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Unsere Projektreise durch Afrika und Asien

Archiv der Kategorie ‘Kamerun‘

Noah’s Ark – eine Organisation kämpft gegen die Verschleppung und Ausbeutung von Kindern

23. Mai 2007

Bericht aus Bamenda

 

eine-junge-frau-aus-bamenda.jpg„Was haben Arme und Reiche in Afrika gemeinsam?“, fragte uns Giselle Mitton, Regionalleiterin „Child Trafficking“ der „International Labour Organisation“ (ILO) vor wenigen Wochen in Dakar und antwortete, während wir noch überlegten: „Alle Familien haben zumindest ein oder mehrere Hausmädchen, die für sie die Arbeit erledigen.“ Diese Antwort macht sowohl das Ausmaß als auch die Nachfrage nach den billigen Arbeitskräften deutlich.

 

Kamerun ist Herkunftsland, Zielland und Transitland des afrikanischen Kinderhandels. Traditionell werden in Zentral- und Westafrika Kinder besonders in Fabriken und auf Plantagen als billige und willige Arbeitskräfte eingesetzt. Die Distanzen, die die Kinder zurücklegen müssen, sind enorm. Beispielsweise arbeiten kamerunische Kinder auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste, nigerianische Mädchen werden nach Kamerun verschleppt und dort vor allem in den Städten Douala und Yaounde zur Prostitution gezwungen. Kinder aus der Zentralafrikanischen Republik werden durch Kamerun geschleust und landen im Nachbarstaat Gabun als Hausangestellte. „Während es noch vor Jahren möglich war, gängige Verschleppungswege aufzuzeigen, muss heute davon ausgegangen werden, dass Kinder aus allen und in nahezu alle Länder West- und Zentralafrikas verschleppt werden“, erklärt Giselle Mitton.

 

Gerade junge Mädchen werden vor allem als Hausangestellte gebraucht und dabei häufig auch missbraucht. In der Regel verläuft die Vermittlung der Hausmädchen über nahe Verwandte, Bekannte oder Mittelsmänner im sozialen Umfeld der Familie. Es ist schon zu einer Tradition geworden, Kinder aus entlegenen Dörfern, in denen keine Schulen existieren, in städtische Familien zu vermitteln, in denen das Kind arbeiten und zur Schule gehen kann. Dies wird zumindest versprochen und von den meisten Eltern auch angenommen. In der Praxis jedoch umfasst die Schulausbildung häufig nur wenige Jahre oder stellt sich gänzlich als leere Versprechung heraus. Statt zur Schule zu gehen, müssen die Kinder unter sklavenähnlichen Bedingungen von früh morgens bis spät abends für die Familien arbeiten.

 

„Bring me a Bamenda!“ ist in Kamerun ein gängiger Begriff zur Beschaffung eines Hausmädchens. Die Kleinstadt Bamenda im Nordwesten des Landes gilt als eine der Hochburgen des Kinderhandels. Und genau darum sind wir hier! Die Stadt liegt im anglophonen Teil Kameruns, der seit Jahrzehnten von den verschiedenen Regierungen stark vernachlässigt und vom Rest des Landes als rückständig betrachtet wird.

 

Wir besuchen die kleine Organisation Noah’s Ark, die seit dem Jahr 2001 durch Präventions- und Rehabilitationsprogramme gegen den Kinderhandel kämpft. Valentine Lah, der Leiter der Organisation, erklärt uns, dass es keine verlässlichen Zahlen zum Ausmaß des Kinderhandels in Kamerun und Westafrika gibt. Aufgrund der Wehrlosigkeit der Opfer werden Missbrauchsfälle nur in wenigen Ausnahmefällen bekannt. „Kinder aus dieser Region werden sehr häufig verschleppt, da sie als besonders unterwürfig und gehorsam gelten. Sie können sich nicht verteidigen, verstehen die französische Sprache nicht und sind oftmals auch nach Jahren nicht in der Lage, den Rückweg in ihre Dörfer zu finden.“

 

Die Organisation geht in die Dörfer, wendet sich gezielt an die Kinder, die nicht zur Schule gehen und versucht, die Gründe dafür herauszufinden. Auf diese Weise gewinnen die Mitarbeiter Einblick in die sozialen Zustände der Familien, wodurch die drei Hauptaktionsfelder der Organisation entstanden sind:

  • Finanzierung der Schulausbildung für Kinder

  • Ausbildungsprogramme für Jugendliche

  • Betreuung von sozial schwachen Familien mit Kleinkrediten zum Aufbau eines kleinen Handwerkbetriebs oder Geschäfts

„Wir unterstützen die Familien direkt in den Dörfern“, erläutert Valentine Lah „mit dem Ziel, dass die Kinder dort zur Schule gehen können und nicht als billige Arbeitskräfte weggegeben werden. Wichtig ist, genau darauf zu achten, dass durch unsere Hilfe keine Ungleichheiten im sozialen Gefüge des Dorfes entstehen. Wenn wir einem benachteiligten Kind zuviel gäben, so wäre es plötzlich das reichste in seiner Klasse. Wir machen den Familien immer wieder klar, dass sie allein die Verantwortung für die Ausbildung ihrer Kinder tragen und diese nicht auf uns abgewälzt werden kann. Durch einkommens-schaffende Maßnahmen versuchen wir, die wirtschaftliche Situation der Familie zu verbessern.“

 

familie-im-outreach-programm-von-noahs-ark.jpgGemeinsam mit Valentine Lah besuchen wir einige Familien im Umland, die von der Organisation betreut werden. So auch John Ephan und seine Frau Phanbeda, die mit ihren drei Kindern in einer winzigen Hütte am Stadtrand von Bamenda leben. Beide Eltern sowie der jüngste Sohn Herman sind HIV-infiziert und aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums dringend auf antiretrovirale Medikamente angewiesen.

 

Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch hat AIDS in Kamerun ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Jahrelang von der Regierung negiert, liegt die HIV-Infektionsrate nach offiziellen Angaben bei 5%. Internationale Hilfsorganisationen gehen jedoch davon aus, dass die Rate mindestens doppelt bis dreifach so hoch ist. Obwohl nach Angaben der Regierung alle Kameruner Anspruch auf kostenfreie AIDS-Medikamente haben, sieht die Realität anders aus. Jeden Monat muss John für seine Familie 10.000 CAF / 15 Euro für die Medikamente zahlen. Als Nachtwächter liegt sein Monatseinkommen derzeit bei 25.000 CAF / 38 Euro! Dafür muss er sieben Tage die Woche arbeiten, auch an Sonn- und Feiertagen und hat keinen Urlaub. Nach Abzug der Miete für die 9 m2 kleine Hütte von 7.000 CAF und weiteren 2.000 CAF für Wasser und Strom verbleiben der Familie pro Monat lediglich noch 6.000 CAF = 9 Euro! Wie soll und kann eine Familie damit überleben? Dabei haben John und Phanbeda lediglich drei Kinder. Die durchschnittliche Kinderzahl kamerunischer Familien liegt bis heute bei sechs bis acht Kindern, doch auch Familien mit zehn und mehr Kindern sind keine Seltenheit.

 

Die Dimension der Armut Afrikas in Form der Chancen- und Ausweglosigkeit sowohl für die Familien, als auch für die Generation der Kinder, wird an solchen Fällen besonders deutlich. Angesichts dieser Tatsachen wäre es vermessen, von skrupellosen Eltern zu sprechen, die ihre Kinder in der Hoffnung auf Ausbildung und Arbeit in die Städte schicken.

 

In Anbetracht der trostlosen Situation dieser und vieler anderer Familien hätten wir am liebsten spontan finanziell geholfen. Es fällt schwer, sich zu besinnen, dass dies sicherlich nicht der richtige Weg wäre. Und gerade darum sind wir froh, eine Organisation wie Noah’s Ark gefunden zu haben, die mit ihren einfachen und überzeugenden Modellen versucht, individuell zu helfen. So bekommt Phanbeda nun einen Kleinkredit zur Eröffnung eines kleinen Gemüsehandels. Durch die Organisation werden derzeit 158 Familien mit über 500 Kindern betreut. So unterschiedlich die Einzelschicksale der Familien sind, sie alle verbindet der Kampf ums tägliche Überleben.

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Noah’s Ark

Adresse: P.O. Box 5149 Nkwen, Bamenda, N.W. Province, Cameroon

Kontakt: Valentine Lah

Telefon: +237 7491198 (Mobil)

e-Mail: noar119@yahoo.com

CCLLS – Hilfe für über 2.300 Waisenkinder

23. Mai 2007

Kribi, Südkamerun

 

kinder-ohne-zukunft.jpgWir sitzen im Büro der „Communauté locale de lutte contre le SIDA“ (CCLLS) und schauen auf die 2.307 fein säuberlich abgehefteten Dossiers von Kindern. „Rund die Hälfte sind Waisenkinder, die ihre Eltern durch AIDS verloren haben. Der Rest sind Sozialwaisen, die, weil sie behindert, krank oder angeblich verhext sind von ihren Familien ausgesetzt wurden“, erläutert Julienne Nanga, die Direktorin der Kinderorganisation.

 

Mit ihren zehn Mitarbeitern ist sie für alle neun Gemeinden des Departements zuständig. Ihre Aufgabe ist es, in die Dörfer zu gehen, die Waisen- und ausgestoßenen Kinder ausfindig zu machen, die Fälle zu dokumentieren und zu versuchen, den Kindern zu helfen. Um die traditionellen Strukturen der afrikanischen Gesellschaft zu nutzen, sucht die Organisation nach Familien, die bereit sind, ein oder mehrere Kinder aufzunehmen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Adoption im klassischen Sinne, sondern um eine Aufgabe, die viele Familien in Afrika als kulturelle und moralische Verpflichtung empfinden.

 

„Um den Kindern, bis eine Familie gefunden wird, einen sicheren Zufluchtsort zu ermöglichen, brauchen wir dringend ein kleines Kinderhaus“, sagt Julienne Nanga. „Ich möchte Ihnen das Schicksal einer Familie schildern, das mich sehr berührt hat und das sehr deutlich aufzeigt, wie dringend wir solch eine vorübergehende Zufluchtstätte für die Kinder benötigen.

 

Vor etwa einem halben Jahr kam ein Mann mit einem 5 Monate alten Kind zu uns. Das Mädchen war stark unterernährt, hatte ganz dünne Ärmchen, einen aufgeblähten Bauch und die Haare fielen aus – alles Zeichen drastischer Unterernährung. Der Mann weinte und bat uns um Hilfe.

 

Wir fuhren in sein Dorf, das 80 km von Kribi entfernt liegt, wo er uns zu einer kleinen Hütte führte, in der die vier Geschwister des Mädchens lebten. Beide Eltern sind an AIDS gestorben, die Kinder waren ganz allein. Evina, die Älteste, mit ihren 10 Jahren, sorgt für ihre Geschwister so gut sie kann. Täglich geht sie in die umliegenden Dörfer, um zu betteln und versucht auf den Feldern etwas Essbares zu finden.

 

Bei dem Mann, der in unser Büro kam, handelte es sich um den Onkel der Kinder, der jedoch selbst sieben Kinder hat und mit bestem Willen nicht in der Lage ist, sich auch noch um die fünf Kinder seiner verstorbenen Schwester zu kümmern.

 

Als Evina vor sechs Wochen auf dem Feld Maniok erntete, wurde sie vergewaltigt. Sie sprach mit niemandem darüber und verließ für mehrere Tage die Hütte nicht mehr. Als der Onkel daraufhin nach den Kindern schaute, sah er, dass Evina schwer krank war und brachte sie nach Kribi ins Krankenhaus. Dort erst wurde klar, was passiert war.

 

Während des Aufenthaltes von Evina im Krankenhaus, kümmerte sich niemand um die Kinder. Sie hungerten und das jüngste Kind, das ohnehin schon stark unterernährt war, starb. Jetzt verstehen Sie, warum wir dringend ein kleines Waisenhaus benötigen! Dies ist nur ein Fall. Jedes der 2.307 Kinder hat seine eigene Geschichte und jede dieser Geschichten würde Ihnen das Herz brechen!“

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Communauté locale de lutte contre le SIDA

Adresse: P.O. Box 12, Kribi, Cameroon

Kontakt: Julienne Nanga

Telefon: +237 987 8890 / +237 7079376 (Mobil)

e-Mail: nangjul@yahoo.fr

Bau einer Pflegestation für alte Menschen im Regenwald

23. Mai 2007

Mefoup, Südkamerun

 

altenheim-im-dschungel.jpgDie Vielseitigkeit unserer Projektbesuche wird an diesem Beispiel besonders deutlich. Zusammen mit Leopold Ngomezo’o, einem guten Freund von Gereon, besuchen wir dessen Heimatdorf Mefoup in Südkamerun, nahe der Grenze zu Äquatorial Guinea und Gabun, in dem seine Eltern leben. Sein Vater ist 88 Jahre und damit mehr als doppelt so alt, wie die mittlere Lebenserwartung in vielen afrikanischen Ländern! „Papa Jérémy“, wie er liebevoll genannt wird, ist eine charismatische Persönlichkeit. Bis ins hohe Alter setzt er sich unermüdlich für sein Dorf und die Menschen in der Region ein.  

 

Seine Vision ist der Bau eines kleinen Altenheims mit einer angegliederten Krankenstation, weil viele Familien nicht in der Lage sind, alte Menschen adäquat medizinisch zu betreuen. Hierbei handelt es sich nicht um ein Altenheim im europäischen Sinne, sondern um einen Ort, an dem alte Menschen ähnlich wie in einer Wohngemeinschaft zusammen leben, füreinander sorgen und von ihren Familien auch weiterhin unterstützt werden. „In Afrika wäre eine ‚Abschiebung’ der Eltern in ein Altenheim undenkbar und genau deswegen müssen auch die Familien aktiv an der Pflege und Versorgung ihrer Angehörigen im Altenheim beteiligt werden!“, erklärt uns Leos Vater.

 

Wir nehmen an einer Versammlung des eigens hierfür gegründeten Vereins „Association des Personnes Agées“ in Mefoup teil. Der Verein hat 47 engagierte Mitglieder, die alle der „dritten Generation“ angehören. Man betrachtet uns als westliche Berater für Bau, Finanzierung und Unterhalt von Altenheimen. So gut wir können, versuchen wir mit unserem Wissen, ihre Fragen zu beantworten. Dabei sind wir uns bewusst, dass auch wir eines Tages zur dritten Generation gehören und uns wohlmöglich mit ähnlichen Gedanken befassen werden.

 

Der Bau eines Altenheims im Regenwald – ein neues Projekt für Let’s help?

 

Weitere Informationen über das Projekt via Let’s help oder direkt unter:

Association des Personnes Agées

Adresse: Mefoup, Cameroon

Kontakt: Jérémy & Léopold Ngomezo’o

Telefon: +237 9982105

e-Mail: ngomezool@yahoo.fr

Schulbildung im Dschungel – Besuch einer Missionsstation der Pallottinerinnen

23. Mai 2007

Essé, Zentralkamerun

 

kindergarten-im-regenwald.jpg

Nach 65 km Fahrt über rote Sandpisten mitten durch den Dschungel taucht plötzlich aus dem dichten Grün eine riesige Kirche auf. Wir haben die Missionsstation der Pallotinerinnen in Essé, Zentralkamerun, erreicht. Drei polnische Schwestern betreiben hier eine kleine Krankenstation, einen Kindergarten und eine Grundschule. Verena Moos, eine deutsche „Mazlerin“ (Missionarin auf Zeit), die hier am „Ende der Welt“ für ein Jahr im Kindergarten mithilft, erklärt uns, dass die Kinder aus einem Umkreis von bis zu 10 km jeden Tag durch den Busch hierher kommen.

Über 70 Kinder werden von 9.00 – 15.30 Uhr im Kindergarten betreut. Über 200 Kinder besuchen die Grundschule. Schwester Edyta, die Leiterin der Missionsstation, zeigt uns die Schulräume, in denen dringend Reparaturarbeiten erforderlich sind: fehlende Tafeln, zerbrochene Schulbänke und Tische sowie defekte Bodenbeläge und Wände. Doch es fehlt an Geld.

 

Neben dem Finanzbedarf für die Renovierungen suchen die Schwestern vor allem nach Schulpatenschaften zur Aufnahme weiterer Kinder. „Der Schulbesuch für ein Kind kostet 28.000 CFA (45 Euro) pro Jahr.“ Während wir noch über den geringen Betrag staunen, fügt Schwester Edyta hinzu: „Und dies können sich die Familien hier draußen im Busch bei weitem nicht leisten.“

 

Weitere Informationen über die Missionsstation der Pallottinerinnen via Let’s help oder direkt unter:

Mission CatholiqueAdresse: Essé, Cameroon

Kontakt: Sœur Edyta

Telefon: +237 7834766

e-Mail: boz_edyta@yahoo.fr