Engel in roten T-Shirts
Bedingungsloser Einsatz freiwilliger Helfer der Catholic AIDS Action
Oshakati, Namibia
Penaeyambeko Inghalwa lebt mit ihren beiden Töchtern und einem Enkelkind in einem Slumviertel am Stadtrand von Oshakati, einer Kleinstadt im Norden Namibias unweit der Grenze zu Angola. Ihre kleine Hütte besteht aus zwei verrosteten Autotüren, einer Motorhaube, zerfetzten Plastikfolien, Stoffresten und einem undichten Strohdach. Die Gegend ist trostlos und wirkt ausgestorben. Die Sonne scheint erbarmungslos und die Hitze ist schier unerträglich. Die Menschen suchen Schutz in ihren Hütten und unter den wenigen Bäumen und Sträuchern. Sie leben unter katastrophalen Bedingungen.
Penaeyambeko und ihren Kindern fehlt es an allem. Die Familie ernährt sich von Abfällen, die die Kinder auf der Mülldeponie sammeln. Da es weder einen Brunnen noch eine Wasserleitung gibt und sie sich das Geld für frisches Trinkwasser nicht leisten können, sind sie gezwungen, das verschmutzte Wasser aus dem nahegelegenen Kanal zu trinken. Weil die Mutter zu schwach ist, muss ihre 12-jährige Tochter Antonja die gesamte Hausarbeit erledigen.
Jeden Morgen und jeden Abend schleppt das kleine Mädchen die schweren Wassercontainer vom Kanal bis nach Hause. Wenn es einmal etwas zu essen gibt, bereitet Antonja dieses an der offenen Feuerstelle vor ihrer Hütte zu. Da es in der ganzen Gegend nicht genügend Holz gibt, verbrennt sie Plastikabfälle und alte Autoreifen. Auch wenn ihr vom giftigen Rauch die Augen brennen und sie weiß, wie schädlich der Qualm ist, hat sie keine andere Wahl. Mit ihren 12 Jahren hat sie bereits die Rolle und Verantwortung eines Erwachsenen. Sie kann nicht zur Schule gehen, auch hierfür fehlt das Geld.
Die Mutter atmet schwer. Seit Jahren leidet sie an den Folgen von AIDS, jener Krankheit, an der auch ihr Ehemann schon vor Jahren verstorben ist. Ihr ausgemergeltes Gesicht und die Hautausschläge an ihren Füßen zeigen, dass auch bei ihr die Krankheit bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat. Penaeyambeko und ihre Kinder werden von den freiwilligen Mitarbeitern der Catholic AIDS Action, der größten und anerkanntesten Organisation im Kampf gegen AIDS in Namibia, betreut.
Die vielseitige Hilfe der Catholic AIDS Action
Catholic AIDS Action ist eine Non Government Organisation (NGO), die 1998 gegründet wurde. Zu ihren wichtigsten Programmen und Aktivitäten zählen:
-
Unterstützung von mit HIV/AIDS betroffenen Familien
-
Häusliche Pflege und Betreuung von an AIDS erkrankten Patienten
-
HIV/AIDS Aufklärung vor allem für Jugendliche
-
Kostenlose AIDS-Tests und Beratung
-
Schulausbildungs-, Betreuungs- und Ernährungsprogramme für AIDS-Waisen und sozial benachteiligte Kinder
Trotz der engen Verbundenheit der Organisation zur Katholischen Kirche richten sich die Einrichtungen und Programme von Catholic AIDS Action an alle Menschen in Not, ungeachtet ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit.
„In unserem Hausbesuchs- und Betreuungsprogramm engagieren sich zurzeit 649 ehrenamtliche Mitarbeiter, die 3.173 kranke und hilfsbedürftige Menschen zwei- bis dreimal pro Woche besuchen“, erklärt Efraim Iipinge, der Regionalleiter für die beiden Nordwestprovinzen Oshana und Omusati. Für die vielen verzweifelten und an AIDS erkrankten Menschen sind die freiwilligen Mitarbeiter der Organisation, die man schon von weitem an ihren rot leuchtenden T-Shirts erkennt, oftmals die einzigen Menschen, die sich um sie kümmern. Neben der psychosozialen Betreuung und dem moralischen Beistand werden die Kranken mit Medikamenten, Vitaminen, Pflegemitteln sowie zum Teil auch mit Lebensmitteln und spezieller Aufbaunahrung versorgt. Falls erforderlich, organisieren die freiwilligen Helfer Arzt- und Krankenhausbesuche und kümmern sich um die Formalitäten.
Neben der direkten Betreuung und Pflege der Kranken, stehen die freiwilligen Helfer der Catholic AIDS Action auch den Familienmitgliedern bei. So gehört zu ihren Aufgaben auch die Vorbereitung der Kinder auf den Tod ihrer Eltern. Sie bringen ihnen bei, was bei der Pflege der Eltern zu beachten ist, geben wertvolle Ratschläge und ermutigen die Kinder, nicht zu verzweifeln. Der Projektkoordinator John Kamati erläutert: „Sobald einer der Eltern an AIDS erkrankt, hat dies direkte und traumatische Auswirkungen auf das Leben der Kinder. Stirbt ein Elternteil oder gar beide Eltern fehlt es den Kindern an Schutz, menschlicher Wärme und Geborgenheit. Für viele Kinder ist der Tod nicht greifbar und sie müssen behutsam darauf vorbereitet werden, dass ihre Eltern nicht mehr zurückkommen.“
Aufgrund der immer noch starken Stigmatisierung und gesellschaftlichen Ausgrenzung haben viele AIDS-Kranke den Kontakt zu ihren Familienmitgliedern, Verwandten und Freunden verloren. „Als wir vor einigen Jahren mit unserer Arbeit begannen, hatten wir es sehr schwer“, erklärt Jutta Onesmus, die schon seit Beginn als freiwillige Helferin für Catholic AIDS Action aktiv ist. „Sobald die Menschen unsere roten T-Shirts sahen, fingen sie an zu tuscheln. Die meisten gingen automatisch davon aus, dass auch wir als Betreuer HIV-positiv sind. Nicht nur die Menschen in den Hütten, die wir regelmäßig besuchen, sondern auch wir wurden am Anfang gemieden. Doch mit der Zeit haben sie erkannt, wie wichtig unsere Arbeit ist. Wenn wir heute in die Dörfer kommen, freuen sich die Menschen und schätzen unseren Besuch.“
Zwischen den freiwilligen Mitarbeitern und ihren Klienten besteht eine sehr enge Verbindung. Durch die liebevolle Fürsorge, die die kranken und notleidenden Menschen erfahren, wird den Mitarbeitern der Catholic AIDS Action Vertrauen und Dankbarkeit entgegengebracht. Die enorme Wertschätzung für das Engagement der freiwilligen Helfer bringt auch Penaeyambeko Inghalwa zum Ausdruck: „Ich wüsste nicht, wie ich ohne die Hilfe von Jutta zurecht käme. Sie ist immer für mich da, hört mir zu und lässt mich nicht allein“.
Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:
Catholic AIDS Action
Adresse: P.O. Box 11525, Windhoek, Namibia
Kontakt: Father Richard W. Bauer (Executive Director)
Telefon: +264 61 276350
Website: www.caa.org.na

