Wenn AIDS die Kleinsten trifft
Die AIDS Arbeit steht im Mittelpunkt von HOPE Cape Town
Kapstadt, Südafrika
Im 7. Stock des „Tygerberg Hospital“, einem staatlichen Krankenhaus am Rande von Kapstadt, liegt die Ithemba Station, eine Station für AIDS und TB kranke Kinder, die durch das Projekt „HOPE Cape Town“ betreut werden. Ithemba bedeutet auf Xhosa, eine der weitverbreitetsten Stammessprachen Südafrikas, Hoffnung. Die Wände der Kinderstation sind mit bunten und freundlichen Motiven bemalt, Kinderzeichnungen schmücken die Räume, Spielsachen und Kuscheltiere sorgen dafür, dass sich die Kinder wohl fühlen. Auf der Ithemba Station liegen Freude und Leid, Leben und Tod hautnah beieinander.
Im Gang sind quietschende Kinderstimmen zu vernehmen. Ein kleines Mädchen rollt im Schlafanzug vergnügt auf einem Dreirad an Schwester Pauline vorbei. „Das Dreirad haben wir von Angela Merkel bekommen“, betont die Krankenschwester mit Stolz. Die Deutsche Bundeskanzlerin war im Oktober 2007 auf ihrer Südafrikareise in Kapstadt und hat das Projekt HOPE Cape Town besucht.
Schwester Pauline geht in jedes Krankenzimmer, an jedes Bettchen. 24 Kinder mit 24 traurigen Schicksalen. „Die Mütter bringen ihre Kinder leider oftmals viel zu spät zu uns“, erklärt Schwester Pauline und fügt hinzu: „Die meisten sind in einem kritischen Zustand und müssen zum Teil mehrere Monate auf der Station bleiben.“ Den Müttern, die Tag und Nacht am Bett ihres kranken Kindes verbringen, werden Matratzen, Kaffee, Tee und Sandwichs kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Krankenschwestern der Ithemba Station nutzen die Zeit, in der die Kinder stationär versorgt werden, um die Mütter über die Krankheit ihrer Kinder, die notwendigen Medikamente sowie über die Pflege der Kinder aufzuklären. Meist sind die Mütter selbst HIV-positiv, und daher ist eine intensive Beratung und Aufklärung über die Krankheit unerlässlich.
„Der schwerste Moment für uns alle ist immer dann, wenn ein Kind stirbt“, erläutert Schwester Pauline. „Es ist schrecklich mitzuerleben, wenn wir eine Mutter ohne ihr Kind nach Hause schicken müssen. Können Sie sich vorstellen, wie schmerzvoll dies für eine Mutter sein muss?“
HOPE Cape Town
Die Ithemba Station wurde im Jahr 2001 als erstes Projekt von HOPE Cape Town ins Leben gerufen. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2007 wurden insgesamt 578 Kinder auf der Kinderstation betreut. Zusätzlich zur Ithemba Station betreibt HOPE Cape Town in 17 Township Kliniken in und um Kapstadt jeweils eine Abteilung für HIV/AIDS und Tuberkulose Patienten. „Neben der Verabreichung der überlebensnotwendigen Medikamente gegen Tuberkulose und AIDS, kommen auch Menschen zu uns in die Kliniken, die sich testen lassen möchten, deren Kinder erkrankt sind, die eine HIV/AIDS Beratung wünschen oder die von unserem Angebot freier Kondome für Männer und Frauen Gebrauch machen wollen“, erklärt Mariam Roelosfe, eine Community Health Workerin von HOPE Cape Town.
Mariam ist eine der 22 aktiven Community Health Worker, die die tragende Säule des Projekts bilden. Sie betreuen und beraten die Patienten in den Township Kliniken, machen Hausbesuche, verteilen Nahrungspakete an die Kranken und sind Ansprechpartner für die Kinder, Jugendlichen und Eltern der von HIV/AIDS betroffenen Familien. Sämtliche Community Health Worker werden mithilfe von HOPE Cape Town in einem sechsmonatigen Studium der Fernuniversität UNISA ausgebildet und mit gezielten Weiterbildungsprogrammen regelmäßig gefördert.
Die Arbeit in den Townships erfordert enorme Nervenstärke, Fingerspitzengefühl und Geduld. So arbeitet beispielsweise Community Health Worker Nathan Charles in einer Township Klinik in Valhalla Park, einer Siedlung von Farbigen am Rande von Kapstadt, die vollständig von der Drogenmafia und Straßenbanden kontrolliert wird.
„Pro Jahr werden rund 300.000 Menschen in den Townships durch die Einrichtungen und Programme von HOPE Cape Town erreicht“, erklärt Pfarrer Stefan Hippler, der Gründer und Leiter der Organisation. „Wir stampfen keine neuen Strukturen aus dem Boden, sondern nutzen die bereits vorhandenen und versuchen, diese zu optimieren und zu vernetzen“, erläutert Hippler einen der wichtigsten Grundsätze des Projekts. Mit diesem Modell können Verwaltungskosten auf ein Minimum beschränkt bleiben und Synergien systematisch genutzt werden.
Bereits im Jahr 2001 war HOPE Cape Town eine der ersten Institutionen in Südafrika, die noch vor dem Staat antiretrovirale Medikamente kostenfrei verteilte. Mit immer neuen Ideen versucht HOPE Cape Town der AIDS-Problematik von verschiedenen Seiten wirksam zu begegnen. So war HOPE Cape Town die erste Organisation, die bereits 2003 in einem Pilotprojekt versuchte, auch die traditionellen Heiler (Sangomas) aktiv in den Kampf gegen HIV/AIDS einzubinden. Denn rund 80% der schwarzen Südafrikaner suchen zunächst den traditionellen Heiler auf und gehen, erst wenn dieser nicht mehr helfen kann, zu Schulmedizinern.
Mit HOPE Cape Town will Pfarrer Hippler die Menschen unterstützen, die ohne deren Hilfe nicht überleben würden. In Anbetracht der Tatsache, dass sich in Südafrika nach groben Schätzungen 2.000 Personen pro Tag mit HIV infizieren und ebenfalls pro Tag rund 1.000 Menschen an AIDS sterben, ist der mutige Seelsorger fest entschlossen, sich für die von HIV/AIDS Betroffenen einzusetzen und verfolgt dabei rigoros seinen Weg – auch wenn dieser in einigen Punkten an der Grundhaltung seiner Kirche vorbeiführt.
Pfarrer Stefan Hippler
Stefan Hippler. Sein Lebenslauf ist für einen Pfarrer sicherlich außergewöhnlich. Im Juli 1986 in Trier zum Priester geweiht, nimmt Hippler als aktiver Anhänger der Friedensbewegung kurze Zeit später an einer Sitzblockade des amerikanischen Atomwaffendepots in Hasselbach teil und wird verhaftet.
In seiner Zeit als Jungpriester spürt er, dass er mehr Lebenserfahrung braucht, bevor er wirklich Seelsorger werden kann. Er nimmt eine fünfjährige Auszeit, arbeitet bei McDonald’s, auf einer Finca in Spanien, als Pflegehelfer auf einer Station für Krebspatienten im finalen Stadium, als Mitarbeiter Pax Christis in Flüchtlingslagern Kroatiens sowie im Sozialdienst am Frankfurter Flughafen für gestrandete Flüchtlinge und Asylbewerber.
Seit 1997 leitet er als Auslandspfarrer die deutschsprachige Gemeinde in Kapstadt und gründete 2001 HOPE Cape Town. Seine Erfahrungen im Kampf gegen die AIDS Epidemie und die hiermit verbundenen Herausforderungen als katholischer Priester beschreibt er in seinem jüngst erschienenen Buch „Gott - AIDS - Afrika“, das er zusammen mit dem bekannten Afrika-Journalisten und Buchautor Bartholomäus Grill herausgegeben hat.
Ziel seines Buches ist es nicht, die Katholische Kirche anzuklagen, sondern dazu beizutragen, dass sie eine humanere und seiner Überzeugung nach christlicherere Einstellung angesichts der AIDS Epidemie und des Massensterbens in Afrika entwickelt. Wortwörtlich schreibt er in seinem Buch: „Für jene Menschen, die sie strikt befolgen, kommt die katholische Sexualmoral einem Todesurteil gleich. Das gilt in Afrika vor allem für Ehefrauen, deren Männer untreu sind.“
An anderer Stelle heißt es: „Die Zeiten, in denen man Menschen verdammt, nur weil sie selbständig denken, sollten in unserer Kirche endgültig vorbei sein.“ Wusste der AIDS-Aktivist bereits damals, was auf ihn zukommen würde? Am 19. November 2007 erhielt Pfarrer Stefan Hippler von der Deutschen Bischofskonferenz ein unbefristetes Redeverbot. Sämtliche Lesereisen und TV Auftritte mussten daraufhin abgesagt werden.
Und dennoch ist Pfarrer Hippler überzeugt: „Unsere Kirche hat 1,2 Milliarden Mitglieder. Sie ist die stärkste Religionsgemeinschaft der Welt. Sie kann als größte globale Institution wie keine andere gegen die HIV/AIDS-Pandemie kämpfen. Sie könnte es, wenn sie nur wollte.“
Buchtipp: Gott – AIDS – Afrika / Bartholomäus Grill & Stefan Hippler / Verlag Kiepenheuer & Witsch / ISBN 978-3-462-03925-2
Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:
HOPE Cape Town
Adresse: P.O. Box 19145, Tygerberg 7505, Cape Town, South Africa
Kontakt: Fr. Stefan Hippler
Telefon: +27 21 423 21 88
e-Mail: admin@hopecapetown.com
Website: www.hopecapetown.com
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