfahrens bei. Aufgrund von Unsicherheit und Angst kommt es immer wieder vor, dass Gerichtsverhandlungen zu Ungunsten der Kläger verlaufen. Daher werden die Betroffenen mit speziellen „Gerichtstrainings“ auf die Gerichtsverhandlungen vorbereitet. Hierfür stellt das Nelspruiter Gericht der Organisation jeden Samstag seine Räumlichkeiten zur Verfügung. „Gerade für Kinder ist das Gericht meist etwas Bedrohliches. Daher werden die Kinder in speziellen Rollenspielen auf die Verhandlungen vorbereitet. Dies hat den Vorteil, dass sie bei dem eigentlichen Prozess die Abläufe bereits kennen und genau wissen, wie sie sich zu verhalten haben“, erklären Priscilla und Vinta, zwei GRIP-Betreuerinnen, die mit den Kindern das Vorbereitungstraining durchführen. Das von GRIP entwickelte Modell ist sehr erfolgreich. In den ersten zehn Monaten des Jahres wurden 193 Angeklagte verurteilt und nur 42 als nicht schuldig freigesprochen.

 

Kinder werden mit ihrem Schicksal nicht allein gelassen

dudu-mit-ihrer-mutter.jpgNelly Zulu, eine der Sozialarbeiterinnen von GRIP, ist auf dem Weg zu der 12-jährigen Dudu. Das Mädchen wurde vor zwei Jahren auf dem Rückweg von der Schule vergewaltigt. Es passierte in einem kleinen Lebensmittelladen, nicht weit von ihrem Zuhause, mitten am helllichten Tag. „Dudu wollte etwas zu essen kaufen. Der Ladenbesitzer, den sie gut kannte, versprach ihr, Brot und Schokolade, wenn sie ihre Kleider ausziehen würde. Als Dudu daraufhin weglaufen wollte, wurde sie von dem 50-jährigen Mann brutal vergewaltigt“, erinnert sich Nelly Zulu. Aus Angst und Scham sagte Dudu niemandem, was passiert war. Erst als sie kurz darauf krank wurde und ihre Mutter einen Arzt aufsuchte, kam heraus, was passiert war. Ein Bluttest ergab, dass Dudu mit HIV infiziert wurde.

 

„Fälle wie diese zeigen, wie wichtig es ist, dass die Menschen über unsere Programme und die Möglichkeit der PEP-Therapie Bescheid wissen“, erklärt Nelly Zulu. Daher betreibt GRIP umfangreiche Aufklärungsarbeit in den ehemaligen Townships, in Schulen, Jugendclubs sowie im lokalen Radio. Mithilfe von GRIP wurde der Ladenbesitzer angezeigt und ein Verfahren eröffnet. Doch nur wenige Wochen später entschieden die Eltern, die Anzeige zurückzuziehen, da die Familie durch den Täter in extremer Weise bedroht wurde.

 

Dank GRIP lebt Dudu heute mit ihrer Familie auf einer abgelegenen Farm, 15 km außerhalb von Nelspruit. Sie besucht die dritte Klasse und möchte eines Tages Lehrerin werden. Einmal pro Monat kommt Nelly Zulu vorbei und besucht die kleine Dudu, die ihr in den letzten zwei Jahren besonders ans Herz gewachsen ist. Dudu hat in Nelly nicht nur eine wichtige Freundin gefunden, sondern auch einen Menschen, der sich zutiefst in ihre Lage hineinversetzen kann. Nelly Zulu wurde, wie sie in aller Offenheit zugibt, als Kind selber vergewaltigt. „Ich weiß, was Dudu durchgemacht hat. Mir hat damals niemand geholfen. Daher möchte ich dafür sorgen, dass Kinder wie Dudu mit ihrem Schicksal nicht allein sein müssen.“

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

GRIP - Greater Rape Intervention Programme

Adresse: P.O. Box 26122, Nelspruit 1200, South Africa

Kontakt: Annésta Hofer

Telefon: +27 13 7524404

e-Mail: info@grip.org.za 

Website: www.grip.org.za

„Wenn ich an Mama denke, spüre ich, dass sie bei mir ist.“

27. November 2007

St. Joseph’s Care and Support Trust hilft HIV-infizierten und von AIDS betroffenen Kindern

Bronkhorstspruit, Südafrika

 

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Es ist 6.00 Uhr morgens als Buhle hereinkommt und Thabi die Decke wegzieht. „Es ist Zeit aufzustehen!“, ruft die große Schwester und rüttelt Thabi wach. Auch für Sipho, der noch im Halbschlaf neben seiner Schwester im Bett liegt, heißt es aufstehen. Während Buhle den Tee für die kleineren Geschwister vorbereitet, gehen diese nach draußen zum Wasserhahn und waschen sich das Gesicht. Es ist noch kühl frühmorgens und die Sonne ist noch hinter den Hügeln versteckt.

 

Kurze Zeit später sind alle drei Geschwister auf dem Weg zur Schule. Während die 16-jährige Buhle die 9. Klasse der weiterführenden Schule besucht, die nur einen Häuserblock entfernt liegt, müssen Thabi und Sipho jeden Morgen eine halbe Stunde zu Fuß zur Schule gehen. Thabi ist 11 Jahre alt und geht in die 5. Klasse. Ihr kleinerer Bruder ist gerade 7 Jahre alt geworden und besucht die erste Klasse.

 

Wenn Kinder die Eltern ersetzen müssen

Seit dem Tod der Mutter vor knapp sechs Monaten ist Buhle für ihre beiden Geschwister allein verantwortlich. An ihren Vater kann sie sich kaum mehr erinnern. Als sie noch ganz klein war, hat er die Familie verlassen und so weiß sie nicht einmal mehr, wie er aussah. Allmorgendlich weckt sie ihre jüngeren Geschwister und sorgt dafür, dass sie rechtzeitig zur Schule kommen. Schon vor zwei Jahren, als ihre Mutter schwer krank wurde, musste Buhle alle Aufgaben im Haushalt erledigen und ihre Mutter pflegen. Von heute auf morgen hatte das junge Mädchen die Rolle eines Erwachsenen zu übernehmen.

 

Sowie Buhle, Thabi und Sipho wachsen in Südafrika aufgrund von AIDS über 1,2 Millionen Kinder ohne ihre Eltern auf. Mit über 18,8 Prozent hat das Land eine der höchsten HIV/AIDS-Infektionsraten der Welt, und so werden heute viele Familien, da Eltern und Großeltern bereits verstorben sind, durch Kinder geführt.

 

Obwohl die älteren Geschwister ganz selbstverständlich die Elternrolle übernehmen, so sind sie doch nicht in der Lage, die Eltern zu ersetzen. Vielen Kindern fehlt es an Fürsorge, Geborgenheit und Liebe. Sie haben niemanden mehr, der ihnen in schwierigen Situationen beisteht, ihnen Halt gibt und sie beschützt, wenn sie in Gefahr sind. Viel zu früh müssen diese Kinder ihre Kindheit aufgeben.

 

„Alles was wir machen, hat mit AIDS zu tun. AIDS ist weit mehr als nur eine Krankheit. Daher reichen allein gesundheitliche Maßnahmen auf Dauer bei weitem nicht aus“, erklärt Elisabeth Schilling, die Gründerin und Direktorin des St. Joseph’s Care and Support Trust. Neben der Beratung HIV-infizierter Menschen und Pflege von AIDS-kranken Patienten betreibt die Organisation ein Hospiz sowie zahlreiche Einrichtungen und Programme zur sozialen, psychologischen und spirituellen Unterstützung der Betroffenen. „Wir verfolgen einen holistischen Ansatz und versuchen, den Menschen in jeder uns möglichen Weise zu helfen“, so die Gründerin.

 

Unweit der Schule, die Thabi und Sipho besuchen, liegt das St. Joseph’s Community Centre Wolvenkop. Pünktlich um 10.00 Uhr schließt Emma Mhlanga die Kinderbetreuungs- und Verpflegungsstation auf. Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern bereitet sie das Mittagessen vor. In der Küche liegt ein Sack Reis und Berge von verschiedenem Gemüse. „Gerade genug, um fünfzig Kinder satt zu kriegen“, lacht Emma.

 

verpflegungsstation.jpgDas St. Joseph’s Community Centre Wolvenkop ist eine von insgesamt sieben Kinderbetreuungs- und Verpflegungsstationen. Von Montag bis Freitag bekommen hier AIDS-Waisen und besonders benachteiligte Kinder aus der Umgebung ein ausgewogenes Mittagessen. Heute steht Kohl, Reis, Kürbis und Gehacktes auf dem Speiseplan. Emma weiß, dass dies für viele Kinder, die in die Verpflegungsstationen kommen, die einzige Mahlzeit des Tages ist.

 

Um 14.00 Uhr strömen die ersten Kinder in das St. Joseph’s Community Centre. Die einen stehen bereits in der Schlange, um einen Teller aus der Küche zu holen, andere spielen draußen Fußball oder zeichnen Figuren in den sandigen Boden. Auch Sipho und Thabi sind bereits eingetroffen und haben großen Hunger, da sie nur eine Tasse Tee zum Frühstück hatten. Sie holen sich einen Teller bei Emma und setzen sich zu den anderen Kindern. Das Mittagessen scheint allen zu schmecken – es wird kein Ton mehr gesprochen.

 

Memory Boxes – Brücken der Erinnerung

Nach dem Essen werden die Kinder in Gruppen aufgeteilt. Während die Kleinen malen und andere Kinder ihre Hausaufgaben machen, setzt sich Thabi mit den größeren Kindern gemeinsam an einen Tisch und arbeitet an ihrer „Memory Box“. Diese besteht aus einem Schuhkarton, den sie sorgfältig und liebevoll bemalt hat. In dem Karton liegen Zeichnungen und Briefe sowie ein Foto von einer Frau. Die Frau auf dem Bild trägt ein blumengemustertes Sommerkleid und einen Hut. Sie sitzt auf einer Treppe an die Wand gelehnt und lächelt. Es ist Thabis verstorbene Mutter.

 

kinderzeichnung.jpgDie „Memory Box“ ist ein wichtiger Bestandteil aktiver Trauerarbeit bei Kindern und wird in verschiedenen afrikanischen Ländern schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt. In eine Memory Box darf ein Kind all das hineintun, was es an die Eltern erinnert, wie Fotos, Zeichnungen, Gedichte oder Briefe. Da viele Kinder zum Zeitpunkt des Todes ihrer Eltern noch klein sind, werden mit den Gegenständen in der Memory Box die Erinnerungen der Kinder an ihre Eltern wachgehalten. „Wir lassen die Kinder Briefe an ihre verstorbenen Eltern schreiben, in denen sie ihnen mitteilen können, was in ihnen vorgeht. Auch wenn es oft traurige Briefe sind, so helfen sie doch den Kindern, den Tod ihrer Eltern zu thematisieren und nach und nach darüber hinwegzukommen“, erklärt Emma Mhlanga. „Wenn möglich versuchen wir mit den Memory Boxes schon vor dem Tod der Eltern zu beginnen und diese aktiv in die Ausstattung der Memory Boxes mit einzubinden.“ So werden auch Briefe, Gedichte und persönliche Gegenstände der Eltern zu wertvollen Erinnerungshilfen für die Kinder. Auch wenn die Auseinandersetzung mit dem Tod der Eltern für die Kinder nicht leicht ist, so gestalten sie ihre Memory Boxes mit Hingabe und Liebe. Thabi ist sich sicher: „Wenn ich an Mama denke, spüre ich, dass sie bei mir ist.“

 

Neben der täglichen Verpflegung und der Nachmittagsbetreuung kümmern sich die Mitarbeiter des St. Joseph’s Community Centre darum, dass die Kinder auch nach dem Tod der Eltern weiterhin zur Schule gehen. Einmal pro Woche besuchen sie die Haushalte der Kinder und schauen nach dem Rechten. „Wir helfen den Kindern mit allem, was sie brauchen“, erklärt Lizzy Ogoweng, die Leiterin der Sozialprogramme des St. Joseph’s Care and Support Trust. Hierzu gehören Kleidung, Schuhe, die Schuluniform sowie Hefte, Stifte und Schulbücher. Einmal pro Monat erhalten besonders bedürftige Familien ein Versorgungspaket, bestehend aus den wichtigsten Grundnahrungsmitteln, Hygieneartikeln und Waschpulver.

 

Am späten Nachmittag schließt das St. Joseph’s Community Center seine Pforten. Für Thabi und Sipho ist es Zeit, zurück nach Hause zu gehen. Buhle wartet bereits auf ihre jüngeren Geschwister. Gemeinsam bereiten sie das Abendessen vor. Für die Kinder ist es fast schon normal geworden, auch ohne ihre Eltern zurechtzukommen.

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

St. Joseph’s Care and Support Trust

Adresse: P.O. Box 2016, Bronkhorstspruit 1020, South Africa

Kontakt: Elisabeth Schilling

Telefon: +27 13 9326600

e-Mail: fundraising@stjosephcare.org.za  

Website: www.sizanani.org 

Men as Partners – ein Projekt von EngenderHealth

27. November 2007

Johannesburg, Südafrika

men-as-partners.jpgDie meisten Projekte und Organisationen im Kampf gegen Missbrauch und sexuelle Gewalt richten sich an Frauen und Kinder. Doch es sind die Männer, die nahezu sämtliche Entscheidungen in Bezug auf Sex treffen. Daher hat die internationale Sozialorganisation „EngenderHealth“ mit dem Programm „Men as Partners“ (MAP) ein völlig neues und weltweit einmaliges Konzept entwickelt, das sich in erster Linie an Männer richtet.

„Men as Partners“ hat zum Ziel, Männer zu mobilisieren und sie zu verantwortungsvollen Partnern zu machen, die jegliche Form der Gewalt an Frauen und Kindern ablehnen und für deren Rechte einstehen. „Nicht alle Männer sind Vergewaltiger“, erklärt Kent Klindera, der das Johannesburger Büro leitet. „Doch das Problem ist, dass kaum ein Mann bereit ist, sich in der Öffentlichkeit gegen Vergewaltigung und Missbrauch auszusprechen.“

In Südafrika richten sich die Programme von MAP vorwiegend an Jugendliche. In mehrtägigen Trainings werden bestehende Klischees von Männlichkeit, die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau und vermeintliche Idealbilder der beiden Geschlechter in Frage gestellt und besprochen. Das Ziel der Trainings ist, den Jugendlichen ein neues Verständnis von Männlichkeit zu vermitteln, das auf gleichberechtigter Partnerschaft, gegenseitiger Achtung und Verantwortung sowie Gewaltfreiheit beruht.

EngenderHealth arbeitet mit prominenten und in der Öffentlichkeit beliebten Männern, wie beispielsweise bekannten Fußballern, Rugbyspielern, Sängern und Schauspielern zusammen, die als „Stars“ des MAP-Programms mit gutem Beispiel vorangehen. Gerade in einer Gesellschaft, in der Kriminalität und AIDS weit verbreitet sind, ist es wichtig, dass Vorbilder für den Gebrauch von Kondomen werben, auf die Gefahren von AIDS hinweisen und die Frau als gleichberechtigte Partnerin darstellen.

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

EngenderHealth

Adresse: 49 Jorrisen, Braamfontein, Johannesburg, South Africa

Kontakt: Kent Klindera (Senior Technical Advisor)

Telefon: +27 11 4035245

e-Mail: kklindera@engenderhealth.org 

Web: www.engenderhealth.org