Wenn Armut und AIDS zusammentreffen
Im Müll aufgewachsen – Kinder vom Smoky Mountain
Bericht aus Phnom Penh
Ein Müllberg bis zum Horizont. Beißender Gestank vermischt sich mit dem schwarzen Qualm brennender Abfälle. Die Mittagssonne steht senkrecht über der zentralen Mülldeponie von Phnom Penh, die von den Menschen „Smoky Mountain“ getauft wurde. Schon von weit her kann man den rauchenden Berg erkennen. Hunderte Familien arbeiten Tag und Nacht auf der Mülldeponie. Die meisten von ihnen leben in den Slums rund um Smoky Mountain. Es gibt kein Wasser, keinen Strom und keine Toiletten. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Kleinkinder krabbeln durch den Müll – sie kennen es nicht anders. Hier werden sie groß.
Langsam und behutsam schreitet Roeung Sarom durch den Unrat. Mit jedem Schritt vertreibt er Unmengen von Fliegen, die in kleinen schwarzen Wolken davonschwirren. In seiner Hand hält der Zehnjährige einen Eisenhaken, mit dem er die frisch angelieferten Müllbeutel aufreißt und durchwühlt. Alles wird untersucht und aussortiert - Plastik, Eisen, Aluminium, Glas, Kleidung und Essensreste bis hin zu Mangokernen, die gesammelt werden, um sie als Saatgut weiterzuverkaufen. Roeung ist eines der vielen Kinder, die tagtäglich auf dem Smoky Mountain arbeiten. Unter ihnen herrscht ein regelrechter Konkurrenzkampf und jeder hofft, dass er die besten Abfälle ergattern kann. „Letzte Woche hat jemand ein Goldkettchen gefunden und konnte dieses für viel Geld verkaufen,“ berichtet der kleine Roeung.
Roeung wohnt mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern in einer kleinen, mit Palmblättern gedeckten Holzhütte am Rande von Smoky Mountain. Seinen Vater hat er nie kennen gelernt. Dieser verstarb an AIDS als Roeung zwei Monate alt war. Auch seine Mutter Arth und er selbst sind HIV-positiv.
Regelmäßig wird die Familie von Amon Chorn, einer Sozialarbeiterin des Don Bosco Children Funds, besucht. Aufmerksam wurde sie auf die Familie, als Arth schwer krank war und für Wochen ihre Kinder nicht mehr ernähren konnte. „Arth war in einem schlimmen Zustand und brauchte dringend medizinische Hilfe“, erläutert die Sozialarbeiterin. Der Don Bosco Children Fund unterstützt seitdem die Familie und ermöglicht den drei Kindern die Schulausbildung. Einmal im Monat wird die Familie zusätzlich mit einem Verpflegungspaket mit wichtigen Grundnahrungsmitteln sowie mit Seife, Zahnpasta und Waschmittel versorgt, da das wenige Geld, das der Familie zur Verfügung steht, gerade einmal für Reis und ein wenig Gemüse reicht.
Seit zwei Jahren erhält die Mutter antiretrovirale Medikamente in einem staatlichen Krankenhaus. Auch wenn sich Arths Gesundheitszustand seitdem deutlich verbessert hat, ist sie heute immer noch zu schwach, um den ganzen Tag auf der Mülldeponie zu arbeiten. Die 43-jährige Mutter ist sehr dankbar, dass ihr jüngster Sohn Roeung bisher noch nicht auf die AIDS-Medikamente angewiesen ist. Die Mitarbeiter des Don Bosco Children Funds sorgen dafür, dass Roeung regelmäßig medizinisch untersucht wird. „Es ist wichtig, dass wir Roeungs Blut alle sechs Monate überprüfen“, erklärt die Sozialarbeiterin. „Sollten sich seine Werte verschlechtern, werden wir dafür sorgen, dass auch Roeung die AIDS-Medikamente bekommt.“
Die Herausforderungen der Sozialarbeiter im Don Bosco Children Fund sind vielseitig. Tagtäglich besuchen sie die Familien der von ihnen betreuten Kinder. In Gesprächen mit den Eltern versuchen sie, diese zu ermutigen, ihre Kinder auch weiterhin zur Schule zu schicken. „Die finanzielle Not der Familien führt immer wieder dazu, dass Kinder nach wenigen Jahren die Schule abbrechen und arbeiten gehen, um die wirtschaftliche Existenz ihrer Familien zu gewährleisten“, erläutert Amon Chorn. „Um dies zu verhindern, unterstützen wir die Familien bei sämtlichen Kosten, die mit der Schulausbildung ihrer Kinder verbunden sind.“ Mithilfe des Don Bosco Children Funds wird über 5.000 Kindern in Kambodscha eine Schulausbildung ermöglicht.
Neben der schulischen Unterstützung stehen die Sozialarbeiter des Don Bosco Projekts den Familien als Ratgeber in allen Lebenslagen zur Verfügung. „Die Menschen teilen ihre Probleme und Nöte mit uns. Oftmals sind wir die einzigen Vertrauten, die sie haben. Themen wie AIDS, Empfängnisverhütung, Hygiene und soziale Probleme innerhalb der Familie werden gemeinsam besprochen“, erklärt Amon Chorn.
Um der steigenden Not durch HIV/AIDS in Kambodscha zu begegnen, wurde im April 2001 ein spezielles Betreuungsprogramm für HIV-infizierte und von AIDS betroffene Kinder ins Leben gerufen. Trotz eines leichten Rückgangs der Neuinfektionen liegt Kambodscha mit einer HIV-Infektionsrate von 1,6 Prozent immer noch an der Spitze der asiatischen Länder und so werden mittlerweile in diesem Programm allein in der Region Phnom Penh bereits 352 betroffene Kinder betreut.
Eines dieser Kinder ist Roeung. Obwohl er neben der Mülldeponie aufgewachsen ist und einen Großteil seines Lebens dort verbracht hat, ist er fest entschlossen, eines Tages Smoky Mountain zu verlassen. Mit der Schulausbildung durch den Don Bosco Children Fund hat er die besten Voraussetzungen dazu.
Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:
Don Bosco Children Fund
Kontakt: Father Leo Ochoa (Direktor)
Adresse: P.O. Box 47, Phnom Penh, Cambodia
Telefon: +855 23 219680
Mobil: +855 16 926726
e-Mail: leo8asdb@yahoo.com
Website: www.donboscokhmer.org
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