Als Kindersoldat hat er sie selbst verlegt – heute befreit Aki Ra sein Land von den unzähligen Minen
Aki Ra – ein außergewöhnlicher Mensch, eine außergewöhnliche Geschichte.
Seinen kranken Vater ermordeten die Soldaten des Diktators Pol Pot. Weil er für einen Kranken seine Suppe zu schnell löffelte, hielten sie ihn für einen Simulanten. Die Mutter, die im Dorf die Exkremente einsammeln musste, wurde verschleppt und kam nie zurück. Sein bester Freund, ausgezehrt vom Hunger, schlich sich in den Schweinestall und aß das Tierfutter. Zur Strafe haben sie ihn erschlagen.
Mit fünf Jahren wurde Aki Ra von den Roten Khmer in ein Dschungelcamp verschleppt, das für viele Jahre seine Heimat wurde. Aki Ra lernte Bomben zu bauen und Minen zu legen – zu schießen, hassen, töten und zu überleben. Die Wahl war simpel: mitmachen oder sterben. „Die Minen waren meine Freunde, denn sie beschützten uns vor den Angriffen der feindlichen Truppen“, beschreibt Aki Ra. In seiner Kindheit hat er tausende Minen verlegt.
Die Einheit, in der Aki Ra Dienst tat, wurde 1983 von vietnamesischen Truppen aufgerieben, er selbst wurde gefangen genommen. Wenig später kämpfte er auf Seiten der Vietnamesen gegen seine früheren Gefährten. Erst mit dem Friedensvertrag von 1991 änderte sich sein Leben. Rekrutiert von den Schutztruppen der UN begann Aki Ra die Landminen zu entschärfen, die in den jahrzehntelangen Kämpfen in seinem Land gelegt wurden. Seit dem Abzug der UN-Truppen macht Aki Ra alleine weiter. Mit bloßen Händen legt er die Minen frei. Er weiß genau, wie man sie entschärft. Bis heute hat Aki Ra schätzungsweise 50.000 Minen entschärft.
So wie ihn der Krieg zum Mörder machte, so macht ihn der Frieden zum Helfer. Täter und Opfer haben in Kambodscha oft ein und dasselbe Gesicht. Jede Mine, die Aki Ra ausgräbt, trägt ein Stück zur Versöhnung mit seiner eigenen Vergangenheit als Kindersoldat bei.
Die Minen zu räumen kostet nicht nur Nerven, sondern auch Geld. Wie viel, wird klar, wenn man die kambodschanischen mit den 1.100 Minen an der innerdeutschen Grenze vergleicht. Diese zu entschärfen kostete die Bundesregierung 125 Millionen Euro. Die Räumung dauerte fünf Jahre – trotz moderner Suchgeräte und Lageskizzen, die Aki Ra nicht zur Verfügung stehen.
In seinem 1999 eröffneten Landminenmuseum in der Nähe von Angkor Wat stellt er all die Minen und Kriegsutensilien aus, die er über die Jahre gesammelt hat. Das Museum ist Mahnmal, Warnung und Wiedergutmachung zugleich - für die unzähligen Minenopfer in seinem Land und für Millionen von Minen, die es noch zu entschärfen gilt.
Für durch Landminen verletzte und verstümmelte Kinder hat Aki Ra auf dem Gelände seines Museums ein Haus gebaut, in dem verwaiste oder von der Familie ausgestoßene Kinder ein neues Zuhause finden.
Aki Ra ist heute verheiratet, hat zwei Kinder und lebt zurückgezogen in der Nähe des Museums. Entschlossen folgt er seinem Ziel, sein Land und sein Volk von den Landminen zu befreien.
Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:
Cambodia Landmine Museum Relief Fund
Adresse: Siem Riep, Cambodia
e-Mail: info@cambodialandminemuseum.org
Website: www.cambodialandminemuseum.org
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