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Unsere Projektreise durch Afrika und Asien

Monatsarchiv für Juni 2007

Traditionelle Riten und konservatives Denken

27. Juni 2007

Informationen über Äthiopien

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Mit fast 75 Millionen Menschen ist Äthiopien nach Nigeria das zweitbevölkerungsreichste afrikanische Land südlich der Sahara. Mit einem Durchschnittsalter von 17,8 Jahren handelt es sich um eine sehr junge und kinderreiche Bevölkerung. 52 Prozent der Äthiopier sind unter 18 Jahre alt.

 

In Äthiopien leben über vier Millionen Waisenkinder, rund ein Viertel davon sind AIDS-Waisen. Die durchschnittliche HIV/AIDS-Infektionsrate liegt offiziell bei 2,3%, was jedoch nach Einschätzung von internationalen Organisationen als bei weitem zu niedrig eingestuft wird. Laut UN AIDS Report 2006 liegt die Infektionsrate in den Städten mit 10,5% über fünf Mal höher als auf dem Land (1,9%).

 

Die Familienstrukturen in Äthiopien sind nach wie vor stark traditionell geprägt und als äußerst konservativ einzustufen. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Familie liegt bei 5,1. Vor allem in ländlichen Gebieten, in denen über 90% der Bevölkerung leben, sind Familiengrößen mit 10 bis 12 Kindern bis heute üblich.

 

Verheiratet mit 14 Jahren

Die äthiopische Gesellschaft ist patriarchalisch ausgerichtet. Frauen sind in vielen Bereichen des täglichen Lebens extrem benachteiligt. Mädchen werden sehr früh, oft noch im Kindesalter, verheiratet – meist mit wesentlich älteren Männern. Im Durchschnitt liegt das Hochzeitsalter von Mädchen und Frauen landesweit bei 17,2 Jahren. In einigen abgelegenen Gebieten, wie zum Beispiel in der Amahra Region, werden 61% der Mädchen unter 15 Jahren verheiratet. Das durchschnittliche Hochzeitsalter in dieser Region liegt bei 14,5 Jahren!

 

Traditionelle Riten und konservatives Denken sind im Alltag der äthiopischen Bevölkerung fest verwurzelt. Nachdenklich stimmt, dass sich eine Vielzahl von „harmful traditional practices“ (schadende traditionelle Riten) über Jahrhunderte in der Gesellschaft bis heute gehalten haben. Noch immer werden 73% aller Mädchen und Frauen beschnitten (Genitalverstümmelung). Diese Zahl mag zunächst nahezu unglaublich erscheinen, wurde jedoch in Gesprächen mit mehreren Vertretern von Kinderrechtsorganisationen übereinstimmend bestätigt. Erstaunlich ist, dass die Genitalverstümmelung von Angehörigen aller Religionen praktiziert wird, d.h. sowohl von äthiopisch-orthodoxen und muslimischen als auch von christlichen Bevölkerungsschichten.

 

Neben der traumatischen Dimension der Genitalverstümmelung kommt es bei den betroffenen Frauen vor allem während der Schwangerschaft und Geburt zu starken Komplikationen, die oftmals lebensbedrohlich sind.

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Weitere Praktiken, die nach modernem Verständnis als archaisch und qualvoll eingestuft werden müssen und die bis heute angewendet werden, sind das Herausreißen von Milchzähnen und Fingernägeln, um sich vor bösen Geistern zu schützen, großflächige Tätowierungen der Haut als Zeichen von Schönheit sowie die Entfernung des Zäpfchens im Rachenraum bei Kindern, das traditionell mit einem Bambusstock und Pferdehaar auf schmerzvolle Weise herausgerissen wird. Immer wieder kommt es vor, dass hierdurch ausgelöste Blutungen nicht mehr gestillt werden können und infolgedessen Kinder sterben. Die prozentuale Häufigkeit dieser Vorgehensweise ist nach Angaben von Kinderschutzorganisationen ähnlich hoch wie die der Genitalverstümmelungen.

 

Massenvergewaltigungen – keine Einzelfälle

Die starke Benachteiligung von Mädchen und jungen Frauen zieht sich durch alle Teile der Gesellschaft. In Äthiopien arbeiten 52% aller Kinder im Alter zwischen 5 und 17 Jahren. Während Jungen vorwiegend als Schuhputzer, Straßenfeger oder Lastenträger ihr Geld verdienen, arbeiten Mädchen meist als Hausangestellte, wo sie schutzlos der Willkür aller Familienmitglieder ausgesetzt sind. Mädchen, die aufgrund von schwerster körperlicher Arbeit und/oder Missbrauch davonrennen, landen zumeist auf der Straße und leben von der Bettelei. Sie kommen vom Regen in die Traufe, denn auf der Straße, die sie in ihrer Verzweiflung zunächst als „Freiheit“ sehen, lauern zahlreiche Gefahren, denen sie erneut wehr- und schutzlos ausgeliefert sind. Betroffene Mädchen berichten von Massenvergewaltigung durch Straßenkinderbanden oder Verschleppung in die Prostitution durch Zuhälter und Bordellbesitzer. Dies sind keine Einzelfälle! „Die Mehrheit aller Mädchen, die auf der Straße leben, sind wiederholt vergewaltigt worden“, erklärt Lamrot Fikre, die stellvertretende Direktorin des Forum on Street Children – Ethiopia (FSCE).

 

Aus Angst vor Übergriffen suchen sich viele Mädchen einen möglichst kräftigen Freund, der sie vor den lauernden Gefahren der Straße bewahren soll. Ähnlich ist es auch bei den jungen Frauen, die als Prostituierte in den Straßen der Hauptstadt leben. „Üblicherweise werden zwischen Freund und Freundin keine Kondome benutzt, da hier Vertrauen eine große Rolle spielt“, erläutert Zemzem Jemal, die psychosoziale Betreuerin des Safe Homes von FSCE „und so breitet sich AIDS immer weiter aus.“

 

Kondome liegen in Äthiopien ohnehin nicht hoch im Kurs. Nach Aussagen verschiedener Sozialarbeiter in den Rotlichtvierteln der Stadt benutzen nur ca. 30-40% der Kunden Kondome. Selbst wenn die Mädchen auf die Benutzung Wert legen, haben sie keine Chance sich durchzusetzen. Vor allem junge Mädchen, die gerade erst in die Hauptstadt kommen und keine Ahnung von den Spielregeln der Großstadt haben, werden binnen kürzester Zeit mit dem Virus infiziert. Freier fordern die Mädchen auf, mit ihnen zu trinken oder „Khat“ zu kauen (Pflanze mit ähnlicher Wirkung wie Haschisch). Ziel ist die Willens- und Widerstandslosigkeit des Mädchens, um auch perverse Sexualtechniken ungehindert ausüben zu können. Hat eine Frau dieses Stadium erreicht, kommt es nicht selten vor, dass plötzlich „Freunde“ des Kunden auftauchen und sich ebenfalls an dem wehrlosen Opfer vergehen.

Angesichts des schockierenden Ausmaßes der einseitigen und starken Benachteiligung von Mädchen und jungen Frauen innerhalb der äthiopischen Gesellschaft, haben wir das Schwergewicht unserer Projektbesuche auf jene Organisationen gelegt, die überzeugend und wirkungsvoll genau gegen diese Ungerechtigkeit kämpfen.

Tausende Straßenkinder im Schutz des „Forum on Street Children – Ethiopia“

27. Juni 2007

Bericht aus Addis Abeba

Das Forum on Street Children – Ethiopia (FSCE) ist eine der größten Kinderschutzorganisationen, die sich in Äthiopien für benachteiligte Kinder und deren Rechte einsetzt. Die Organisation betreibt zahlreiche Programme und Einrichtungen, mit denen sie gezielt und wirkungsvoll gegen Kinderhandel und Missbrauch von Kindern vorgeht. Derzeit befinden sich über 7.200 Kinder in den Schutz- und Bildungsprogrammen der Organisation. FSCE wurde 1987 gegründet und gehört heute zu den erfolgreichsten und anerkanntesten Kinderrechtsorganisationen Ostafrikas.

 

Trafficking Unit - Zuflucht für verschleppte Kinder

trafficking-unit-von-fsce.jpgZerzauste Haare, zwei große dunkle Augen, ein zartes Rotznäschen, ein kleiner Mund, die Lippen geschlossen. Mit dem Kinn auf den verschränkten Ärmchen abgestützt, sitzt ein junges Mädchen vor uns, das erst vor wenigen Stunden in der Hauptstadt Addis Abeba angekommen ist. Mimi ist 10 Jahre alt.

 

Wir befinden uns in der „Trafficking Unit“ von FSCE, einer winzigen Auffangstation für ausgesetzte, ausgestoßene, verschleppte und vor Zwangsarbeit oder Missbrauch geflohene Kinder mitten im „Central Bus Terminal“ der Hauptstadt, dem Endpunkt sämtlicher Überlandbusse.

 

In einer kleinen Hütte, mit nur einem Schreibtisch, Aktenschrank, zwei Stühlen und einer Bank, versuchen Sozialarbeiter der Organisation all jenen Kindern zu helfen, die tagtäglich auf sich allein gestellt in der Hauptstadt ankommen. „Wie Mimi stammen viele Kinder aus abgelegenen Gebieten und gehören häufig ethnischen Minderheiten an, die kein Wort Amharisch (äthiopische Landessprache) sprechen. Sie können mit niemandem reden, keiner versteht sie“, erklärt Salomon Sima, der Leiter der Trafficking Unit. Ein Mitarbeiter ist bereits unterwegs, um unter den Ticketkontrolleuren der Überlandbusse jemanden zu finden, der möglicherweise die Sprache Mimis spricht und übersetzen kann.

 

Fast alle Kinder wollen zurück zu ihrer Familie…

„Natürlich erreichen wir nur einen Bruchteil der unzähligen Kinder, die pro Tag in Addis ankommen“, so Salomon Sima. Die genauen Zahlen kennt niemand. „Zwischen drei und fünf Kinder treffen täglich hier ein. Allein im Mai waren es über 100 Kinder! Es sind Kinder aller Altersgruppen und aus allen Teilen des Landes. Das jüngste war ein Säugling von wenigen Monaten. Es lag in einer Decke gehüllt in einem Bus aus dem Norden nachdem alle Passagiere ausgestiegen waren. Einige Kinder finden selbst den Weg zur Trafficking Unit. Andere werden von den Busfahrern oder der Polizei bei uns abgegeben“, erläutert Salomon Sima weiter.

 

Neben Mimi befinden sich noch drei weitere junge Mädchen in dem Raum, die im Laufe des Morgens angekommen sind: Amath, 11 Jahre, die aus dem Norden Äthiopiens stammt sowie Abebesh und Gesesh, beide 12 Jahre alt, die bereits seit einigen Monaten in der Hauptstadt als Hausmädchen arbeiteten. Mit Tränen in den Augen schildert Abebesh: „Die Familie war nicht gut zu mir. Obwohl ich von morgens bis abends gearbeitet habe, waren sie nicht zufrieden. Sie haben mich geschlagen und eingesperrt.“ Später erfahren wir von Lamrot Fikre, der stellvertretenden Direktorin der Organisation, dass Abebesh monatelang sexuell missbraucht wurde. Weiter sagt sie: „Fast alle Kinder wollen zurück zu ihrer Familie.“ Doch dies ist nicht immer so einfach. Oft ist es erst nach Tagen möglich, mithilfe von Polizei und Gemeinden die Familie des Kindes ausfindig zu machen. „Nur wenn die Familiensituation geklärt ist und die Eltern bereit sind, das Kind aufzunehmen, bereiten wir die Zusammenführung vor.“ In den Fällen, in denen Kinder innerhalb der familiären Struktur missbraucht wurden, leitet FSCE Verfahren gegen die Eltern ein. „Kinder, die nicht zurück nach Hause können, nicht wollen oder deren Familien nicht auffindbar sind, kommen entweder in unser Safe Home oder in entsprechende Einrichtungen anderer Kinderschutzorganisationen“, so Lamrot Fikre.

 

In Äthiopien gibt es erfreulicherweise eine sehr gute und kooperative Vernetzung verschiedener Kinderorganisationen. „Sie helfen sich gegenseitig und jede NGO hat ihre eigenen Schwerpunkte. Sie arbeiten eng zusammen und es gibt keinen Konkurrenzkampf untereinander“ erklärt Fassil Marrian, Direktor der OAK Foundation in Äthiopien, einer Stiftung, die verschiedene Programme gegen Kindermissbrauch in Äthiopien unterstützt. In diesem Punkt ist Äthiopien sicherlich vielen anderen Ländern voraus, in denen eine solch enge Kooperation verschiedener NGOs undenkbar wäre.

 

Child Protection Unit – ein temporäres Zuhause für verschleppte Kinder

child-protection-unit-von-fsce.jpgBis zur Reintegration mit der Familie verbleiben die Kinder in der sogenannten „Child Protection Unit“ der Organisation, einem temporären Kinderschutzhaus, das in einer Seitenstraße des zentralen Busbahnhofs untergebracht ist und in dem die Kinder von zwei Sozialarbeiterinnen und einer Polizeibeamtin betreut werden. „Immer dann, wenn wir es mit kommerzieller Kinderverschleppung zu tun haben“, erklärt Weynishet Endale, die zuständige Polizistin „sind diese Kinder enorm gefährdet. Daher sind wir sehr dankbar für die enge und gute Zusammenarbeit mit FSCE. Alleine könnten wir diese Arbeit gar nicht leisen!“ Ein gutes Beispiel erfolgreicher Zusammenarbeit zwischen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und staatlichen Behörden. Auf unserer bisherigen Projektreise ein erfreulicher Ausnahmefall.

 

Doch so wertvoll die Existenz des temporären Kinderschutzhauses zweifellos ist, so beschämend einfach und minimalistisch ist die Unterbringung der Kinder. Die Child Protection Unit besteht aus zwei dunklen Räumen mit je sechs Betten und Matratzen sowie einigen Decken. Bettwäsche, Kopfkissen, Schränke, Stühle oder andere Möbel fehlen ebenso wie Beschäftigungs- und Spielsachen oder Lernmaterialien für Kinder.

 

Lamrot Fikre bemerkt unsere Verwunderung und erläutert die Misere. „Uns ist bewusst, dass dies keine kindergerechte Einrichtung ist. Die dunklen und feuchten Räume sind eine Katastrophe. Die Kinder müssen die sanitären Einrichtungen der gegenüberliegenden Polizeistation nutzen, die alles andere als sauber sind.“ Wir können ihr nur beipflichten. Dann führt sie fort: „Es fehlen uns die finanziellen Mittel für ein eigenes Gebäude und so müssen wir einstweilen mit den von der Polizei zur Verfügung gestellten Räumen auskommen. Auch wenn es nicht optimal ist, so sind diese Räume immer noch besser, als wenn die Kinder auf der Straße leben müssten. Denn dort draußen sind sie verloren!“

 

„Frauen wie wir zählen nicht!“

junge-frauen-im-safe-home-von-fsce.jpgSelamawit Negatu ist 16 Jahre alt und lebt seit drei Monaten im Safe Home von FSCE. Die drei Jahre, in denen sie als Prostituierte im Merkato-Viertel von Addis Abeba lebte, sind ihr ins Gesicht geschrieben.

 

Ihre Geschichte ist ähnlich wie die der anderen Mädchen im Safe Home. Ihren Vater hat Selamawit nie kennen gelernt. Er hatte ihre Mutter verlassen als er erfuhr, dass sie schwanger war. Als Selamawit acht Jahre alt war, starb ihre Mutter an AIDS. „Als ich kein Geld mehr hatte, um die Miete zu zahlen, hat mich der Vermieter rausgeschmissen. Seit dem Tag lebte ich auf der Straße. Die ersten Jahre ging es noch, doch als ich älter wurde und die Männer mich verfolgten, wurde es schwierig. Wenn du alleine bist und mehrere Männer dich festhalten, hast du keine Chance. Nachdem ich mehrfach vergewaltigt wurde, zog ich ins Merkato-Viertel und mietete einen kleinen Raum. Ab dem Tag tat ich das, was die anderen auch taten. Wie hätte ich sonst die Miete und mein Essen zahlen können?“ In schockierender Offenheit erzählt Selamawit weiter: „Als ich einmal krank wurde und ins Krankenhaus musste, haben sie mich nicht aufgenommen. Sie sagten, ich sei eine Prostituierte und hätte AIDS! Wie konnten sie das sagen?“

 

Auch die 17-jährige Muna Kebede berichtet: „Niemand ist für dich da. Frauen wie wir zählen nicht! Als ich eines Abends auf Kunden wartete, kamen zwei Männer, pressten mich auf das Bett und vergewaltigten mich. Als ich später zur Polizei ging, um zu berichten, was passiert war, schickten sie mich weg. Sie sagten, ich hätte keine Zeugen und so könnten sie nichts machen.“

 

Drop-In Centers und Safe Homes

Für Mädchen und junge Frauen, die der Prostitution nachgehen müssen, hat FSCE sogenannte Drop-In Centers eingerichtet, in denen sich die Betroffenen tagsüber ausruhen und Kraft schöpfen können. Die Mädchen bekommen eine Mahlzeit, haben die Möglichkeit zu duschen und ihre Kleider zu waschen. Wer regelmäßig erscheint, kann bei Interesse Lesen und Schreiben lernen und eine Berufsausbildung beginnen. Das Hauptziel der Einrichtungen ist es, dass die Mädchen Vertrauen gewinnen und sich mit ihren Problemen und Nöten an die Mitarbeiter von FSCE wenden. Pro Jahr nutzen bis zu 500 Mädchen und junge Frauen den Schutz der Drop-In Centers.

 

Einen sehr erfolgreichen Ausweg aus der Prostitution bietet FSCE mit den sogenannten Safe Homes, in denen je 25 Mädchen pro Jahr, die ernsthaft und entschlossen aus der Prostitution heraus wollen, die Chance auf ein Leben mit neuen Perspektiven bekommen. Im Grunde verfolgen die Safe Homes einen ähnlichen Zweck wie die Drop-In Centers, nur mit dem Unterschied, dass die Mädchen hier übernachten und bis zu anderthalb Jahren wohnen können. In dieser Zeit haben sie die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen und in Abendkursen die Schule nachzuholen.

 

„Auch wenn alle Mädchen Unvorstellbares erlebt haben, so ist ihr Wille doch noch nicht gebrochen“ schildert Zemzem Jemal, die psychosoziale Betreuerin des Safe Homes. „Das wichtigste ist, dass die Mädchen wieder Vertrauen gewinnen – in sich, in uns und in ihre Zukunft. Sie alle sind zu uns gekommen, um nicht länger von der Prostitution leben zu müssen. Es ist ein schwerer Weg, der vor den Mädchen liegt. Unser Programm ist sehr intensiv und verlangt große Disziplin.“

 

Doch der Wunsch nach einem normalen Leben, ohne sich prostituieren zu müssen und ohne missbraucht zu werden, gibt den Mädchen die Kraft, ihr Leben in eine neue Richtung zu lenken. Die jungen Frauen sind sehr ehrgeizig und haben durch das Zusammenleben eine Gruppendynamik entwickelt, die ihnen hilft, über die Vergangenheit hinwegzukommen.

 

Bitte helfen Sie mit!

Let’s help braucht Ihre Unterstützung

 

Beeindruckt von den Einrichtungen und Programmen der Organisation Forum on Street Children – Ethiopia und überzeugt von der Notwendigkeit der Hilfe, versprechen wir, mit Let’s help sowohl das Safe Home als auch die Child Protection Unit zu unterstützen. Und so erfolgt an dieser Stelle zum ersten Mal auf unserer Projektreise die konkrete Bitte um aktive finanzielle Unterstützung.

 

Bitte helfen Sie mit, dass in der Child Protection Unit ausgesetzte, ausgestoßene, verschleppte und vor Zwangsarbeit oder Missbrauch geflohene Kinder in Addis Abeba kindgerecht untergebracht, betreut und versorgt werden können!

 

Bitte unterstützen Sie die jungen Frauen im Safe Home von FSCE, damit sie ihren Weg aus der Prostitution erfolgreich schaffen.

 

Weitere Hinweise zum Projekt finden Sie unter der Rubrik „Projects for help“. Die Bankverbindung ist unter „Möglichkeiten der Hilfe“ aufgeführt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Forum on Street Children – Ethiopia (FSCE)

Adresse: P.O. Box 9562, Addis Ababa, Ethiopia

Kontakt: Lamrot Fikre

Telefon: +251 11 5534432

e-Mail: fsce@ethionet.et 

OPRIFS – Schutz für sexuell missbrauchte Mädchen, die auf der Straße leben

27. Juni 2007

Bericht aus dem „Merkato-Viertel“ in Addis Abeba

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Wir versuchen die jungen Mädchen auf der Straße zu erreichen, bevor sie in der Prostitution enden“, erklärt Zinash Bezabih, die Direktorin von OPRIFS (Organization for Prevention, Rehabilitation and Integration of Female Street Children). „Fast alle der rund hundert Mädchen, die wir pro Jahr betreuen, wurden sexuell missbraucht. Es ist nur ein kleiner Schritt vom Leben auf der Straße in die organisierte Prostitution. Sind die Mädchen einmal in den Händen der Zuhälter und Barbesitzer, haben sie meist keine Chance mehr zu entkommen.“

 

OPRIFS nimmt sexuell missbrauchte Mädchen in ihrem Schutzzentrum für ein Jahr auf und versucht ihnen binnen dieses Zeitraums in einem familiären Umfeld durch psychologische Betreuung sowie mithilfe von Schul- und Ausbildungsprogrammen eine verlässliche Alternative zum Leben auf der Straße zu ermöglichen.

 

Die Geschichten der einzelnen Mädchen zeigen, dass diese meist von Zuhause weggelaufen sind, weil sie im Haushalt helfen mussten, nicht zur Schule gehen konnten oder missbraucht wurden. Andere wurden von ihren Eltern mit guter Intention zu Familien in die Stadt gegeben, um dort als Hausmädchen ein finanzielles Einkommen zu erhalten. Viele von ihnen werden kaum oder gar nicht bezahlt und oftmals missbraucht. Wieder andere glaubten den Geschichten von einem besseren Leben in der Hauptstadt und machten sich selbst auf den Weg nach Addis Abeba. Egal, aus welchen Umständen und Motiven sie die Hauptstadt erreichten, sie alle hatten nicht die geringste Ahnung von dem, was dort auf sie wartete.

 

Von einem Leben auf der Straße zurück nach Hause

Während des einjährigen Aufenthaltes der Mädchen bei OPRIFS werden ihre Familien kontaktiert und soweit möglich aktiv auf die Reintegration der Töchter vorbereitet. Mithilfe des erfolgreichen „Family Empowerment Training“ sowie durch die Vergabe von Kleinkrediten werden die Familien gezielt unterstützt und gefördert. Voraussetzung für die Integration ist die Selbstverpflichtung der Eltern, ihre Töchter regelmäßig in die Schule zu schicken. Auch hier hilft OPRIFS mit der Übernahme der Schulgebühren, Bücher und Schuluniformen, sofern die Eltern nicht in der Lage sind, diese Kosten selbst zu übernehmen.

 

In den leider nicht seltenen Fällen, in denen es innerhalb der Familie oder im unmittelbaren Umfeld zu Missbrauch der Mädchen kam, versucht OPRIFS Kontakt zu engen Verwandten, wie beispielsweise den Großeltern oder anderen den Kindern nahestehenden Verwandten aufzunehmen. Ziel ist es, im Kreis der Familie zuverlässige und gute Menschen zu finden, die bereit sind, das Mädchen bei sich aufzunehmen. „Die Suche nach geeigneten Verwandten, die sich um das Kind kümmern und bereit sind, es im Kreis der eigenen Familie großzuziehen, ist äußerst schwierig. Doch erfreulicherweise ist die Zahl der reintegrierten Mädchen in den letzten Jahren ständig gestiegen. Allein im Jahr 2006 haben wir es geschafft, 248 Mädchen zu ihren Eltern oder nahen Verwandten zurückzubringen!“ erklärt Zinash Bezabih.

 

Der nachhaltige Erfolg der Reintegration der Mädchen wird durch Sozialarbeiter der Organisation in Kooperation mit lokalen Behörden sowie der Polizei regelmäßig und streng überwacht. „Viele Mädchen stehen bis heute mit uns in Kontakt. Wenn sie in Addis oder der Umgebung leben, kommen sie ab und zu vorbei und berichten über ihr neues Leben. Andere schreiben uns oder rufen an, wenn sie Hilfe brauchen“, so die Direktorin.

 

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Im „Merkato“ kann man alles kaufen – auch Kinder

Da das derzeitige Schutzzentrum mit hundert Mädchen pro Jahr aus den Nähten platzt, sucht OPRIFS dringend nach finanzieller Unterstützung zur Eröffnung eines weiteren Zentrums. „Unser Ziel ist es, das neue Schutzzentrum in unmittelbarer Nähe des zentralen Busbahnhofs von Addis Abeba zu eröffnen, also genau dort, wo auch die meisten Mädchen ankommen.“

 

Der Zentrale Busbahnhof von Addis Abeba liegt im „Merkato“, dem größten Openair-Markt in ganz Afrika. Es ist der bedeutendste Handelsplatz des Landes, an dem jeden Tag Hunderttausende Menschen zusammenkommen. Hier wird alles gekauft und gehandelt – auch Kinder! Der „Merkato“ gilt als sozialer Brennpunkt mit Rotlichtvierteln, Bars und billigen Nightclubs. Auf den Straßen lebt eine Vielzahl von Bettlern, verkrüppelten Menschen und Straßenkinderbanden.

 

„Es ist uns wichtig, gerade hier vertreten zu sein“, erklärt Zinash Bezabih. „Im Merkato haben wir die Chance, gefährdete Mädchen rechtzeitig abzufangen und bei uns aufzunehmen, bevor sie in die Prostitution abrutschen!“

 

Gerne möchten wir OPRIFS mit Let’s help unterstützen. Benötigt werden rund 2.360 Euro für die Einrichtung, wie Betten, Matratzen, Möbel, Kochutensilien, Geschirr, etc. sowie rund 21.800 Euro für Miete, Mahlzeiten, Kleidung, psychosoziale Betreuung, medizinische Versorgung und sämtliche Ausbildungsprogramme für 100 Mädchen, die pro Jahr im Schutzzentrum aufgenommen werden.

 

Bitte helfen Sie mit!

Let’s help braucht Ihre Unterstützung

 

Bitte helfen Sie mit, dass sexuell missbrauchte Mädchen Zuflucht im neuen Schutzzentrum von OPRIFS finden und betreut werden können.

Weitere Hinweise zum Projekt finden Sie unter der Rubrik „Projects for help“. Die Bankverbindung ist unter „Möglichkeiten der Hilfe“ aufgeführt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Organization for Prevention, Rehabilitation and Integration of Female Street Children (OPRIFS)

Adresse: P.O. Box 1146, Addis Ababa, Ethiopia

Kontakt: Zinash Bezabih

Telefon: +251 911 451871 (Mobil)

e-Mail: oprifs@ethionet.et

Hilfsprojekt für alleinstehende und alleinerziehende Mütter und ihre Kinder

27. Juni 2007

Ein Projekt des Kindermissionswerk “Die Sternsinger”

 

Ein besseres Leben in der Stadt – das versprechen sich viele Jugendliche in Äthiopien. Die Armut im Land ist groß, die Familien können ihre Kinder oftmals nicht mehr ernähren und leiden Hunger. Jedes zehnte Kind stirbt bereits bei der Geburt.

 

Mädchen ziehen vor allem in die Hauptstadt Addis Abeba, um irgendwie Arbeit zu finden – als Haushaltshilfen, Wäscherinnen oder für jeden Gelegenheitsjob, den sie bekommen können. Sie alle sind jung, die meisten noch ein Kind, ungebildet und auf die Herausforderungen des Lebens in der Stadt als junge Frau nicht vorbereitet.

 

bashu-und-sohn-berekat.jpgSo auch Bashu Tadesse, die als Zehnjährige aus einem abgelegenen Dorf im Westen des Landes nach Addis Abeba kam, um der Armut zu entfliehen. Auch sie träumte von einem besseren Leben und versprach sich Chancen für ihre Zukunft. Doch es kam alles anders, als sie mit 13 Jahren unverhofft schwanger wurde.

 

Leben in der Stadt – wenn ein Traum zum Alptraum wird

Heute lebt die junge Frau mit ihrem vierjährigen Sohn Berekat in einem winzigen Verschlag am Rande von Addis Abeba. Die junge Mutter kämpft ums blanke Überleben. Durch ihre langsam versteifende und schmerzende Hand, kann sie kaum noch arbeiten. Wann immer sie irgendwie kann, zieht sie los, um in wohlhabenden Familien das traditionelle Fladenbrot „Inshara“ zu backen. Früher hat sie auch für die Familien Kleider gewaschen, doch dies ist mit den Schmerzen in ihrer Hand nicht mehr möglich. So bleibt ihr heute nur noch der Verdienst des Brotbackens: 30 Birr, weniger als drei Euro pro Monat! Hiervon geht die Hälfte an die Schule, die Berekat besucht. Unvorstellbar!

 

Täglich zieht sie von Haus zu Haus, um sich Essensreste zu erbetteln. Da die Unterstützung von Armen in der äthiopischen Gesellschaft fest verankert ist, schafft es Bashu an guten Tagen, dass ihr Sohn - und manchmal auch sie selbst - abends nicht mit Hunger ins Bett gehen muss. Zusätzliche Unterstützung erhält sie von einer Familie, die selbst sehr arm ist und der jungen Mutter aus Mitleid den kleinen Verschlag als Wohnung zur Verfügung gestellt hat, indem zuvor Schafe untergebracht waren.

 

Noch betroffen von dem Schicksal Bashus und ihres Sohnes werden wir sogleich mit dem nächsten konfrontiert. Auch Abeba Ashenaf hatte den Traum auf ein besseres Leben in der Stadt. „In meinem Dorf erzählten sie, dass es Arbeit in Addis gäbe.“ Sie stammt aus Azezo, im Norden Äthiopiens und arbeitete in Addis Abeba zunächst einige Jahre als Hausmädchen. „Es war eine gute Familie. Sie gaben mir zu Essen und ein Zimmer, in dem ich schlafen konnte. Am Anfang verdiente ich 10 Birr (0,90 Euro) pro Monat. Da sie mit mir zufrieden waren, bekam ich jedes Jahr etwas mehr und nach zehn Jahren waren es schon 50 Birr.

Doch dann änderte sich mein Leben. Ich verliebte mich in einen Mann und wir heirateten. Ich wurde schwanger und meine Tochter Meheret kam gesund zur Welt. Alles schien in Ordnung. Doch nach sechs Monaten war mein Mann von heute auf morgen verschwunden. Ich habe nie mehr etwas von ihm gehört. Die Familie, in der ich zuvor arbeiten durfte, hatte Mitleid mit mir und nahm mich zunächst auf. Doch wenige Monate später erklärten sie mir, dass ich eine Last sei und gehen müsse.“

 

Heute lebt Abeba, die nicht weiß wie alt sie ist, mit ihrer vierjährigen Tochter Meheret in einer 8 m² kleinen Lehmhütte, ohne Fenster. Sie geht Gelegenheitsjobs nach, wie Wäsche waschen, auf Baustellen Steine schleppen oder Fladenbrot backen und verdient damit insgesamt rund 100 Birr (8,30 Euro) monatlich. Davon gehen 80 Birr für die Miete ab und so bleiben ihr nur 20 Birr (1,75 Euro) zum Leben.

 

Da Abeba niemanden hat, der auf ihr Kind aufpasst, muss sie Meheret überall mit hinnehmen. Die Arbeit zehrt an ihr und sie fühlt sich oft müde. „Wenn Sie mich anschauen, mögen Sie denken, ich wäre gesund. Doch ich habe keine Kraft mehr und fühle mich krank.“

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Eigenständigkeit und neue Perspektiven für alleinstehende Frauen

„Frauen wie Bashu und Abeba sind in einer aussichtslosen Situation und dringend auf Hilfe angewiesen“, erklärt uns Carol Yohannes, die Initiatorin des „Single Mothers Support Project“, das sich um alleinstehende und alleinerziehende Mütter und ihre Kinder kümmert. Die meisten können weder lesen noch schreiben, viele sind HIV-positiv.

 

Frauen sind in der äthiopischen Gesellschaft seit je her stark benachteiligt und haben bei weitem nicht die gleichen Rechte wie Männer. Da Frauen für den Haushalt zuständig sind und nach der Hochzeit ohnehin ihre Familien verlassen, werden nur wenige zur Schule geschickt. Immer noch werden viele bereits als junge Mädchen verheiratet und können später nicht einmal selbst entscheiden, wie viele Kinder sie bekommen.

 

„Mit unserem Projekt versuchen wir, die Mütter zu stärken, ihr Selbstvertrauen aufzubauen und sie durch eine Ausbildung soweit zu bringen, dass sie mit ihren Kindern eigenständig leben können. Als unverheiratete Frau mit Kind, haben Frauen in unserem Land keine Chance. Sie haben keine Rechte, niemand will sie.“

 

Carol Yohannes weiß, wovon sie spricht. Als Koordinatorin für Krisenprojekte von UNICEF, zuständig für akute Notsituationen von Kindern, hat sie die Armut in ihrem Land in den erschreckendsten Formen kennen gelernt. „Am schlimmsten war die Dürre 1984 bis 1985 als in unserem Land knapp eine Million Menschen verhungert sind! Damals flohen Tausende in die Hauptstadt und die meisten sind bis heute hier. Sie leben in den Armutsvierteln und versuchen, sich irgendwie über Wasser zu halten.“

 

Bis noch vor einem Jahr haben 15 Frauen mit ihren Kindern an dem Projekt teilgenommen, das leider zunächst wegen mangelnder finanziellen Unterstützung eingestellt werden musste. „Bis zum Schluss haben wir uns um die medizinische Versorgung, Ernährung, psychosoziale Betreuung und Ausbildung der Frauen und Kinder gekümmert. Doch dann kam der Tag, an dem ich den Müttern erklären musste, dass wir das Projekt aus finanziellen Gründen nicht mehr weiterführen können. Es war schrecklich, ihnen das sagen zu müssen. Am meisten hat mir weh getan, dass sie ihre Ausbildung nicht fortsetzen konnten und heute wieder gezwungen sind, jeden Job – und sei er noch so schwer – annehmen zu müssen.“

 

Dank der psychosozialen Betreuung und Stärkung sowie dem weiterhin engen Kontakt mit den Frauen ist es Carol Yohannes gelungen, dass bis heute keine der 15 Frauen der in der Hauptstadt weit verbreiteten Prostitution nachgeht.

 

Am Beispiel des Projekts von Carol Yohannes wird deutlich, wie entscheidend wichtig, insbesondere für kleine Projekte und Organisationen eine langfristige und verlässliche finanzielle Absicherung ist.

 

„Unser Ziel ist es, innerhalb eines Jahres die Frauen entsprechend zu stärken und gemeinsam mit ihnen eine berufliche Perspektive zu schaffen. Wichtig ist, ihnen von Anfang an klar zu machen, dass unser Programm auf ein Jahr begrenzt ist. Spätestens nach diesem Zeitraum sollen an ihrer Stelle weitere 15 alleinstehende Mütter die Chance bekommen, aufgenommen zu werden. Mittelfristig würden wir unser Projekt gerne noch weiter ausbauen und bis zu 50 Frauen pro Jahr aufnehmen. Wir verfügen über ein eigenes Grundstück mit der entsprechenden Infrastruktur und daher sind wir zuversichtlich, dass wir hoffentlich schon bald wieder unser Projekt fortsetzen können.“

 

Anmerkung: Let’s help besuchte das „Single Mothers Support Project“ von Carol Yohannes im Auftrag des Kindermissionswerk “Die Sternsinger”.

 

Weitere Informationen über das Projekt via Let’s help oder direkt unter: 

Single Mothers Support Project

Adresse: c/o Holy Saviour Church, P.O. Box 633, Addis Ababa, Ethiopia

Kontakt: Carol Yohannes

Telefon: +251 911135623 (Mobil)

e-Mail: holysaviour-church@ethionet.et