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Unsere Projektreise durch Afrika und Asien

Monatsarchiv für März 2008

Das Leben nach dem Unfall

19. März 2008

Help Society Nepal kümmert sich um Verbrennungsopfer

Bericht aus Kathmandu, Nepal

 

home-for-burned-victims-1.jpgAm Abend des 30. März 2006 nahm das Leben der 28-jährigen Radha Shrestha eine bittere Wende. Durch eine defekte Gasleitung in der Küche gab es eine heftige Explosion, bei der Radha und ihre Mutter schwerste Brandverletzungen erlitten.

 

Nachbarn brachten die beiden verletzten Frauen sofort in ein Krankenhaus. Die Schmerzen waren schier unerträglich, das Gesicht von Radha war verkohlt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Es dauerte über zwölf Stunden bis sich endlich ein Arzt um die schwerverletzten Frauen kümmerte. Die Familie bangte um das Leben der Beiden. Das staatliche Krankenhaus, in das Radha und ihre Mutter zunächst gebracht wurden, war nicht auf Brandopfer spezialisiert. Doch ein besseres Krankenhaus konnte sich die Familie nicht leisten.

 

Aufgrund ihrer Arbeitsstelle im Trekkers Holiday Inn, einem kleinen Hotel in Kathmandu, hatte Radha Kontakte zu Freunden in Deutschland und der Schweiz. Dank einer umgehenden e-Mail Unterstützungsaktion konnte innerhalb von zwei Tagen das nötige Geld für die Verlegung in eine Spezialklinik für Brandopfer und die ersten Operationen gesammelt werden. Dennoch kam für Radhas Mutter jede Hilfe zu spät. Sie starb fünf Tage nach dem Unfall, da ihre Nieren die Giftstoffe der Verbrennungen nicht mehr verarbeiten konnten. Radha kämpfte weiter und überlebte.

 

Nach sechs Wochen, in denen sie mehrfach operiert wurde, durfte Radha das Krankenhaus verlassen. Ihr Leben und ihren Alltag musste sie komplett umstellen. In ihr Zuhause, das durch den Unfall schwer zerstört wurde, konnte und wollte sie nicht mehr zurückkehren. Sie musste sich an die Blicke und Kommentare der Menschen gewöhnen, die sich nach ihr umdrehten, wenn sie an ihr vorbei gingen. Kinder bekamen plötzlich Angst und rannten weg, als sie Radha sahen. Die kleinen Dinge des Alltags wurden auf einmal zu einer enormen Belastung. Da auch Radhas Hände bei der Explosion starke Verbrennungen erlitten hatten, konnte sie ihre Finger zunächst kaum bewegen. Doch mit großer Geduld und eisernem Willen versuchte sie Tag für Tag ihre alten Fähigkeiten zurückzuerlangen. Tägliche Physiotherapie half ihr, dass sie nach und nach wieder etwas greifen konnte und schon nach einigen Monaten war sie bereits wieder in der Lage zu schreiben.

 

geeta-and-her-daughter-karuna.jpgHeute nach zwei Jahren steht Radha wieder mit beiden Füßen im Leben. Ihre alte Stelle im Trekkers Holiday Inn durfte sie behalten und ist sehr dankbar dafür. Mittlerweile lebt sie eigenständig in einem kleinen Haus in Kathmandu und kann viele Arbeiten wieder selbständig erledigen. Auch die Blicke der Menschen scheut sie schon lange nicht mehr. „Menschen mit Verbrennungen verstecken sich meist in ihren Häusern und fühlen sich von der Gesellschaft ausgestoßen,“ erklärt Radha.

 

Aufgrund billiger und qualitativ schlecht verarbeiteter Gas- und Kerosinkocher sind die meisten Verbrennungsopfer in Nepal Frauen, da diese traditionell für die Zubereitung der Mahl-zeiten zuständig sind. Viele von ihnen werden von ihren Familien nicht mehr akzeptiert, da Unglücksereignisse und Unfälle in bestimmten Bevölkerungsschichten und Ethnien Nepals bis heute als Folgen eines bösen Fluchs betrachtet werden.

 

Mit dem Ziel, anderen Frauen zu helfen, die nicht wie sie selbst, Unterstützung erfahren durften, gründete Radha die kleine Organisation „Help Society Nepal“, in der Frauen und Kinder mit Verbrennungen aufgenommen und betreut werden. „Da ich selbst erlebt habe, wie allein und ausgestoßen man sich fühlt, möchte ich Menschen mit demselben Schicksal helfen“, erläutert die Gründerin.

 

Regelmäßig geht sie ins Krankenhaus und besucht Verbrennungsopfer. Sie steht ihnen bei, gibt ihnen Kraft und berät die Opfer sowie deren Familien. Dazu hat sie die Leitung eines kleinen Hostels übernommen, das Frauen und Kinder aufnimmt, die infolge ihrer Verbrennungen von ihren Familien ausgestoßen wurden. Einen großen Teil ihrer Freizeit widmet Radha den Frauen und Kindern im Hostel. „Ich möchte ihnen Mut geben und sie soweit bringen, dass sie eines Tages stark genug sind, sich wieder frei in der Öffentlichkeit zu bewegen und nicht mehr länger das Gefühl haben, sich verstecken zu müssen.“

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Help Society Nepal

Kontakt: Radha Shrestha

Telefon: +977-1-6203403

Mobil: +977-9841204390

e-Mail: shrestha3@gmail.com

Karuna Bhawan – Haus des Mitgefühls

19. März 2008

Kathmandu, Nepal

 

karuna-bhawan_feb-2008_05.jpg„Kein Kind soll diskriminiert oder ausgestoßen werden, nur weil es krank ist!“

 

Dies ist der Leitsatz von Karuna Bhawan. Die Sozialorganisation wurde 1998 in Nepal durch Sister Deepa, eine katholische Ordensschwester aus Kerala, gegründet und kümmert sich vorwiegend um HIV/AIDS kranke Frauen und Kinder.

 

Ursprünglich galt die Betreuung vor allem HIV-infizierten Frauen, die aus der Prostitution in Indien in ihr Heimatland zurückgekommen sind. „Kaum jemand wollte sich diesen Frauen annehmen“, schildert Sister Deepa.

 

In den letzten Jahren ist vor allem auch die Zahl junger Frauen gestiegen, die in Kathmandu selbst durch Prostitution ihren Lebensunterhalt verdienen. Die meisten von ihnen sind infolge des Bürgerkrieges in die Hauptstadt geflohen. Viele wurden zwangsrekrutiert und missbraucht. Sie hofften in Kathmandu Schutz und Arbeit zu finden. „Während sich viele Organisationen allein auf die Befreiung und Rückführung nepalesischer Frauen aus indischen Bordellen konzentrieren, wird die Not und Ausweglosigkeit junger Frauen, die in Nepal selbst der Prostitution nachgehen, vielfach verkannt,“ erklärt Sister Deepa.

 

So hat Karuna Bhawan für HIV-infizierte und an AIDS erkrankte Frauen und deren Kinder ein Umfeld geschaffen, in dem die Betroffenen in Würde leben können und akzeptiert werden. Neben einem Kinderhaus mit 22 benachteiligten Mädchen betreibt Karuna Bhawan ein Hospiz für 37 Frauen und Kinder in Godavari, am südlichen Rand des Kathmandutals. Sämtliche Kinder besuchen die Schule und wachsen in einem behüteten Umfeld auf.

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Karuna Bhawan

Adresse: G.P.O. Box 8975, EPC 1975, Lalitpur, Nepal

Kontakt: Sister Deepa

Telefon: +977 1 5591598

e-Mail: sabs@info.com.np

Als Kind am Bahnhof ausgesetzt und heute auf dem Weg zu einer Software Entwicklerin

19. März 2008

Kolkata, Indien

 

uddami-3.jpgDie 23-jährige Guria Gowala sitzt vor dem Computer und löst eine knifflige Aufgabe. Bei dieser geht es nicht etwa darum, die Grundkenntnisse eines Computers zu erlernen. Die zierliche junge Frau macht gerade eine Ausbildung zur Software Entwicklerin.

 

Als Guria sechs Jahre alt war, hat sie ihre Eltern verloren. Sie wurde zu der Familie ihres Onkels gebracht, bei der sie nur kurze Zeit ein Zuhause fand. Nur ein Jahr später schickte der Onkel das siebenjährige Mädchen nach Kolkata, wo es als Haushaltshilfe bei einer Familie arbeiten musste. Guria zog sich zurück und weigerte sich zu arbeiten. Die neue Familie machte kurzen Prozess und setzte die kleine Guria in Howrah Station, dem größten Bahnhof von Kolkata, aus.

 

„Ich kann mich noch gut erinnern, wie allein ich mich in der Menschenmenge am Bahnhof fühlte“, beschreibt Guria. „Ich weinte und keiner schien mich zu beachten. Auf einmal kam ein Mädchen auf mich zu, das mir zuhörte und mich tröstete. Sie selbst lebte auf der Straße und nahm mich mit zu einer Übernachtungsstätte für obdachlose Mädchen, wo sie ihre Nächte verbrachte.“

 

Nach drei Wochen in dieser Notunterkunft wurde sie in ein staatliches Kinderheim gebracht. Dort fand Guria endlich ein Zuhause, in dem sie bleiben und aufwachsen konnte. Sie bekam die Chance, zur Schule zu gehen und nutzte diese.

 

Die beiden Amerikaner Alison und Bryan Saracena, die mit dem Kinderheim, in dem Guria aufgewachsen ist, zusammenarbeiteten, wurden auf das Mädchen aufmerksam. Beide leben seit Jahren in Kolkata und haben das Projekt Uddami ins Leben gerufen.

 

Uddami wurde im Jahr 1999 als Computertrainingszentrum für Straßenkinder gegründet und richtet sich an junge Menschen, die aus armen Verhältnissen stammen. Das Ziel der Organisation ist, den Jugendlichen durch eine qualifizierte Berufsausbildung die realistische Chance auf eine gute Stelle auf dem indischen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. „Nach Bangelore kommen nun auch immer mehr IT-Firmen nach West Bengalen und lassen sich vor allem im Umfeld von Kolkata nieder. Qualifizierte Computerfachleute werden händeringend gesucht“, erläutert Bryan Saracena, der selbst diplomierter Programmierer und Software Entwickler ist.

 

In dem 10-monatigen Basistraining, das Uddami anbietet, werden die gängigsten Computerprogramme wie Microsoft Office und einige Grafik- und Datenbankprogramme unterrichtet sowie Grundkenntnisse der html Programmierung und Websitegestaltung vermittelt. „Es ist immer wieder erstaunlich, in welch kurzer Zeit gerade auch Kinder, die oftmals nur wenige Jahre eine Schule besucht haben, in der Lage sind, geschickt mit dem Computer umzugehen“, erklärt der Gründer der Organisation.

 

Die Idee von Uddami ist sehr erfolgreich. Bereits 125 Jugendliche haben das Computertraining mit Zertifikat bestanden. Knapp 75 Prozent aller Absolventen fanden unmittelbar nach ihrem Abschluss einen Arbeitsplatz. Einige von ihnen haben sich in speziellen Kursen weitergebildet und mittlerweile durchaus gute Positionen erreicht. „Im Laufe der letzten Jahre haben wir erkannt, wie wichtig es ist, dass die Jugendlichen nicht nur den Computer beherrschen, sondern auch über eine solide Schulausbildung verfügen. Gute Englischkenntnisse sind eine weitere wichtige Voraussetzung, um nach Abschluss des Computertrainings eine wirklich qualifizierte Arbeitsstelle zu finden“, so Bryan Saracena.

 

Daher arbeitet Uddami mit anderen Sozialorganisationen und Kinderheimen in Kolkata zusammen, in denen die Kinder auch die Möglichkeit auf eine Schulausbildung haben. So konnte auch Guria am Computertraining bei Uddami teilnehmen und wurde nach ihrem erfolgreichen Abschluss als Computerlehrerin in einer privaten Schule angestellt. Nebenher macht Guria eine Weiterbildung als Software Entwicklerin in einem anerkannten Computerinstitut. Wann immer sie Fragen hat, kommt sie in ihrer Freizeit zu Uddami zurück. Alison und Bryan Saracena freuen sich jedes Mal, wenn Guria kommt. „Es ist schön, dass wir auch über das Training hinaus mit den meisten Absolventen bis heute in Kontakt sind. Auf diese Weise können wir miterleben, was aus den Kindern wird. Einige von ihnen sind heute flinker am Computer als ich“, lacht Alison Saracena.

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Uddami Software Services

Adresse: 158/4, Prince Anwar Shah Road - Kolkata 700 045 West Bengal, India

Kontakt: Alison Saracena

Telefon: +91 33 24221941

e-Mail: alison@uddamisoftwareservices.com 

Web: www.uddamisoftwareservices.com