Das Leben nach dem Unfall
Help Society Nepal kümmert sich um Verbrennungsopfer
Bericht aus Kathmandu, Nepal
Am Abend des 30. März 2006 nahm das Leben der 28-jährigen Radha Shrestha eine bittere Wende. Durch eine defekte Gasleitung in der Küche gab es eine heftige Explosion, bei der Radha und ihre Mutter schwerste Brandverletzungen erlitten.
Nachbarn brachten die beiden verletzten Frauen sofort in ein Krankenhaus. Die Schmerzen waren schier unerträglich, das Gesicht von Radha war verkohlt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Es dauerte über zwölf Stunden bis sich endlich ein Arzt um die schwerverletzten Frauen kümmerte. Die Familie bangte um das Leben der Beiden. Das staatliche Krankenhaus, in das Radha und ihre Mutter zunächst gebracht wurden, war nicht auf Brandopfer spezialisiert. Doch ein besseres Krankenhaus konnte sich die Familie nicht leisten.
Aufgrund ihrer Arbeitsstelle im Trekkers Holiday Inn, einem kleinen Hotel in Kathmandu, hatte Radha Kontakte zu Freunden in Deutschland und der Schweiz. Dank einer umgehenden e-Mail Unterstützungsaktion konnte innerhalb von zwei Tagen das nötige Geld für die Verlegung in eine Spezialklinik für Brandopfer und die ersten Operationen gesammelt werden. Dennoch kam für Radhas Mutter jede Hilfe zu spät. Sie starb fünf Tage nach dem Unfall, da ihre Nieren die Giftstoffe der Verbrennungen nicht mehr verarbeiten konnten. Radha kämpfte weiter und überlebte.
Nach sechs Wochen, in denen sie mehrfach operiert wurde, durfte Radha das Krankenhaus verlassen. Ihr Leben und ihren Alltag musste sie komplett umstellen. In ihr Zuhause, das durch den Unfall schwer zerstört wurde, konnte und wollte sie nicht mehr zurückkehren. Sie musste sich an die Blicke und Kommentare der Menschen gewöhnen, die sich nach ihr umdrehten, wenn sie an ihr vorbei gingen. Kinder bekamen plötzlich Angst und rannten weg, als sie Radha sahen. Die kleinen Dinge des Alltags wurden auf einmal zu einer enormen Belastung. Da auch Radhas Hände bei der Explosion starke Verbrennungen erlitten hatten, konnte sie ihre Finger zunächst kaum bewegen. Doch mit großer Geduld und eisernem Willen versuchte sie Tag für Tag ihre alten Fähigkeiten zurückzuerlangen. Tägliche Physiotherapie half ihr, dass sie nach und nach wieder etwas greifen konnte und schon nach einigen Monaten war sie bereits wieder in der Lage zu schreiben.
Heute nach zwei Jahren steht Radha wieder mit beiden Füßen im Leben. Ihre alte Stelle im Trekkers Holiday Inn durfte sie behalten und ist sehr dankbar dafür. Mittlerweile lebt sie eigenständig in einem kleinen Haus in Kathmandu und kann viele Arbeiten wieder selbständig erledigen. Auch die Blicke der Menschen scheut sie schon lange nicht mehr. „Menschen mit Verbrennungen verstecken sich meist in ihren Häusern und fühlen sich von der Gesellschaft ausgestoßen,“ erklärt Radha.
Aufgrund billiger und qualitativ schlecht verarbeiteter Gas- und Kerosinkocher sind die meisten Verbrennungsopfer in Nepal Frauen, da diese traditionell für die Zubereitung der Mahl-zeiten zuständig sind. Viele von ihnen werden von ihren Familien nicht mehr akzeptiert, da Unglücksereignisse und Unfälle in bestimmten Bevölkerungsschichten und Ethnien Nepals bis heute als Folgen eines bösen Fluchs betrachtet werden.
Mit dem Ziel, anderen Frauen zu helfen, die nicht wie sie selbst, Unterstützung erfahren durften, gründete Radha die kleine Organisation „Help Society Nepal“, in der Frauen und Kinder mit Verbrennungen aufgenommen und betreut werden. „Da ich selbst erlebt habe, wie allein und ausgestoßen man sich fühlt, möchte ich Menschen mit demselben Schicksal helfen“, erläutert die Gründerin.
Regelmäßig geht sie ins Krankenhaus und besucht Verbrennungsopfer. Sie steht ihnen bei, gibt ihnen Kraft und berät die Opfer sowie deren Familien. Dazu hat sie die Leitung eines kleinen Hostels übernommen, das Frauen und Kinder aufnimmt, die infolge ihrer Verbrennungen von ihren Familien ausgestoßen wurden. Einen großen Teil ihrer Freizeit widmet Radha den Frauen und Kindern im Hostel. „Ich möchte ihnen Mut geben und sie soweit bringen, dass sie eines Tages stark genug sind, sich wieder frei in der Öffentlichkeit zu bewegen und nicht mehr länger das Gefühl haben, sich verstecken zu müssen.“
Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:
Help Society Nepal
Kontakt: Radha Shrestha
Telefon: +977-1-6203403
Mobil: +977-9841204390
e-Mail: shrestha3@gmail.com
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